Afghanistan Tote bei Protesten vor Bundeswehrlager

In Afghanistan haben rund 2000 Menschen vor einem Lager der Bundeswehr demonstriert. Der Protest in der Stadt Talokan eskalierte, elf Demonstranten wurden afghanischen Angaben zufolge getötet, 50 weitere verletzt.
Bundeswehrpatrouille in Talokan: Rund 40 Soldaten sind in der Stadt stationiert

Bundeswehrpatrouille in Talokan: Rund 40 Soldaten sind in der Stadt stationiert

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Talokan - Schwerer Zwischenfall im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Afghanistan: Bei Protesten gegen den Einsatz westlicher Streitkräfte im Norden des Landes sind mindestens elf Menschen getötet worden. Mehr als 50 Verletzte seien in ein Krankenhaus von Talokan, der Hauptstadt der Provinz Tachar, gebracht worden, sagte der Leiter der örtlichen Gesundheitsbehörden am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, eine gewalttätige Demonstration habe sich gegen das Lager der Bundeswehr in Talokan gerichtet. Nähere Angaben machte er zunächst nicht.

Bei den Protesten vor dem Camp sind nach afghanischen Angaben auch zwei deutsche Soldaten verletzt worden. Der Gouverneur der Provinz Tachar, Abdul Jabar Taqwa, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Aufrührer hätten Handgranaten in das Lager geworfen.

Die Demonstranten riefen Schmährufe gegen die USA und Afghanistans Präsident Hamid Karzai. "Tod Karzai! Tod den USA!" hieß es. Die Proteste wurden dann gewalttätig, als einige Demonstranten begannen. Läden zu plündern und Steine auf den Posten der Bundeswehr zu werfen.

Hintergrund der Proteste war ein Einsatz der Nato in der Nacht, bei dem nach afghanischen Angaben Zivilisten getötet worden waren. Der Polizeichef Tachars, Schah Dschehan Nuri, sagte: "Sie waren alle Zivilisten." Er verurteilte die Operation, die nach seinen Worten nicht mit afghanischen Sicherheitskräften abgesprochen war. Das Militärbündnis sprach hingegen von vier getöteten Aufständischen. Die Bundeswehr war nach Angaben eines Sprechers nicht an dem nächtlichen Einsatz beteiligt.

Der Gouverneur sagte weiter, bei dem Vorfall in Talokan seien auch drei afghanische Wachleute verletzt worden. Ein Demonstrant namens Abdul Khalik, der Verletzte ins Krankenhaus brachte, sagte am Mittwoch, zunächst habe die Polizei auf Demonstranten geschossen. Dann seien deutsche Soldaten aus dem Camp gekommen. Khalik machte keine Angaben dazu, ob auch die Bundeswehr das Feuer eröffnete. Er sagte, manche der rund 2000 Demonstranten seien bewaffnet gewesen. Andere Quellen sprachen von etwa 1000 Protestierenden.

Die Bundeswehr unterhält in Talokan nur ein kleines Camp - ein sogenanntes Provinz-Beratungsteam (Provincial Advisory Team/PAT) - mit rund 40 Soldaten. Der Gouverneur sagte, Stammesälteste hätten inzwischen interveniert. Die Situation komme langsam wieder unter Kontrolle.

Bei einer gewaltsamen Demonstration in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif waren zu Beginn des vergangenen Monats vier nepalesische und drei europäische Uno-Mitarbeiter von einem Mob getötet worden. Auch vier Demonstranten waren ums Leben gekommen.

hen/dpa/AFP
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