Explosion in Kabul Mindestens 14 Tote bei Anschlag auf Militärkonvoi

Der Attentäter steuerte sein mit Sprengstoff gefülltes Auto in einen Isaf-Konvoi: In Kabul starben bei einem Selbstmordanschlag mindestens sechs Zivilisten, zwei Soldaten und vier zivile Mitarbeiter der internationalen Einsatztruppe. Dutzende Menschen wurden verletzt.
Von Shoib Najafizada
Explosion in Kabul: Mindestens 14 Tote bei Anschlag auf Militärkonvoi

Explosion in Kabul: Mindestens 14 Tote bei Anschlag auf Militärkonvoi

Foto: MOHAMMAD ISMAIL/ REUTERS

Kabul - Die afghanische Hauptstadt Kabul ist erneut Ziel eines Anschlags geworden: Mindestens sechs einheimische Zivilisten und sechs Angehörige der internationalen Afghanistantruppe Isaf, darunter zwei Soldaten, wurden mit in den Tod gerissen.

Ziel des Angriffs war ein ausländischer Militärkonvoi, der am Morgen durch das Viertel Shah Shahid fuhr. Ein Augenzeuge berichtete SPIEGEL ONLINE, ein Selbstmordattentäter sei mit seinem Wagen neben die Fahrzeuge mit den Ausländern gefahren und habe sich dann in die Luft gesprengt. Dies bestätigte Kabuls Polizeichef Ayub Salang.

Unter den getöteten Zivilisten sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei Kinder. 39 weitere Zivilisten wurden demnach verletzt. Das afghanische Gesundheitsministerium bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass die meisten Verletzten Verbrennungen erlitten hätten.

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos waren keine deutschen Soldaten betroffen. In Kabul sind nur noch wenige Bundeswehr-Soldaten stationiert.

Zehn Wohnhäuser seien bei der Detonation beschädigt worden, sagte Polizeichef Salangi. Eine Rauchwolke hing nach der Detonation über den Gebäuden, Sirenen heulten.

Afghanistans Präsident Hamid Karzai verurteilte die "unmenschliche und un-islamische" Tat: "Terroristen und Feinde des afghanischen Friedens haben auf brutale Weise in einer Wohngegend zugeschlagen und viele unschuldige Zivilisten, darunter Kinder, getötet und verletzt."

Hezb-i-Islami bekennt sich zu Attentat

Die islamistische Extremistengruppe Hezb-i-Islami von Ex-Premierminister Gulbuddin Hekmatjar bekannte sich zu dem Anschlag: Sie habe amerikanische Militärberater treffen wollen. Die Hezb-i-Islami gehört zu den drei großen Aufständischengruppen, die gegen die afghanische Regierung und ihre ausländischen Unterstützer kämpfen. Die anderen beiden sind die Taliban unter ihrem Anführer Mullah Omar und das Hakkani-Netzwerk.

Ein Sprecher der internationalen Schutztruppe Isaf sagte, ausländische Soldaten hätten den Anschlagsort abgeriegelt und untersuchten den Vorfall. Nach ersten Erkenntnissen des Einsatzführungskommandos sind keine deutschen Soldaten betroffen. In Kabul sind nur noch wenige Bundeswehrsoldaten stationiert.

Truppen wieder verstärkt ins Visier der Aufständischen

Die Anschläge gegen die internationale Schutztruppe Isaf haben in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Allein in diesem Jahr kamen bereits 65 ausländische Soldaten ums Leben, meist wurden sie Opfer von Sprengfallen und Selbstmordattentäter. Abseits der offiziellen Nato-Linie, die stets von Fortschritten im Land sprechen, sorgen sich die Kommandeure in Afghanistan bereits, dass die Truppen 2013 wieder verstärkt ins Visier der Aufständischen geraten.

Dies zeigt die Auswertung von zwei schweren Anschlägen im Süden des Landes. Kurz nacheinander waren in den vergangenen Tagen zwei Patrouillen der Isaf attackiert worden. Experten stellten nach den tödlichen Angriffen fest, dass die eingesetzten Bomben so groß waren, dass die schwere Panzerung der Fahrzeuge der Wucht kaum stand hielt. Dass die Taliban wieder in der Lage sind, solche Sprengsätze herzustellen und gegen die Isaf einzusetzen, so ein Nato-General, bereite den militärischen Führern heftiges Kopfzerbrechen.

kgp/mgb/heb/dpa/AP/Reuters
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