Afghanistan Viele Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Es war einer der schwersten Anschläge seit dem Sturz der Taliban: Ein Selbstmordattentäter hat in Kabul mindestens 27 Soldaten und zahlreiche Zivilisten mit in den Tod gerissen. Die Opfer waren auf dem Weg zur Arbeit, als die Bombe zündete.


Kabul – Es geschah, als sich die Soldaten vor dem Bus versammelten um auf die Ausweiskontrolle zu warten. Augenzeugenberichten zufolge drängte sich der Attentäter zwischen den Wartenden hindurch und sprengte sich dort in die Luft. "Die Explosion ereignete sich, kurz nachdem eine Gruppe afghanischer Soldaten den Bus betreten hatte", berichtete Augenzeuge Mohammed Saher, der durch umher fliegende Splitter am Kopf verletzt wurde. Die Detonation riss den Bus in zwei Hälften. Überall um den Tatort herum zersprangen Fensterscheiben. Ein nahe gelegenes Theater, ein Restaurant und eine Apotheke wurden schwer beschädigt.

Zerstörter Armeebus: "Überall war Feuer, Rauch und Staub"
REUTERS

Zerstörter Armeebus: "Überall war Feuer, Rauch und Staub"

"Es war ein furchtbarer Augenblick", erinnert sich Saher. "Überall war Rauch, Feuer und Staub." Anwohner halfen der Polizei, Körperteile vom Boden aufzusammeln und in Plastiktüten zu stecken.

Die genaue Zahl der Todesopfer steht noch nicht fest. 21 weitere Armeeangehörige erlitten teils schwere Verletzungen, wie das Militär mitteilte. 17 der Verletzten schweben in Lebensgefahr. Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed sagte, der Anschlag sei Teil der Strategie der Radikalislamisten, Attentate während des muslimischen Fastenmonats Ramadan zu verüben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums trug der Selbstmordattentäter eine Armeeuniform.

Die mit Hilfe ausländischer Truppen gestürzten Taliban haben angesichts schwerer Verluste bei Gefechten im vergangenen Jahr ihre Strategie geändert. Statt größerer Angriffe auf Nato-Truppen und afghanische Soldaten setzen die Aufständischen nun verstärkt auf Selbstmordanschläge und Sprengfallen. Im Juni riss ein Selbstmordattentäter in Kabul 24 Polizisten in einem Bus in den Tod.

mik/Reuters/AFP/AP



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