Afghanistan vor der Wahl "Karzai wird sich um seine Leute kümmern"

In seinem Heimatdorf war der afghanische Präsident Hamid Karzai schon seit Jahren nicht mehr, doch die Bewohner von Kars hoffen auf seinen Sieg bei der Wahl am Samstag. Denn der könnte sich für sie auszahlen, wie sie glauben.


Karzai-Unterstützer bei der Teepause: Hoffen auf den Präsidenten
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Karzai-Unterstützer bei der Teepause: Hoffen auf den Präsidenten

Kars - Ein einzelnes Wahlkampfplakat in einem Geschäft ist der einzige äußere Hinweis auf die Verbindung Karzais mit dem Dorf, einer Ansammlung mehrerer hundert Lehmhäuser am Rand der südafghanischen Stadt Kandahar. Karzais früheres Wohnhaus liegt inmitten von Ruinen dort, wo früher das Zentrum des Dorfs war. Im Kampf gegen die sowjetische Besatzung in den achtziger Jahren wurde es verwüstet.

Karzai verließ das Dorf als Jugendlicher, als sein Vater, ein Abgeordneter, nach Kabul ging. Karzais bescheidene Wurzeln haben ihm möglicherweise dabei geholfen, den Zugang zu den Normalbürgern des Landes nicht zu verlieren - im Gegensatz zu manch anderen seiner 17 Konkurrenten im Rennen um den Sieg bei der ersten freien Präsidentenwahl des Landes.

Aus Sicherheitsgründen reiste er während des Wahlkampfs jedoch nur äußerst selten von Kabul in die Provinz. Bei einer dieser wenigen Reisen feuerten mutmaßliche Taliban-Rebellen im September im Osten des Landes eine Rakete in Richtung seines US-Militärhubschraubers. Seither blieb er weitgehend in seinem schwer bewachten Präsidentenpalast in der Hauptstadt. Erst am Dienstag wagte Karzai wieder einen Wahlkampfauftritt: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hielt er vor 10.000 Zuhörern eine Rede in der Stadt Ghasni, 125 Kilometer südlich von Kabul.

Karzais Bruder kümmert sich um die Probleme des Dorfes

Wali Dschan, ein Ladenbesitzer mit silbergrauem Bart, sagt, Karzai sei seit fünf Jahren nicht mehr an seinem Geburtsort gewesen. Vor einigen Monaten habe der Präsident aber das Grab seines Vaters am Rand der nach Kandahar führenden Straße besucht. Die Dorfältesten sagen, sie würden es begrüßen, wenn Karzai in den Ort selbst käme. Die Moschee dort wurde inzwischen wieder aufgebaut, und auch eine Schule für Jungen gibt es. Für Mädchen gibt es keine.

Ahmad Wali Karzai, eine Art Schattengouverneur in Kandahar und die treibende Kraft hinter dem Wahlkampf seines Bruders im Süden des Landes, kümmere sich um ihre Probleme, sagen die Ältesten. Er vermittle bei Stammesfehden und organisiere Nahrungsmittelhilfe in Zeiten der Dürre. Aber eigentlich hoffen sie darauf, dass der Präsident ihnen nach seiner Wahl zu den für die Bewässerung ihrer Anbauflächen dringend benötigten Brunnen und Kanälen verhilft. Viele Bewohner haben der Landwirtschaft inzwischen den Rücken gekehrt und sind auf der Suche nach Arbeit in die Stadt gegangen.

"Die Taliban haben nichts für uns getan"

Ladenbesitzer Wali Dschan sagt, alle Männer des Dorfs hätten sich für die Wahl registrieren lassen, und auch 90 Prozent der Frauen. Und alle würden für Karzai stimmen, ein Paschtune wie sie selbst. Über Junus Kanuni, Karzais Hauptrivalen, der der Minderheit der Tadschiken angehört, wüssten sie nichts. Dies gelte aber auch für die anderen paschtunischen Kandidaten. Und für die gestürzten Taliban haben sie auch nichts übrig, obwohl diese Kandahar als ihren Hauptstützpunkt gewählt hatten. "Sie haben nichts für uns getan, sondern nur für ihre eigenen Leute", sagt Achtar Dschan.

Die Regierung habe Kars für dessen "allgemeine Probleme" eine Bargeldunterstützung von umgerechnet 97.000 Euro zugesagt, sagt Wali Dschan. Welches Ministerium das Geld versprochen hat und wann es fließen soll, weiß er nicht. "Karzai arbeitet zuerst für die Nation, und dann wird er sich um seine eigenen Leute kümmern", sagt Walid Dschan. "Vielleicht bekommen wir das Geld nach der Wahl." Von Stephen Graham, AP



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