Afghanistan Waffen aus China bei Taliban gefunden

Erst Hacker-Attacken gegen Berlin, dann gegen das Pentagon - nun noch angebliche Waffenlieferungen nach Afghanistan: China sieht sich scharfen Vorwürfen ausgesetzt. Einem BBC-Bericht zufolge attackieren Taliban-Kämpfer britische und US-Truppen mit Raketen und Panzerfäusten chinesischer Herkunft.

London - Mehrfach sollen nach Angriffen der radikal-islamischen Taliban auf britische und amerikanische Soldaten in Afghanistan Waffen chinesischer Herkunft gefunden worden sein, berichtet die BBC. Demnach haben britische Regierungsvertreter zuletzt bei einem Treffen im chinesischen Außenministerium ihre wachsende Sorge darüber zum Ausdruck gebracht. Dies sei das erste Mal, dass Großbritannien in Peking nachgefragt habe, wie chinesische Waffen in die Hände der afghanischen Extremisten gerieten. Die chinesische Regierung habe den Briten eine Untersuchung der Vorwürfe zugesagt, heißt es weiter.

Öffentlich wies das Außenministerium der Volksrepublik die Anschuldigungen zurück, die praktisch gleichzeitig mit neuen Vorwürfen der Computer-Spionage aufkamen. "Der Vorwurf entbehrt jeder Grundlage", sagte Sprecher Jiang Yu. "Die chinesische Regierung handelt bei ihren Waffenexporten stets umsichtig und verantwortlich." China verkaufe keine Waffen an "nicht-staatliche" Gebilde.

Die Taliban hatten sich in der Vergangenheit immer wieder gebrüstet, ihr Waffenarsenal aufgestockt und modernisiert zu haben. Angaben zur Herkunft der Waffen machten sie nicht.

Ein Sprecher der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf sagte heute, auf den Gefechtsfeldern würden Waffen aus verschiedenen Ländern gefunden. "Ich weiß nicht, ob wir daraus irgendwelche Schlussfolgerungen ziehen können", sagte er. Die afghanische Regierung wies den BBC-Bericht offiziell zurück. "Wir wissen nichts über die Existenz von irgendwelchen chinesischen Waffen", sagte der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Mohammed Sahir Asimi, in Kabul.

Panzerfäuste, Flugabwehrwaffen, Landminen

Hinter vorgehaltener Hand, so berichtet die BBC, hätten afghanische Regierungsvertreter aber bestätigt, dass die Radikalislamisten über Waffen chinesischer Bauart verfügten. Darunter seien Boden-Luft-Raketen, Panzerfäuste, Flugabwehrwaffen, Landminen und Bauteile für Bomben.

Ein hochrangiger afghanischer Beamter sagte der BBC: "Wir wissen, dass die Taliban chinesische HN-5- Flugabwehrraketen haben und wir fragen uns woher. Einige dieser Waffen sind erst vor kurzem in chinesischen Fabriken hergestellt worden." Laut einem afghanischen Anti-Terror-Experten, den der Sender zitiert, wurden in den meisten Fällen Seriennummern und andere Informationen an den Waffen entfernt, so dass kaum mehr nachzuvollziehen sei, woher genau diese stammen.

In den Jahrzehnten vor dem Sturz der Taliban waren zahllose Waffen aus China nach Südafghanistan gelangt. Sie gelten auf dem Markt als besonders günstig. Die Extremisten bekamen die Rüstungsgüter vor allem über den pakistanischen Geheimdienst ISI oder kauften sie direkt von Waffenschmugglern.

Iran als Waffendrehscheibe

Der Sprecher von Präsident Hamid Karsai, Homajun Hamidsada, beschuldigte heute noch einmal indirekt das angrenzende Pakistan, Waffenschmuggel über die Grenze zuzulassen und sogar zu fördern. "In der Nachbarschaft gibt es Menschen, welche die Taliban unterstützen und sie nicht nur mit chinesischen Waffen ausstatten, sondern mit allen Arten von Waffen", sagte Hamidsada.

Beobachter vermuten - wie auch im Falle der Extremisten im Irak - allerdings eher Iran in einer Schlüsselrolle. Die afghanische Regierung geht dem BBC-Bericht zufolge schon lange davon aus, dass iranische Agenten seit einigen Jahren im Süden Afghanistans agieren. Zwar waren die sunnitischen Taliban und die schiitischen Iraner früher verfeindet. Doch mit dem gemeinsamen Feindbild der USA hätten sich beide Seiten in den vergangenen Jahren wieder angenähert.

US-Regierungsvertreter sollen China zuletzt bereits beschuldigt haben, Waffen nach Iran zu verkaufen. Iran wiederum verkaufe diese weiter an extremistische Gruppen im Irak und in Afghanistan.

phw/AFP

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