Afghanistan Tote bei Protesten gegen Koran-Verbrennung

Die Stimmung in Afghanistan bleibt aufgeheizt: Bei Protesten gegen die Koran-Verbrennung in den USA sind zwei Polizisten ums Leben gekommen, 20 weitere Menschen wurden verletzt.
Demonstranten verbrennen eine USA-Fahne: Welle der Gewalt in Afghanistan

Demonstranten verbrennen eine USA-Fahne: Welle der Gewalt in Afghanistan

Foto: STRINGER/AFGHANISTAN/ REUTERS

Kabul - In Afghanistan halten die blutigen Proteste gegen die umstrittene Koran-Verbrennung in den USA an - und haben nun erneut Todesopfer gefordert: Am Sonntag sind bei der Demonstration in der südlichen Stadt Kandahar zwei Polizisten getötet worden. 20 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Präsident des Provinzrats, Ahmad Wali Karsai. Zudem wurden 14 Menschen bei der Explosion eines Benzinkanisters verletzt, den Demonstranten angezündet hatten, wie ein Sprecher des Gouverneurs mitteilte.

Die Opferliste der blutigen Auseinandersetzungen wird immer länger: Bereits am Samstag waren nach offiziellen Angaben mindestens neun Menschen ums Leben gekommen und mehr als 80 verletzt worden. In einem Rausch von Gewalt und Zerstörungswut hatten am Freitag Hunderte Demonstranten das Büro der Vereinten Nationen in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan gestürmt und dabei mindestens elf Menschen getötet, darunter sieben Mitarbeiter der Uno.

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Attacke in Masar-i-Scharif: Wütender Mob tötet sieben Uno-Mitarbeiter

Foto: Mustafa Najafizada/ AP

Der US-Pastor Terry Jones, der die Koran-Verbrennung im US-Bundesstaat Florida geleitet hatte, fühlt sich indes für die Proteste und Toten nicht verantwortlich. Im Gegenteil: Er forderte Vergeltung für die getöteten Uno-Mitarbeiter.

Hunderte Menschen sind auch am Sonntag in mehreren afghanischen Städten gegen die Schändung der Heiligen Schrift des Islam auf die Straße gegangen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sagte, die Demonstranten hätten am Sonntag drei Stunden lang eine Hauptstraße in Kandahar blockiert. Sie hätten einen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan gefordert und eine Puppe verbrannt, die US-Präsident Barack Obama darstellen sollte. Danach seien die Demonstranten wieder gegangen.

Auch in Dschalalabad, 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Kabul, blockierten rund 500 Studenten für etwa drei Stunden die Zufahrtstraße der Stadt nach Kabul. Sie riefen US- und israelfeindliche Parolen und forderten juristische Konsequenzen für Pastor Jones. TV-Berichten zufolge gingen auch in Tscharikar nördlich von Kabul Hunderte Männer auf die Straße.

Bei einer ähnlichen Protestkundgebung in Parwan blockierten die rund tausend Demonstranten die Hauptstraße mit brennenden Reifen, wie der Polizeichef der Provinz, Scher Ahmad Maladani mitteilte. Demnach blieb auch diese Kundgebung friedlich.

Die Taliban forderten unterdessen die Afghanen in einer Stellungnahme auf, die Proteste gegen die Koran-Verbrennung fortzusetzen. Sie erklärten, die Regierung sei für die Gewalt verantwortlich.

cib/Reuters/AFP/dapd
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