Afghanistan Truppen töten Dutzende Aufständische

Neue Gewalt in Afghanistan: Bei mehreren Kämpfen im Süden des Landes töteten Soldaten der Koalitionstruppen Dutzende Aufständische. Kanadische Soldaten erschossen irrtümlich einen afghanischen Polizisten, vier weitere Beamte wurden verletzt.


Kabul - Die Soldaten hätten in Notwehr gehandelt, weil sie die Afghanen in dem nicht markierten Fahrzeug für Angreifer gehalten hätten, sagte ISAF-Sprecher Scott Lundy am Samstag. Der Sprecher bedauerte den Vorfall, bei dem fünf weitere Polizisten verletzt worden seien: "Es ist zutiefst traurig, dass sich dies gegenüber einer offensichtlich freundlichen Kraft ereignet hat", sagte Lundy. Es werde eine Untersuchung geben.

Den Angaben zufolge hatte der Fahrer des afghanischen Wagens nicht reagiert, obwohl er mehrfach zum Anhalten aufgefordert worden war. Die Insassen des Fahrzeugs hätten "aggressiv" auf die Warnschüsse der Soldaten reagiert und diese beschossen, sagte Lundy. Die ISAF-Soldaten hätten daraufhin das Feuer erwidert. Die Polizisten seien in Zivilkleidung unterwegs gewesen und hätten Waffen getragen, sagte Lundy. Es sei nicht zu erkennen gewesen, dass es sich um Polizisten handelte.

Etwa 40 Minuten später ereignete sich am selben ISAF-Posten ein weiterer Vorfall. Die kanadischen Soldaten eröffneten das Feuer auf die beiden Fahrer eines Motorrads und verletzten einen von ihnen durch einen Schuss, wie Lundy mitteilte. Auch diese beiden Afghanen hätten nicht auf die Forderung zum Anhalten reagiert. Erst am Dienstag hatten kanadische ISAF-Soldaten einen etwa zehn Jahre alten Jungen erschossen, der auf einem Motorrad unterwegs war.

Zuvor waren bei einem Bombenanschlag im Osten Afghanistans zwei französische Soldaten ums Leben gekommen. Zwei ihrer Kameraden seien verletzt worden, teilten die US-Streitkräfte mit. Nach der Explosion der Bombe in der Provinz Laghman am kam es zu einem Feuergefecht zwischen Soldaten der von den USA geführten Koalition und Rebellen.

Viele Tote und Verletzte bei Kämpfen im Süden

Bei mehreren Kämpfen im Süden Afghanistan töteten Soldaten der ISAF-Koalitionstruppen insgesamt fast 30 Aufständische. Die US-Streitkräfte teilten mit, ein lokaler Taliban-Kommandeur sowie 15 weitere Rebellen seien bei einem Gefecht in der Provinz Urusgan getötet worden. Die getöteten Rebellen seien in Anschläge gegen die afghanische Zivilbevölkerung und die internationalen Truppen verwickelt gewesen.

In der Provinz Helmand erschossen britische Soldaten sieben mutmaßliche Talibankämpfer, die in einem Fahrzeugkonvoi im Bezirk Musa Kala unterwegs waren. Die Aufständischen hätten einen Angriff auf die Nato in der Region vorbereitet, hieß es von Seiten der ISAF-Koalitionstruppe. Sechs Rebellen wurden in einem stundenlangen Gefecht mit afghanischen Sicherheitskräften in der Provinz Sabul getötet. Zwölf weitere sowie ein Polizist wurden verletzt. Als Aufständische bezeichnet die Nato sowohl radikalislamische Taliban als auch Drogenhändler und gewaltbereite Kämpfer regionaler Warlords.

Die Taliban-Rebellen in Afghanistan haben ihre Angriffe in diesem Jahr deutlich verschärft. In den vergangenen vier Monaten wurden laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mehr als 1.600 Menschen getötet, die meisten von ihnen Rebellen.

Erst Ende Juli hatte die ISAF ihren Kommandobereich auf den Süden Afghanistans ausgeweitet. Seither wurden bereits zahlreiche ISAF-Soldaten getötet. Der Süden Afghanistans ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban, die Ende 2001 im Zuge der US-geführten Invasion von der Macht in Kabul vertrieben wurden.

anr/fok//AP/AFP



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