Afghanistan Zwei Bundeswehrsoldaten bei Anschlag verletzt

Blutige Attacken von Aufständischen haben in Afghanistan mehrere Todesopfer und Verwundete gefordert. Zwei Bundeswehrsoldaten wurden bei einem Anschlag im Norden des Landes verwundet. Die US-Truppen jedoch mussten sechs Todesopfer vermelden.

Anschlag im südafghanischen Kandahar: Blutige Attacken auf Truppen und Zivilisten
AP

Anschlag im südafghanischen Kandahar: Blutige Attacken auf Truppen und Zivilisten

Von Shoib Najafizada


Kunduz/Potsdam - Erneut hat es in Nordafghanistan einen Anschlag auf einen Bundeswehrkonvoi gegeben. Zwei deutsche Soldaten wurden bei der Attacke am Samstagmorgen im Unruhedistrikt Char Darah nahe Kunduz verletzt, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam erklärte. Im Süden und Osten des Landes starben sechs US-Soldaten und mindestens ein Dutzend Zivilisten bei Attacken, wie die Schutztruppe Isaf mitteilte.

Vier der getöteten US-Soldaten starben demnach bei mehreren Angriffen im Osten des Landes, zwei weitere bei Bombenanschlägen im Süden.

Ein Taliban-Sprecher hatte im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Bundeswehr gegenüber SPIEGEL ONLINE von acht toten deutschen Soldaten berichtet. Dagegen bestätigte der Gouverneur von Kunduz, Mohammad Omar, in einem Telefonat mit SPIEGEL ONLINE die Angaben der Bundeswehr. Zwei Sprengsätze seien explodiert, als die deutschen Soldaten eine Brücke passierten, sagte er. Zwei Bundeswehrsoldaten seien verletzt worden, auch zwei Panzer seien beschädigt worden.

Char Darah in Nordafghanistan gilt als gefährlichster Distrikt in der Provinz Kunduz. US-Truppen und afghanische Soldaten gingen dort am Samstag gegen Stellungen der Taliban vor. Dabei seien sie auf wenig Widerstand gestoßen, teilte ein Polizeisprecher mit.

Weitere Anschlagsversuche enden glimpflich

Ein afghanischer Polizeikommandeur berichtete, bei den Kämpfen seien drei Taliban getötet worden, ein Aufständischer sei verletzt worden. Bei den US-Truppen und afghanischen Einheiten sei niemand verletzt oder getötet worden. Dagegen sprachen die Taliban von mehreren Toten und Verwundeten auf US-amerikanischer und afghanischer Seite.

In der ostafghanischen Provinz Chost verlief ein Anschlagsversuch auf Isaf-Soldaten glimpflich. Ein Selbstmordattentäter versuchte, sein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in eine Fahrzeugkolonne der Schutztruppe zu lenken. Eine Explosion konnte aber laut Isaf verhindert werden.

In der südafghanischen Stadt Kandahar jedoch forderte ein Bombenanschlag mindestens ein Todesopfer. Der Sprengsatz, der nach Angaben der Polizei auf einem geparkten Motorrad befestigt war, explodierte in einem belebten Geschäftsviertel. Eine weitere Attacke am Samstag im Süden des Landes vereitelten afghanische Soldaten: Ein Selbstmordattentäter, der sich einem Posten in der Provinz Sabul genähert hatte, wurde erschossen, zwei weitere Angreifer, die mit Handgranaten und Sturmgewehren bewaffnet waren, wurden festgenommen.

Wehrbeauftragter klagt über Ausrüstungsmängel

Im September sind in Afghanistan Parlamentswahlen geplant. Im Hinblick darauf hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor vermehrten Attacken auf die Bundeswehrsoldaten gewarnt. Deren Ausrüstung sei nach wie vor mangelhaft, kritisierten Wehrexperten des Bundestages.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus beanstandete nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung lange Lieferfristen bei dringend benötigten Rüstungsgütern. So seien die Schutzschilde für die Maschinengewehr-Schützen vor dem Fuchs-Transportpanzer noch nicht vollständig geliefert. "Ein solcher Minimalschutz ist angesichts der immer häufiger werdenden Gefechtssituationen unerlässlich", sagte Königshaus.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Elke Hoff bezeichnete die sogenannte Luft-Nahunterstützung als "wunden Punkt". Hier sei man weiterhin vollständig auf die Verbündeten angewiesen. Die Ausrüstung der Soldaten habe sich aber "an manchen Stellen, etwa im Bereich geschützter Fahrzeuge verbessert", meinte die Verteidigungsexpertin im Südwestrundfunk (SWR).

Außenminister Guido Westerwelle nannte inzwischen Perspektiven für den Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch.

Mit Material von AP und dpa

insgesamt 1037 Beiträge
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Gandhi, 10.07.2010
1. Wenn einem nichte Gescheites mehr einfaellt,
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
dann kommen die tollen Einfaelle. Erst toetet man Zivilisten (weil die bewaffnet waren) und man sie deshalb nicht von Kombattanten unterscheiden konnte und nun sollen bewaffnete Zivilisten zu Kombattanten auf Seiten der USA werden? Die einzige "Strategie", die Erfolg bringen kann, ist den Sieg zu erklaeren und abzuziehen. Das fuer Zerstoerung vorgesehene Geld kann zu Hause viel sinnvoller angelegt werden (aber auch das werden les cons bestreiten), denn auch die Infrastruktur hier haette mal eine Ueberholung noetig.
henningr 10.07.2010
2.
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
Na klar. Wenn die Afghanen sich gegenseitig für ein paar Dollar abknallen, lassen sie wenigstens die Militärbasen in Ruhe. Und das Chaos nimmt man als Vorwand dort zu bleiben. Mussmna halt auch glaubwürdig rüberbringen. Solche Schlagzeilen wie zuletzt, dass rund 2 US-Steuermillionen die Woche in die Taschen der Taliban wandern sind zu vermeiden.
redpirate37 10.07.2010
3. Gibts dort auch unbewaffnete Zivilisten?
Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen? Je mehr Waffen um so mehr Frieden und Ruhe, klar doch, kann ja nur auf die Weise funktionieren. Irgendwer muss das Zeug ja schließlich bezahlen und abkaufen das im Westen produziert wird. Am Besten die Steuerzahler der NATO Länder, also finanzieren wir den Waffenerwerb der afghanischen Zivilisten, die wiederum damit ein Geschäft bei den Taliban und Aufständischen betreiben können. Klingt doch logisch. Die Taliban lassen sich dann entwaffnen irgendwann und liefern ihre russischen und chinesichen Waffen an Sammelpunkten ab für ein paar Dollar Prämie. ;) Sieht ja schon nach allergrößter Verzweiflung aus was der Westen dort treibt...
semir, 10.07.2010
4.
Zitat von sysopMit General Petraeus wollen die USA in Afghanistan die Wende schaffen. Auch Zivilisten sollen im Kampf gegen die Taliban bewaffnet werden. Kann diese Stratgie Erfolg bringen?
Anscheinend besteht die erfolgreiche Strategie in einem Wunsch nach dem Scheitern in Afghanistan.
duk2500 10.07.2010
5. Dorfmilizen
Dieses Modell kann funktionieren, zumindest dort, wo die Dorfbewohner nicht mit den Taliban sympathisieren. Zur Zeiten des Terrorbewegung "Leuchtender Pfad" hat der damalige Präsident Alberto Fujimori die in den sogenannten "Rondas Campesinas" organisierten indianischen Dorfbewohner bewaffnet. Das war sehr erfolgreich, die Dörfler konnten sich in den abgelegenen Gebieten des Altiplano und der Selva gegen die Einfälle der Maoisten zur Wehr setzen und haben in Zusammenarbeit mit den Streitkräften sehr schnell für Ruhe gesorgt.
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