Uno-Statistik zu Afghanistan Mehr tote Zivilisten

Nur Monate bevor die USA endgültig abgezogen sein wollen, wird der schwärende Bürgerkrieg in Afghanistan blutiger. Bei Gefechten kamen im ersten Halbjahr schon 17 Prozent mehr Zivilisten um als im Vorjahreszeitraum.

Brand nach einem Anschlag bei Kabul: Die Taliban haben das Gros der Zivilisten auf dem Gewissen
REUTERS

Brand nach einem Anschlag bei Kabul: Die Taliban haben das Gros der Zivilisten auf dem Gewissen


Kabul - Die Zahl der in Afghanistan getöteten oder verletzten Zivilisten ist im ersten Halbjahr 2014 erneut deutlich gestiegen. Von Januar bis Juni seien 24 Prozent mehr zivile Opfer gezählt worden als im Vorjahreszeitraum, teilte die Uno-Mission in Afghanistan (Unama) am Mittwoch mit. Als Grund nannten die Vereinten Nationen eine Zunahme der Kämpfe am Boden und in bewohnten Gebieten.

Die Uno-Statistik im Überblick:

  • Laut den Vereinten Nationen wurden in Afghanistan von Januar bis Juni 1564 Zivilisten getötet. Das waren 17 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2013.

  • Die Zahl der verletzten Zivilisten stieg den Angaben zufolge um 28 Prozent auf 3289. 34 Prozent der Opfer waren Kinder und 24 Prozent Frauen.

  • Der Unama zufolge haben die Aufständischen fast drei Viertel der Opfer auf dem Gewissen, die afghanischen Truppen sind für etwa acht Prozent und die ausländischen Truppen für ein Prozent der Toten verantwortlich. Zum ersten Mal starben mehr Zivilisten bei Gefechten als bei Bombenanschlägen.

Durch die Ausweitung der Kämpfe am Boden habe sich der Konflikt in diesem Jahr verändert, erklärte der Uno-Missionsleiter in Afghanistan, Jan Kubis. Die Auswirkungen auf Zivilisten seien "verheerend".

Die neuen Zahlen verdeutlichen die schwierige Sicherheitslage in Afghanistan vor dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Die USA und ihre Nato-Verbündeten wollen bis Ende des Jahres alle Kampftruppen aus dem Land abziehen. Der internationale Einsatz hatte Ende 2001 mit dem Sturz der Taliban-Regierung begonnen.

Selbstmordkommandos in Südafghanistan

Am Mittwoch attackierten Taliban-Selbstmordkommandos den Sitz des Provinzgouverneurs und das Polizei-Hauptquartier in der südafghanischen Stadt Kandahar. Alle 23 Angreifer kamen ums Leben. Sie seien entweder erschossen worden oder hätten sich in die Luft gesprengt, sagte der Sprecher der Provinzregierung, Dawa Khan Minapal.

Nach Krankenhausangaben wurden bei den Angriffen am Mittwoch auch vier Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten getötet. Die Taliban bekannten sich zu den Attacken, Hauptziel sei der Sitz des Provinzgouverneurs gewesen.

heb/dpa AFP

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