US-Verteidigungsminister Panetta startet Blitzbesuch in Afghanistan

Es ist eine unerwartete Visite des Pentagon-Chefs: Leon Panetta ist zu einem Kurzbesuch in Afghanistan gelandet. Dort will der Politiker mit Vertretern der Nato und der lokalen Regierung über die Gewalt im Land beraten.
US-Verteidigungsminister Panetta in Kabul: Informationen über Taliban einholen

US-Verteidigungsminister Panetta in Kabul: Informationen über Taliban einholen

Foto: POOL/ REUTERS

Kabul - Die Meldungen über Anschläge und Angriffe in Afghanistan häufen sich. Nun informiert sich US-Verteidigungsminister Leon Panetta selbst vor Ort über die Lage im Land. Der Politiker traf am Donnerstag zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan ein. Aus Sicherheitsgründen war die Visite vorher nicht angekündigt.

Ein Sprecher der Nato-geführten Schutztruppe Isaf sagte, Panetta werde mit US- und Nato-Vertretern sowie mit Repräsentanten der afghanischen Regierung zusammenkommen. Der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak lud am Donnerstag zu einer Pressekonferenz in Kabul ein.

Auf dem Flug von Indien nach Afghanistan erklärte Panetta, er wolle sich ein Bild von den Aktivitäten der islamistischen Taliban-Kämpfer machen. Er habe den Eindruck, dass diese "viel besser organisiert" seien als zuvor. Gleichzeitig vertrat Panetta die Ansicht, dass es derzeit in Afghanistan weniger Gewalttaten gebe als in vorangegangenen Jahren.

Diese Einschätzung überrascht nach den Vorfällen vom Mittwoch. Zwei Selbstmordattentäter hatten in der südafghanischen Stadt Kandahar 23 Menschen mit in den Tod gerissen, 50 weitere wurden verletzt. Auch in den Wochen zuvor hatte es immer wieder blutige Anschläge gegeben.

Ein weiterer Vorfall dürfte die Bemühungen um den Friedensprozess erschweren. Bei einem Nato-Luftschlag in der ostafghanischen Provinz Logar waren zudem nach Angaben des Provinzrates 18 Zivilisten getötet worden, darunter zahlreiche Kinder.

In den vergangenen Monaten hatte der Tod von Zivilisten beim Kampf der internationalen Afghanistan-Truppen gegen die Taliban immer wieder für Spannungen zwischen der Regierung in Kabul und Washington gesorgt.

Es ist Panettas vierter Besuch in Afghanistan seit seinem Amtsantritt als Verteidigungsminister im vergangenen Juli. Besuche von westlichen Politikern werden aus Angst vor Anschlägen in der Regel nicht vorab angekündigt.

Panetta war zuvor in Indien gewesen, wo er die Regierung um verstärktes Engagement bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte in Indien gebeten hatte. Neu Delhi hat keine Truppen nach Afghanistan entsandt, bildet aber afghanische Soldaten in Indien aus.

jok/dpa/Reuters