Afghanistan US-Politiker fordern Bodenoffensive

Die Amerikaner haben erneut schwere Bombenangriffe gegen die Taliban-Hochburg Kandahar geflogen. Während Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Fortschritte im Krieg gegen Afghanistan sieht, sprachen sich US-Politiker für den Beginn einer massiven Bodenoffensive aus.


Kabul: Auch das Lagerhaus des Internationalen Rotes Kreuzes wurde bei den US-Attacken beschädigt
AFP

Kabul: Auch das Lagerhaus des Internationalen Rotes Kreuzes wurde bei den US-Attacken beschädigt

Kabul/Washington - Die Luftangriffe seien erfolgreich, die US-Luftwaffe habe gute Fortschritte gemacht, sagte Rumsfeld im Fernsehsender ABC. Der Anti-Terrorkrieg könne aber noch lange dauern.

In den frühen Morgenstunden nahmen die Amerikaner erneut die Stadt Kandahar im Süden des Landes unter Feuer. Andere Explosionen seien im Westen von Kandahar zu hören gewesen, berichtete der TV-Sender CNN. Ziele könnten militärische Einrichtungen gewesen sein, hieß es weiter. Am Sonntag sei es in Kandahar relativ ruhig gewesen. Auf die Hauptstadt Kabul waren innerhalb einer Zeitspanne von elf Stunden, die am frühen Sonntagmorgen endete, 35 Bomben abgeworfen worden.

Verluste sollen in Kauf genommen werden

Für eine groß angelegte Bodenoffensive der USA sprach sich unterdessen Senator John McCain aus. Der republikanischer Herausforderer von George W. Bush vor der Präsidentenwahl vor einem Jahr sagte in mehreren Fernsehinterviews, eine große Landstreitmacht müsse zumindest über einen kurzen Zeitraum eine Basis in Afghanistan errichten, von der aus nach mutmaßlichen Terroristen des al-Qaida-Netzwerks von Osama Bin Laden gefahndet werden müsse.

McCain, ein Vietnamkriegs-Veteran, sagte, ein US-Einmarsch in Afghanistan werde zwar Verluste fordern. Aber mit der Luftwaffe allein könnten die USA ihre Ziele im Krieg gegen den Terrorismus nicht erreichen. Der demokratische Senator Christopher Dodd stimmte McCains These zu, dass eine große Landstreitmacht nach Afghanistan entsendet werden müsse. Und der Demokrat Dick Gephardt erklärte, wenn Bush eine solche Aktion befehlen würde, würde er sie unterstützen.

Bushs Stabschef Andrew Card wollte sich an der Diskussion über den Einsatz von Bodentruppen nicht beteiligen. "Lassen Sie uns noch nicht so weit gehen", sagte er im Fernsehsender NBC.

Talibanführer will USA "harte Lektion" erteilen

Talibanführer Mohammed Omar drohte den USA unterdessen eine "harte Lektion" an, sollten ihre Soldaten nach Afghanistan kommen. Der "wahre Krieg" habe noch gar nicht begonnen, sagte der Mullah in einem Interview mit der algerischen Zeitung "Al Joum". "Wir werden alle Arten des Dschihads (Heiligen Kriegs) führen, damit die Afghanen ihr eigener Herr bleiben", sagte er in einem nach Angaben der Zeitung etwa zwei Wochen nach Beginn der US-Luftangriffe am 7. Oktober schriftlich geführten Interview. "Sie werden eine härtere Lektion als ihre russischen Vorgänger erhalten", sagte er in Anspielung auf die sowjetische Besetzung Afghanistans in den achtziger Jahren.



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