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07. Oktober 2015, 01:08 Uhr

US-General über zerstörte Klinik in Kunduz

"Eine Entscheidung der USA"

22 Menschen sind bei dem US-Angriff auf ein Krankenhaus in Kunduz gestorben. Das Gebäude sei "fälschlicherweise getroffen" worden, sagte nun der Chef der US-Truppen in Afghanistan. Es habe Fehler in der US-Kommandokette gegeben.

Deutlicher als zuvor hat der Kommandierende der US- und Nato-Streitkräfte in Afghanistan die Verantwortung für den fatalen Luftangriff auf ein Hospital von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz übernommen. Der Beschuss sei ein Fehler gewesen, die Klinik sei "fälschlicherweise getroffen" worden, sagte General John Campbell im Streitkräfteausschuss des US-Senats in Washington.

"Um es klar zu sagen: Die Entscheidung für Luftangriffe war eine Entscheidung der USA, sie ist gefallen innerhalb der Kommandokette der USA", sagte Campbell. Zugleich blieb er bei seiner Einschätzung, dass der Angriff auf Bitten der afghanischen Armee erfolgt sei. "Wir würden niemals absichtlich eine geschützte medizinische Einrichtung anvisieren."

Bei dem Angriff auf das Hospital der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières - MSF) wurden am Samstag 22 Menschen getötet. Die Organisation machte den USA schwere Vorwürfe, sprach von einem Kriegsverbrechen und forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.

In Campbells Ausführungen sieht sie den Versuch, die Schuld auf die afghanischen Sicherheitskräfte zu schieben. "Das US-Militär bleibt verantwortlich für die Ziele, die es bombardiert, auch wenn es Teil einer Koalition ist", zitiert der "Guardian" den MSF-Chef Christopher Stokes.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter sagte am Dienstag, er bedaure den Vorfall in Kunduz. Das Pentagon werde die Ermittlungen Afghanistans und der Nato voll unterstützen. "Durch vollständige und transparente Aufklärung tun wir alles, um diesen tragischen Zwischenfall zu verstehen, aus ihm zu lernen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wo das nötig ist", sagte Carter.

"Afghanistan bleibt eine der gefährlichsten Regionen der Welt"

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban hatten weite Teile des ehemaligen Bundeswehr-Einsatzgebietes unter ihre Kontrolle gebracht. Regierungstruppen eroberten bis Montag das Stadtzentrum der Großstadt Kunduz zurück. Angesichts des Taliban-Angriffs sprach sich der Vier-Sterne-General Campbell für einen längeren Truppenverbleib aus: "Afghanistan bleibt eine der gefährlichsten Regionen der Welt", sagte er.

Der anhaltende Druck auf radikale Gruppen und die Ausbildung der afghanischen Armee durch US- und Nato-Streitkräfte hätten Terroranschläge im Ausmaß der Attacken vom 11. September 2001 verhindert. Campbell bezweifelte, dass die US-Botschaft ihren normalen Betrieb in dem Land wie geplant 2017 aufnehmen könne.

Nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama sollen die verbleibenden 9800 amerikanischen Soldaten bis Ende 2017 abgezogen werden. Ob die afghanischen Sicherheitskräfte dann ohne Unterstützung der USA auskommen, ist aber fraglich. Bis Ende dieses Jahres hatte die Anzahl der US-Soldaten auf 5500 sinken sollen - im März hatte Obama bereits angekündigt, die Truppen langsamer als geplant abzuziehen.

Auch die Bundeswehr rechnet einer aktuellen Lageanalyse zufolge nicht mit schnellen Erfolgen der afghanischen Regierungstruppen im Kampf gegen die Taliban in Kunduz.

aar/dpa/Reuters

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