Afghanistankrieg Obama will 2011 mit Truppenabzug beginnen

Der US-Präsident stellt in der Nacht zu Mittwoch seine Strategie für Afghanistan vor. Wichtige Elemente wurden vorab bekannt: Er schickt 30.000 weitere US-Soldaten, will früher als geplant mit dem Abzug beginnen und erwartet am Freitag eine Nato-Zusage für eine signifikante Truppenaufstockung.

Barack Obama: Truppenaufstockung auf 100.000 US-Soldaten
AP

Barack Obama: Truppenaufstockung auf 100.000 US-Soldaten


Washington/Berlin - Die mit Spannung erwartete Rede Barack Obamas wird um zwei Schwerpunkte kreisen: Zum einen um die Aufstockung der Truppen in Afghanistan, zum anderen aber auch um die Exit-Strategie. Aus Regierungskreisen sickerten bereits Informationen über den Inhalt der für Dienstagabend (Mittwochmorgen 02.00 Uhr MEZ) angesetzten Ansprache durch. Demnach will der US-Präsident weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan schicken. Die zusätzlichen Truppen sollten bis zum kommenden Sommer am Hindukusch stationiert werden, heißt es in Washington. Auch die Bündnispartner sollen mehr Soldaten schicken, fordert Obama. Von den europäischen Nato-Mitgliedern fordert er nach Angaben aus Brüssel die Entsendung von bis zu 10.000 weiteren Soldaten. Schon für Freitag erwarte er, dass die Nato eine "signifikante Zahl" neuer Truppen für Afghanistan ankündigt, sagte ein hochrangiges Mitglied der US-Administration.

Nach der geplanten Truppenaufstockung will Obama den Rückzug bereits im Jahr 2011 einleiten, deutlich vor Ende seiner laufenden Amtszeit. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, der Prozess könne sich, je nach Situation vor Ort, über vier bis fünf Jahre hinziehen. In dieser Zeitspann soll nach Angaben aus Regierungskreisen die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Truppen und die Polizei gehen, gefolgt von dem schrittweisen Rückzug der ausländischen Streitkräfte.

Mit der zunächst geplanten Aufstockungwird die Zahl der US-Soldaten auf mehr als 100.000 steigen. Der angesichts von immer mehr in Afghanistan getöteten Soldaten von der Bevölkerung zunehmend abgelehnte Einsatz wird dann jährlich rund 75 Milliarden Dollar kosten.

Telefonat mit Merkel

Am Dienstag informierte Obama bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere ausländische Staats- und Regierungschefs über den Inhalt seiner Rede. Laut Regierungssprecher Ulrich Wilhelm informierte die Kanzlerin den US-Präsidenten ihrerseits in dem Telefonat über die deutschen Bemühungen zur Stabilisierung in Afghanistan. Außerdem legte Obama seine Strategie dem afghanischen Staatschef Hamid Karsai und dem pakistanischen Präsidenten Asif Ai Zardari dar.

Merkel erklärte, sie werde die Vorstellungen der USA zur Kenntnis nehmen. "Wir werden uns aber in diesen Tagen nicht entscheiden." Außenminister Guido Westerwelle betonte ebenfalls, man werde sich in Deutschland und Europa "eine eigene Meinung bilden". Die Bundesregierung setze auf die internationale Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London als Grundlage für weitere Entscheidungen. Der Bundestag will am Donnerstag die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan um ein Jahr beschließen. Nach dem derzeitigen Mandat können bis zu 4500 Soldaten in die internationale Schutztruppe Isaf entsendet werden.

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen in Brüssel hat die US-Regierung allein Frankreich gebeten, 1500 weitere Soldaten für Afghanistan zur Verfügung zu stellen. Neben einer Truppenaufstockung wolle Obama außerdem vor allem Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte und finanzielle Unterstützung für das Trainingsprogramm, hieß es.

Bislang haben lediglich Großbritannien, die Slowakei, die Türkei, Georgien, Südkorea und Montenegro angedeutet, dass sie zu einer Truppenaufstockung am Hindukusch bereit sind. Der Befehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, hat sich für weitere 40.000 Soldaten ausgesprochen, um eine Niederlage im Kampf gegen die Taliban zu verhindern. Seit Jahresbeginn sind in Afghanistan fast 300 US- und mehr als 500 Nato-Soldaten getötet worden, so viele wie in keinem Jahr zuvor seit Beginn des Einsatzes 2001.

ler/AP

insgesamt 5463 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden "Sie " diesen Krieg auch gewinnen, "wir " Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.