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Afrika-Vertreter in Hamburg: "Wir haben es bei der G20 schwer"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Afrika beim G20-Gipfel Handshake, Konzert - und danke für nichts

Donald Trump gibt den Hungerhelfer, und Angela Merkel schließt den G20-Gipfel mit einer Absage an "klassische Entwicklungshilfe". Nun sollen private Gelder Afrika nach vorn bringen. Nur: Wie soll das gelingen?

Immerhin, Afrika stand auf der Tagesordnung. Doch indirekt räumte G20-Gastgeberin Angela Merkel am Ende ein: Bis 12 Uhr am Samstagmittag ging es gar nicht wirklich um die Pläne für mehr Entwicklung auf dem Kontinent. Man habe stattdessen mit den USA um das Thema Klima gerungen - nur, um sich am Ende dann doch nicht richtig zu einigen.

Parallel berieten die Staatschefs vorformulierte Absätze zur wirtschaftlichen Entwicklung des afrikanischen Kontinent. Merkel sagte, Afrika sei Europas "unmittelbare Nachbarschaft". Und sie stellte das neue Instrument der Wirtschaftsförderung vor, das unter dem Titel Compacts With Africa vor allem auf private Investitionen setzt. "Klassische Entwicklungshilfe", so Merkel, brächten Afrika "nicht nach vorn" - und auch nicht Investitionen, wie sie einzelne Länder bereits intensiv tätigten, damit meinte sie wohl China.

"Wir haben es schwer bei der G20"

Im Abschlusskommuniqué des Hamburger Gipfels stehen nun zu Afrika kaum mehr als freundliche Angebote: Gemeinsam wollen sich die G20 für mehr Wachstum einsetzen. Mehr Beschäftigung soll zugleich Armut und Ungleichheit bekämpfen helfen - mit einem klaren Ziel: dass der Migrationsdruck nach Norden abnehme.

Äthiopien, die Elfenbeinküste, Ghana, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien sind die ersten Teilnehmer der Compacts. Bereits im Vorhinein war diese Auswahl harsch kritisiert worden. Denn: Für die Ärmsten der Armen im südlichen Afrika sind diese Angebote nicht gemacht.

Die Länder mögen dabei ihre individuellen Schwerpunkte festsetzen, heißt es im Abschlusspapier. Sie hätten sich zudem zu Rechtssicherheit, Transparenz und guter Regierungsführung verpflichtet, sagte Merkel. Weitere Staaten seien dazu eingeladen. Zu viel mehr reichte es nicht - für einen Kontinent mit 55 Ländern und mehr als 1,1 Milliarden Menschen.

Den afrikanischen Vertretern selbst blieb auf der Hamburger Bühne nur die kleinste Nebenrolle: Südafrikas Präsident Jacob Zuma war zweimal zu sehen, zu Beginn beim Händeschütteln mit Angela Merkel und in der Elbphilharmonie mit Gattin. Keine Pressekonferenz, kein Statement.

Bei der Begrüßung defilierten auch Guineas Staatschef Alpha Condé für die Afrikanische Union und Macky Sall, Präsident des Senegal, für den Staatenbund Nepad vorbei - zu sehen oder zu hören waren sie oder ihre Vertreter danach nicht mehr.

"Wir haben es bei der G20 schwer", sagte ein Mitglied aus Salls Delegation am Samstagnachmittag auf dem Flur des Medienzentrums. "Unser Land kämpft mit Armut und Hunger." Für mehr Handel und die Energiewende in seinem Land sei der Gipfel förderlich. Der Präsident treffe noch Landsleute, die aus Bremen, Frankfurt und München angereist kämen.

Am Abend dann verschickte Nepad noch ein Statement. Sall dankt Merkel darin für die Vorbereitungskonferenz im Juni und schließt einige Fragen an, die man als Kritik an den vagen Formulierungen des "Compacts" lesen kann: Wie genau lassen sich Investoren für Afrika begeistern? Und welche Mechanismen begleiten die erhofften Investitionen?

Wenn sich Putin und Trump über Syrien oder Merkel und Putin über die Ukraine unterhalten und nebenher Welthandel, Terror und Nordkorea besprechen, ist Afrika also nur Zaungast. Wahrscheinlich war es deshalb klug von der Bundesregierung, das Thema in einen Vorgipfel auszulagern, damit überhaupt etwas mehr herauskommt als warme Worte.

Trump gibt den Hungerhelfer

Wie bereits beim Vorentwurf für die Investitionspartnerschaften bleibt jedoch das Problem: Ohnehin starke Länder werden zu neuen Partnern erklärt, die wirklich Armen profitieren nicht.

Das kritisierte auch die entwicklungspolitische Lobbygruppe One, die sich für Armutsbekämpfung vor allem in Afrika einsetzt. Der Klimawandel treffe "als Erstes und am stärksten" die Menschen in den ärmsten Ländern. Die G20 hätte es verpasst, "mehr fragile Staaten einzubeziehen", so der deutsche One-Chef, Stephan Exo-Kreischer.

Eine kleine Überraschung zum afrikanischen Thema hatten allerdings die USA mitgebracht: Nach den Verhandlungen über die Compacts With Africa gab US-Präsident Trump eine Initiative gegen Hunger in Afrika und im Nahen Osten bekannt. 639 Millionen US-Dollar für Nigeria, Somalia, Jemen und gegen die Hungerkatastrophe im Südsudan. Etwa die Hälfte (331 Millionen US-Dollar) des Geldes gehen an das World Food Programme der Uno - ein "Leben rettendes Geschenk", sagte WFP-Chef David Beasley SPIEGEL ONLINE.

Die Hilfe der USA - und auch die noch nicht genau bezifferten Zusagen weiterer Länder - werden vielen Hungernden das Leben retten. Doch im Fall der USA kommt die Zusage spät und fällt kleiner aus als gehofft, kritisiert die Deutsche Welthungerhilfe.

Kongressabgeordnete der Republikaner und der Demokraten hatten das Weiße Haus schon im Mai dringend um eine knappe Milliarde US-Dollar gegen Hunger gebeten. Und der US-Haushaltsplan der USA sieht für 2018 beim Thema internationale Hilfe Kürzungen von 19 Milliarden US-Dollar vor. Für Trump sind die gut 600 Millionen Dollar deshalb vor allem taktisch eingesetzte Gipfel-Kosmetik, die von den geplanten massiven Kürzungen ablenkt, heißt es bei Entwicklungshilfeorganisationen.

Die Bundesregierung wollte Afrika unbedingt auf der Gipfel-Agenda haben - das war in neun Jahren G20 erst zum dritten Mal der Fall. Doch hinter dem Aufhebens, das Merkel zum angeblichen Gipfelschwerpunkt Afrika gemacht hat, ist das Ergebnis kleinteilig geworden. Ob es zukunftsweisend ist, wird sich zeigen.

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