Afghanistan Türkische Soldaten sollen Nordallianz unterstützen

Am 25. Tag ihres Bombardements haben die USA die Luftangriffe auf Aghanistan nochmals verstärkt. Verschiedene Medien berichten, die USA hätten die Regierung in Ankara gebeten, türkische Soldaten zur Verstärkung der Nordallianz im Kampf gegen die Taliban zu entsenden.


Ein amerikanisches Kampfflugzeug startet am Mittwoch vom Flugzeugträger USS Roosevelt in Richtung Afghanistan
AP

Ein amerikanisches Kampfflugzeug startet am Mittwoch vom Flugzeugträger USS Roosevelt in Richtung Afghanistan

Kabul/Washington - Die US-Luftangriffe haben die Taliban nach Angaben des Pentagon unter sehr starken Druck gesetzt. Es sei extrem schwierig für die Milizangehörigen geworden, miteinander oder mit Taliban-Führer Mullah Mohammad Omar zu kommunizieren, sagte Admiral John Stufflebeem am Mittwoch.

Auch Nachschub und Verstärkungen seien für die Taliban schwieriger geworden, erklärte Stufflebeem. Das alles zusammen wirke sich auf ihre Fähigkeit aus, militärisch zu operieren. Wörtlich sprach der Admiral von einem "Wahnsinnsstress" für die Taliban.

Die Angriffe vom Mittwoch nördlich von Kabul gehörten zu den heftigsten im Gebiet der Hauptstadt seit Kriegsbeginn am 7. Oktober. Das Bombardement richtete sich unter anderem gegen das Dorf Kari Muheb nahe der Frontlinie zu den Kämpfern der Nordallianz, wo die Taliban ein Hauptquartier für den Frontabschnitt unterhalten. Zwei Bomben fielen auch auf das an der Frontlinie gelegene Dorf Kalai Nasro. Über dem Dorf stiegen schwarze Rauchwolken auf, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. In der Schomali-Hochebene schoss die Flugabwehr der Taliban auf die Kampfflugzeuge. Kämpfer der Nordallianz berichteten von Panzerbewegungen der Taliban am Fuß der Safi-Berge.

In Kandahar ließen die Taliban erstmals seit Kriegsbeginn westliche Journalisten die Stadt besichtigen. Ärzte sagten, bei dem Einschlag einer Bombe in ein Krankenhaus seien 15 Menschen getötet und 25 weitere verletzt worden. Das Gebäude war schwer beschädigt, mehrere Fahrzeuge waren zerstört.

Auch die von der Nordallianz belagerte Stadt Masar-i-Scharif war Ziel von Angriffen. Die in Pakistan ansässige Nachrichtenagentur AIP meldete, die Kampfjets hätten Taliban-Stellungen in den Provinzen Samangan und Balch nahe der Stadt bombardiert. Bachtar meldete, in Dschabraheel bei Herat habe die Luftwaffe Streubomben eingesetzt. Ein Bewohner der Stadt sei ums Leben gekommen, nachdem er eine noch scharfe Kleinbombe aufgehoben habe.

Explosionen an der Nordfront in Tutakhan, 25 Kilometer nördlich von Kabul
REUTERS

Explosionen an der Nordfront in Tutakhan, 25 Kilometer nördlich von Kabul

Unterdessen berichteten verschiedene Medien, die USA hätten Ankara darum gebeten, 50 Offiziere nach Afghanistan zu entsenden, um die Nordallianz auszubilden. Der Sender NTV berichtete, Ministerpräsident Bülent Ecevit habe sein Kabinett zusammengerufen, um über die Bitte zu beraten. Der amerikanische Sender CNN meldete, es gebe Signale für eine positive Entscheidung. Die Türkei unterhält seit langem Verbindungen zu Teilen der Nordallianz, vor allem zu General Raschid Dostum.



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