Deutlicher Anstieg Fast 1,2 Millionen Binnenflüchtlinge in Afghanistan

Immer mehr Afghanen sind innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Laut Amnesty International leben viele von ihnen unter "abscheulichen Bedingungen", von der internationalen Gemeinschaft vergessen.

Afghanische Binnenflüchtlinge in einem Lager
AP

Afghanische Binnenflüchtlinge in einem Lager


Durch den Krieg in Afghanistan hat sich die Zahl der Binnenflüchtlinge innerhalb der vergangenen drei Jahre fast verdoppelt. Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist ihre Zahl auf fast 1,2 Millionen gestiegen. 2013 hatten die Vereinten Nationen noch 500.000 Binnenflüchtlinge in Afghanistan gezählt.

Der Amnesty-Bericht mit dem Titel "Meine Kinder sterben diesen Winter - Afghanistans gebrochene Versprechen gegenüber seinen Binnenflüchtlingen" verurteilt die Tatenlosigkeit der afghanischen Regierung. Zudem wird darin das schwindende Interesse der internationalen Gemeinschaft am Konflikt angeprangert.

Afghanische Binnenflüchtlinge vegetierten unter "abscheulichen Bedingungen gerade so am Rande des Überlebens dahin". Sie hätten oft kein Dach über dem Kopf und kaum Zugang zu genug Essen, sauberem Wasser, Gesundheitsfürsorge, Bildung oder Arbeit.

Eine 2014 beschlossene umfassende Strategie der afghanischen Regierung sei an einem enormen Mangel an Expertise sowie Korruption innerhalb des Ministeriums für Flüchtlinge gescheitert. Zugleich habe sich die internationale Gemeinschaft nicht so stark beteiligt wie sie das angesichts des Kabuler Versagens hätte tun können.

Die Vereinten Nationen hätten für 2016 die Weltgemeinschaft um nur 393 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe in Afghanistan gebeten - das sei der kleinste Betrag seit Jahren, obwohl sich die Not verschärfe. Im Mai sei weniger als ein Viertel dieses Betrages gedeckt gewesen.

Überfälle und Entführung durch die Taliban

Gleichzeitig haben die radikalislamischen Taliban ihre Offensive der letzten Monate weiter verstärkt. In der umkämpften afghanischen Nordprovinz Kundus töteten sie am Dienstag 13 Reisende und nahmen mehr als 180 als Geiseln. Etwa 150 Geiseln seien inzwischen wieder freigelassen worden.

Die Aufständischen stoppen seit Monaten regelmäßig Fahrzeuge in vielen Provinzen des Landes. Sie versuchen, Mitglieder der Regierung oder der Sicherheitskräfte sowie Mitarbeiter internationaler Organisationen zu identifizieren. Die werden dann bedroht, entführt oder getötet. Die Überfälle gelten als Maßnahme zur Einschüchterung und Demotivierung der Regierung und von Menschen, die für die "internationalen Eindringlinge" oder "Besatzer" arbeiten.

vks/dpa/AP



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