Afghanistan Viele Tote bei Selbstmordanschlag nahe Kunduz

Der Terrorist schlug vor einem Regierungsgebäude zu: Nördlich der nordafghanischen Stadt Kunduz, im Einsatzgebiet der Bundeswehr, hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mindestens 20 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet, Dutzende verletzt.

Von Shoib Najafizada und


Kunduz - Bei einem Selbstmordanschlag in der nordafghanischen Provinz Kunduz sind Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich in Imam Saheb nördlich der Provinzhauptstadt Kunduz, wo die Bundeswehr ein Feldlager mit rund 1400 Soldaten betreibt.

Den lokalen Behörden zufolge sprengte sich der Selbstmordattentäter um 12.25 Uhr Ortszeit direkt vor der Ausweisabteilung des Verwaltungsgebäudes in die Luft. Mohammed Ayob, der Distriktchef von Imam Saheb, sagte SPIEGEL ONLINE, bisher seien 26 Tote und 26 Verletzte gezählt worden. "Alle Opfer sind Zivilisten", ergänzte der Lokalpolitiker. Ayob rechnet damit, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen wird. "Viele der Verletzten sind in einem sehr kritischen Zustand", sagte er kurz nach dem Anschlag. In Agenturberichten ist von mindestens 28 Todesopfern und bis zu 50 Verletzten die Rede.

In dem Behördengebäude sind das Hauptquartier der Bezirkspolizei und ein Büro der Regionalregierung untergebracht. Vor dem Komplex hatten Dutzende Afghanen Schlange gestanden, um ihre Ausweispapiere abzuholen.

Augenzeugen des Anschlags berichteten, der Angreifer habe sich zunächst mit den anderen Wartenden vor der Ausweisstelle angestellt. Als er die Tür des Gebäudes erreichte, habe er seine Sprengladung gezündet. Die Berichte zeugen von einem regelrechten Blutbad. Überall vor dem Gebäude hätten Leichenteile herumgelegen, erzählen Zeugen. Noch am Anschlagsort erlagen viele Schwerverletzte ihren Verwundungen.

Planen die Taliban eine neue Offensive?

Die Region Imam Saheb gilt trotz der verstärkten Operationen von deutschen und amerikanischen Einheiten weiterhin als Hochburg der Taliban. Nachdem die internationalen Einheiten gemeinsam mit afghanischen Kräften in den vergangenen Monaten mehrere Landstriche rund um Kunduz zurückgewonnen hatten, zogen sich die Taliban offenbar in den Norden der Provinz zurück.

Die Taliban bekannten sich einige Stunden nach dem Blutbad in Imam Saheb zu dem Angriff. In einem Telefonat mit SPIEGEL ONLINE behauptete der Sprecher Sabihullah Mudschahed, der Angriff habe einem Rekrutierungsbüro der afghanischen Polizei in dem Regierungsgebäude gegolten. "Die Menschen vor dem Büro wollten sich als Polizisten bewerben, deswegen haben wir sie angegriffen", sagte Sahibullah Mudschahed.

Der Sprecher, der sich regelmäßig zu Aktivitäten der Taliban äußert, sprach von drei Toten und vielen Verletzten durch den Anschlag. Er dementierte, dass bei der Attacke Zivilisten ums Leben gekommen seien. Die Angaben des Sprechers dienen der Propaganda der Taliban und sind in vielen Fällen verzerrt gewesen. Für die Aufständischen gilt die afghanische Polizei als erklärter Feind, immer wieder verüben die Taliban Anschläge auf die lokalen Sicherheitskräfte.

Die lokalen Sicherheitsbehörden befürchten, dass der schwere Angriff eine Art Startschuss für neue Gewalt in Nordafghanistan sein könnte. Aus Erfahrung wissen die Behörden, dass die Taliban die Wintermonate nutzen, um sich neu auszurüsten und um Selbstmordattentäter auszubilden. Auch die Bundeswehr, die in Imam Saheb nur selten zu sehen ist, befürchtet eine solche Frühlingsoffensive.

Erst am Samstag hatte ein Selbstmordkommando der Taliban in der Stadt Dschalalabad im Osten des Landes ein Bank attackiert und mindestens 38 Menschen getötet, darunter mehr als 20 Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte. Am Freitag hatte ein afghanischer Soldat in einem Außenposten in Nordafghanistan drei Bundeswehrsoldaten erschossen.

mit Material von AFP/dpa/Reuters/AP



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
G-Kid 21.02.2011
1. Nichts wie raus
Zitat von sysopDer Terrorist schlug vor einem Regierungsgebäude zu:* Nördlich der nordafghanischen Stadt Kunduz, im Einsatzgebiet der Bundeswehr, hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mindestens 20 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet, Dutzende verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746720,00.html
Da gibt's nicht viel zu diskutieren: Raus aus Afghanistan!
PeaceNow 21.02.2011
2. ...
Zitat von G-KidDa gibt's nicht viel zu diskutieren: Raus aus Afghanistan!
Wer Afghanistan nicht freiwillig verlässt, wird eben eines Tages "gegangen", so wie zuvor alle anderen Besatzer, man kann ja Mal die Perser, Makedonen, Inder, Briten und Sovjets fragen, wie es damals so war.
purzel123 21.02.2011
3. man steckt schon im Sumpf
die Nato könnte den Krieg schon gewinnen, aber dafür müsste sie einige ihrer Prinzipien über Bord werfen. Wenn die Nato sich übereilt zurückzieht wird dies in der gesamten islamistischen Welt als großer von Allahs Gnaden errungener Sieg angesehen. Man würde diese Gruppen zu weiteren Angriffen ermutigen. Denn man braucht ja nur lange genug zu bomben und schon erreicht man seine Ziele. Die Idee die USA direkt anzugreifen kam Bin Laden, nachdem er gesehen hatte, wie die USA sich aus Somalia zurückgezogen hatten, nachdem 19 Marines starben.
Haligalli 21.02.2011
4. Hm
Zitat von PeaceNowWer Afghanistan nicht freiwillig verlässt, wird eben eines Tages "gegangen", so wie zuvor alle anderen Besatzer, man kann ja Mal die Perser, Makedonen, Inder, Briten und Sovjets fragen, wie es damals so war.
Was machen wir da jetzt? Der Verteidigungsminister hat Grad einen Nebenkriegsschauplatz und somit andere Sorgen. Und unsere Bundeskanzlerin hat ihre Richtlinienkompetenz - Kompetenz verlegt. Deshalb wird's so bleiben wie bisher. Unsere Soldaten können einem Leid tun.
Pepito_Sbazzagutti 21.02.2011
5. ....
Immerhin waren dieses Mal unter den Opfern keine Bundeswehrsoldaten.
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