Religion in Afrika Angola geht gegen islamische Minderheit vor

Die islamische Minderheit in Angola hat seit Jahren einen schweren Stand. Jetzt verschärft die Regierung ihre Haltung weiter. Zahlreiche Moscheen in dem afrikanischen Land müssen schließen, manche sollen sogar zerstört werden. Die Staatsführung spricht trotzdem von Religionsfreiheit.

Kapstadt/Luanda - Nicht nur Muslime, Angola hat grundsätzlich Kirchen und Sekten im Visier, "die im Widerspruch zu Gewohnheiten und Sitten der angolanischen Kultur stehen". Mit diesen Worten zitiert die angolanische Nachrichtenagentur Angop Kultusministerin Rosa Cruz e Silva. Religiöse Stätten müssten deshalb geschlossen, die Aktivitäten von mindestens 194 religiösen Organisationen verboten werden.

Das Kultusministerium und das Justizministerium haben dem Islam, ebenso wie zahlreichen anderen Organisationen, die Anerkennung als Religionsgemeinschaft verweigert. Laut Gesetz muss eine Konfessionsgruppe in Angola mindestens 100.000 Mitglieder haben und in mindestens zwölf von 18 Provinzen vertreten sein, um rechtlich anerkannt zu werden.

Ein entsprechender Antrag muslimischer Würdenträger sei daher in der vergangenen Woche abgewiesen worden. Zudem ordneten die Behörden die Zerstörung von Gebäuden an, die ohne Baugenehmigung errichtet worden seien. Darunter sei auch mindestens eine Moschee. Laut der angolanischen Zeitung "O País" sollten etwa 60 weitere Moscheen im ganzen Land geschlossen werden. Westliche Diplomaten in Luanda bestätigten die Schritte der Behörden gegen den Islam und andere Religionsgemeinschaften. Berichte, laut denen der Islam verboten worden sei, sind jedoch insofern unzutreffend, als dass die Glaubensgemeinschaft niemals offiziell anerkannt worden war.

Die Wirtschaftswebseite "International Business Times"  berichtete von einem angeblichen Dementi eines angolanischen Diplomaten in Washington. "Die Republik Angola mischt sich nicht in religiöse Angelegenheiten ein", teilte er mit. "Es gibt Religionsfreiheit. Wir haben hier Katholiken, Protestanten, Baptisten, Muslime." Angolas Botschaft in Berlin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Provokation für alle Muslime"

Muslime sind unter den 16 Millionen Angolanern eine Minderheit von weniger als 100.000 Gläubigen, die große Mehrheit sind Christen.

Der ägyptische Großmufti, Schauki Allam, verurteilte am Dienstag die Entscheidungen der Behörden Angolas und die Zerstörung von Moscheen. Die Vorgänge seien "eine Provokation nicht nur der Muslime in Angola, sondern auch der 1,5 Milliarden Muslime in aller Welt". Angolas Schritte seien "Ausdruck von Rassismus, Extremismus und Hetze gegen Muslime", so Allam laut der staatlichen Zeitung "al-Ahram".

In den sozialen Netzwerken kursierten am Dienstag bereits Bilder von angeblich zerstörten Moscheen, die den Zorn afrikanischer Muslime zusätzlich anheizten. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Aufnahmen Trümmer von Moscheen in Nigeria und Gaza zeigten.

Außer Frage steht, dass Angolas Regierung die muslimische Minderheit im Land unterdrückt - nicht erst seit kurzem. Das US-Außenministerium notierte 2012 in seinem Jahresbericht über Menschenrechte in dem südwestafrikanischen Land: "Muslimische Führer berichten, dass Muslime ihren Glauben nicht frei ausüben können, weil die Regierung den Islam nicht anerkennt und wahllos Moscheen, Schulen und Gemeindezentren schließt."

Der Vorsitzende der islamischen Gemeinde in Angola, David Já, hat nach Angaben europäischer Diplomaten in den vergangenen Monaten wiederholt gegen Maßnahmen gegen seine Glaubensgemeinschaft protestiert. Bislang ohne Erfolg.

syd/vek/dpa
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