Afghanistan US-Jets nehmen Bin Ladens Versteck unter Beschuss

US-Kampfflugzeuge haben weit verzweigte Tunnelsysteme in Ost-Afghanistan angegriffen. Sie gelten als Versteck von Osama Bin Laden. Am Morgen wurden erneut die Städte Kabul, Herat und Kandahar attackiert.


Ziel Afhganistan: Eine F-14 startet von der "USS Enterprise"
AFP

Ziel Afhganistan: Eine F-14 startet von der "USS Enterprise"

Washington/Islamabad - Die Angriffe in Ost-Afghanistan zielten auf Stellungen der al-Qaida-Organisation und der Taliban, zu denen auch Höhlen und Tunnel gehörten, sagte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. Wie die Nachrichtenagentur AIP meldete, hätten US-Kampfflugzeuge mindestens zwei Bomben auf Gora Tangi im Grenzgebiet zu Pakistan abgeworfen. Dort soll Osama bin Laden während seiner Beteiligung im Kampf gegen die sowjetische Besetzung in den achtziger Jahren ein Tunnel-Netz errichtet haben. Diese Höhlen und Tunnel könnten ihm nun als Unterschlupf dienen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gestand ein, dass bislang keine mutmaßlichen Topterroristen getötet worden. Zwar seien die Truppen der Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida empfindlich getroffen worden und Terrorführer der mittleren Ebene den Angriffen zum Opfer gefallen, doch sei darunter keiner der zehn ranghöchsten Führer, sagte Rumsfeld.

Staatsfeind Nummer eins: Osama Bin Laden bei einer Fernsehansprache in einem seiner Verstecke
AFP

Staatsfeind Nummer eins: Osama Bin Laden bei einer Fernsehansprache in einem seiner Verstecke

Am Dienstag griffen die Amerikaner erneut die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans sowie Kabul und Herat an. Auch die Frontlinien der Taliban nahe Kabul und in Samangan im Norden seien heftig bombardiert worden, sagten Taliban-Sprecher der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Auch der US-Nachrichtensender CNN meldete Angriffe auf Kandahar. Sie hätten mehrere Stunden gedauert. Die Flugabwehr der Taliban habe geschossen, berichtete CNN. Nach Angaben der Taliban kam in Kundus einer ihrer Kämpfer ums Leben. In Kandahar seien mehrere Bomben in ein Wohngebiet gefallen. Dabei seien vier Menschen getötet und zehn Menschen verletzt worden, sagten die Taliban.

Brückenkopf für Elitetruppen?

US-Beamte sagten der Tageszeitung "USA Today", es werde an einen Stützpunkt in Nord-Afghanistan mit 200 bis 300 Elitesoldaten und bis zu 600 Mann als Unterstützungstruppe gedacht. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang dafür nicht. Der Vietnam-Veteran und US-Senator John McCain sagte am Sonntag, die USA müssten ihre Anstrengungen verstärken. "Wir müssen möglicherweise viele Soldaten für eine gewisse Zeit nach Afghanistan schicken, um das Terroristen-Nest wirksam auszulöschen und Bin Laden ausfindig zu machen."

Rumsfeld schloss den Einsatz von Bodentruppen nicht aus, wollte aber einen Zeitrahmen dafür nicht nennen. Laut "USA Today" könnte der Bodenstützpunkt eingerichtet werden, um den Soldaten der Nordallianz bei ihrer festgefahrenen Offensive zur Einnahme der Stadt Masar-i-Scharif zu helfen. Von dem Vorposten aus könnten Hubschrauberangriffe gegen Taliban-Frontlinien geflogen und Bombardements durch Flugzeuge koordiniert werden.

Der Verteidigungsminister bestätigte, dass der von den Taliban hingerichtete Oppositionsführer Abdul Hak ohne Erfolg US-Unterstützung erhielt. "Die Unterstützung kam unglücklicherweise aus der Luft, und er war auf dem Boden". Sie sei nicht vom Militär, sondern "einem anderen Element der Regierung" ausgegangen, sagte Rumsfeld. Es wird angenommen, dass er damit den Geheimdienst CIA meinte. Nach Informationen der "Washington Post" schickte die CIA eine unbemannte, bewaffnete Drohne gegen einen Taliban-Konvoi aus.

Unterdessen kündigte der britische Außenministers Jack Straw an, die USA und Großbritannien erwägten nun doch, die Angriffe auf Afghanistan für den islamischen Fastenmonat Ramadan zu unterbrechen. Er wolle aber keine falschen Hoffnungen wecken, sagte Straw am Montag in einem BBC-Interview. Eine Feuerpause sei denkbar, aber noch keineswegs beschlossen.

Auch Verteidigungsminsiter Geoff Hoon erklärte, eine Pause während des Ramadans werde erwogen. Zugleich dürfe aber nicht zugelassen werden, dass sich die Taliban oder al-Qaida neu formierten. Rumsfeld kündigte dagegen an, dass die US-Angriffe nicht wegen des moslemischen Fastenmonats unterbrochen würden.



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