Afghanistan US-Spezialeinheiten töten Top-Talib bei Kunduz

Er starb auf dem Weg zu einer Beerdigung: Bei einem von den USA angeführten Präzisionsluftschlag ist der Taliban-Schattengouverneur der Provinz Kunduz getötet worden. Deutsche Einheiten waren an der Aktion offenbar nicht beteiligt.
Von Shoib Najafizada
US-Soldaten in Afghanistan: Tödlicher Schlag gegen Schatten-Gouverneur

US-Soldaten in Afghanistan: Tödlicher Schlag gegen Schatten-Gouverneur

Foto: DAVID FURST/ AFP

Kunduz - Mit dem hochrangigen Taliban-Kommandeur kamen mehrere seiner Berater bei dem Präzisionsluftschlag der internationalen Schutztruppe Isaf ums Leben. Sie seien nordöstlich von Kunduz in einem Fahrzeug unterwegs gewesen, heißt es in einer Mitteilung der Isaf.

Bei dem Taliban-Anführer handelt es sich um Mullah Noor Mohammad. Er war vor etwa zwei Monaten aus der südafghanischen Taliban-Hochburg Helmand nach Kunduz gekommen, nachdem Mullah Salam, sein Vorgänger als Schattengouverneur, in Pakistan festgenommen worden war. Noor Mohammad war mit drei anderen Kommandeuren auf dem Weg nach Dascht-i-Archi, wo eine Beerdigung von mehreren am Wochenende getöteten Taliban stattfinden sollte.

Der Taliban-Kommandeur sei "an allen Aspekten der Militäroperation (der Aufständischen) in der Provinz Kunduz" beteiligt gewesen, heißt es in einer Mitteilung der Isaf. Er sei verantwortlich dafür gewesen, Zielprioritäten zu setzen, Waffen zu verteilen und Angriffe gegen ausländische und afghanische Sicherheitskräfte zu leiten.

Mit der Ernennung der sogenannten Schattengouverneure wollen die Taliban ihre Macht im Land verdeutlichen. Da die Zentralregierung von Hamid Karzai außerhalb von Kabul kaum Einfluss hat und weder Polizei- noch der Justizapparat funktionieren, bieten sich die Aufständischen als Parallelregierung an. Von der Klärung bei Familienstreits bis zu Eigentumsfragen erledigen die Schattengouverneure alle Aufgaben, die sonst eine Regierung hätte. Daneben freilich organisieren sie auch den bewaffneten Widerstand gegen die internationalen Truppen.

Bundeswehr und KSK an der Aktion nicht beteiligt

Deutsche Einheiten waren dem Vernehmen nach nicht an der gezielten Tötung des Kommandeurs beteiligt. Für die Bundeswehr, auch für die Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte KSK, gilt generell, dass Verdächtige festgenommen und nicht getötet werden sollen. Die US-Spezialeinheiten, die rund um Kunduz mit von ihnen trainierten Afghanen agieren, gehen robuster vor und haben in den letzten Monaten mindestens zwei Dutzend Taliban-Kommandeure rund um Kunduz eliminiert.

Die USA haben ihre militärischen Aktivitäten in der Region in den letzten Monaten massiv verstärkt. Mehr als 5000 zusätzliche US-Soldaten, beinahe so viel wie Deutsche in dem Gebiet, will US-Oberbefehlshaber Stanley McChrystal bis zum Sommer stationieren, neben den Soldaten schickt er auch Dutzende Kampfhubschrauber und geheim agierende Spezialeinheiten. Vor allem die berüchtigte "Task Force 373", die seit dem Sommer in Masar-i-Scharif eingezogen ist, macht Jagd auf die Taliban.

Bei einem Besuch vergangene Woche hatte McChrystal abseits der offiziellen Termine mehr Operationen gegen die Taliban in ihren Hochburgen rund um Kunduz und Baghlan angekündigt. "Wir haben dort schon viel gemacht, und wir werden dieses Jahr gemeinsam noch mehr machen", sagt er im Gespräch mit wenigen Journalisten. Das Regionalkommando der Deutschen bezeichnet er als "extrem wichtig", vor allem wegen der neuen Nato-Versorgungsroute, eine Schwachstelle der Allianz.

Bei der Bundeswehr gibt es durchaus Sorgen, dass die Amerikaner den Deutschen die Führungsgewalt für den Norden schleichend abnehmen werden. Symbolisch will Guttenberg deshalb möglichst bald einen Zweisterne-General als neuen Regionalkommandeur einsetzen, den Job soll der Generalmajor Hans Werner Fritz machen. Die USA entsenden als Stellvertreter bald einen General der Special Forces nach Masar-i-Scharif, bis dahin soll möglichst auch der 56-Jährige Fritz sein Kommando in Nordafghanistan übernommen haben.

In der Provinz Kunduz waren am Karfreitag drei deutsche Soldaten in einem Hinterhalt der Taliban getötet worden. Bei einer Operation in der Nachbarprovinz Baghlan waren vor knapp zwei Wochen vier Bundeswehrsoldaten bei einem Anschlag und unter Beschuss gestorben.

Seit Jahresbeginn haben die US-Streitkräfte in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion mehr als 30 Raketen von Drohnen aus abgefeuert und dabei zahlreiche mutmaßliche Aufständische getötet. Zwar protestiert Pakistan immer wieder gegen den Einsatz der Drohnen über seinem Gebiet, doch sollen pakistanische Militärs die Angriffe insgeheim unterstützen.

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