Afghanistan US-Marines posieren vor SS-Flagge

Scharfschützen der Marine-Corps ließen sich in Afghanistan vor einer Fahne mit einem Symbol fotografieren, das an die nationalsozialistische SS erinnert. Das Militär bestätigt den Vorfall, sieht aber offenbar wenig Grund für eine Untersuchung.
US-Marines in der afghanischen Provinz Helmand: Posieren mit US-Flagge und SS-Symbol

US-Marines in der afghanischen Provinz Helmand: Posieren mit US-Flagge und SS-Symbol

Foto: AP / knightarmco.com

San Diego - Scharfschützen der US-Marineinfanterie haben sich in Afghanistan vor einer Fahne mit einem Symbol fotografieren lassen, das dem der nationalsozialistischen SS ähnelt. Das bestätigte ein Sprecher der US-Einheit, Oberstleutnant Stewart Upton, am Donnerstag in San Diego.

Das Foto sei im September 2010 in der afghanischen Provinz Sangin gemacht worden. Die Soldaten, die darauf zu sehen sind, gehörten nicht mehr der Einheit an, sagte Upton. Das Marine-Korps habe sich mit dem Problem befasst. Doch Details, wie man auf den Vorfall reagiert habe, nannte Upton nicht.

Das Foto, das auch im Internet kursiert, sorgt für Aufregung: Die Vereinigung für religiöse Freiheit im Militär (Military Religious Freedom Foundation) verlangt nach Informationen der Nachrichtenagentur AP eine umfassende Untersuchung des Vorfalls. Der Vorsitzende der Vereinigung, Michael Weinstein, kündigte an, einen Beschwerdebrief an Verteidigungsminister Leon Panetta zu schreiben.

"Nicht akzeptabel, aber keine NS-Verbindung"

Im Militär selbst sieht man weniger Anlass für eine Untersuchung. Die Agentur zitierte einen Sprecher des Marine-Korps-Camps im südkalifornischen Pendleton mit den Worten, dass einem Generalinspekteur der "I. Marine Expeditionary Force" das Foto bereits im November gezeigt wurde. Der sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass nicht zu erkennen sei, dass die Marines sich mit der nationalsozialistischen Organisation identifizierten.

Der Sprecher sagte, eine Untersuchung habe ergeben, dass das SS-Symbol nicht für die nationalsozialistische Schutzstaffel, sondern für "scout snipers" stünde. Solche Späher-Scharfschützen sind Spezialisten innerhalb der Marineinfanterie, die Gegner gezielt ausschalten sollen. Dennoch sei das Verhalten nicht akzeptabel.

Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass das Verhalten von Marineinfanteristen im Afghanistan-Krieg für Ärger sorgt. Im Januar tauchte im Internet ein Video auf, auf dem US-Soldaten in Afghanistan auf die Leichen von Taliban-Rebellen urinieren.

Auf dem 39 Sekunden langen Clip sind vier mutmaßliche Marineinfanteristen in Kampfanzügen zu sehen, die lachend über den Leichen von drei Männern ihre Notdurft verrichten. Eine Video-Unterschrift beschreibt die Männer als Mitglieder eines Scharfschützen-Teams aus Camp Lejeune (US-Bundesstaat North Carolina), die Toten als Taliban. Das US-Militär leitete Untersuchungen ein.

fab/AP