Afrika-Reise Merkel fordert internationale Hilfe für Liberia

Zum Abschluss ihrer Afrika-Reise hat Bundeskanzlerin Merkel in Liberia die erste gewählte Präsidentin eines afrikanischen Landes besucht - und dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Staat weitere Hilfe aus Deutschland zugesichert. Tief beeindruckt war Merkel von einem Treffen mit Nelson Mandela.


Monrovia - Vor ihrem Rückflug nach Deutschland hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Liberias Hauptstadt Monrovia die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes aufgerufen. Nach einem Treffen mit Staatspräsidentin Ellen Johnson-Sirleaf forderte Merkel heute einen Schuldenerlass für das westafrikanische Land, das sich um Stabilisierung und Demokratisierung bemüht. "Das wollen wir unbedingt tun, um Liberia zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen", sagte Merkel.

Besuch aus Deutschland: Kanzlerin Merkel mit einem aidskranken Kind in Südafrika
AFP

Besuch aus Deutschland: Kanzlerin Merkel mit einem aidskranken Kind in Südafrika

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
hatte zuvor bekanntgegeben, dass Deutschland seine Hilfe für Liberia in diesem Jahr um weitere vier Millionen auf 18,4 Millionen Euro erhöhen werde. In Liberia tobte bis zum August 2003 ein Bürgerkrieg.

Merkel war am Nachmittag aus Südafrika kommend in Liberia
eingetroffen. Mit dem Besuch bei Johnson-Sirleaf wollte Merkel Solidarität mit einer Frau zeigen, die ihr in eine bessere Zukunft führen will. Johnson-Sirleaf, die deutsche Vorfahren hat, überraschte Merkel bei der Begrüßung mit einem traditionellen Geschenk, das die Verbundenheit mit dem Gast ausdrücken soll: einem lebenden weißen Huhn.

Johnson-Sirleaf verwies auf die Anstrengung aller Liberianer, das
Land wieder nach vorne zu bringen. Sie zeigte sich hocherfreut,
dass Deutschland seine Mittel zum Aufbau der Infrastruktur Liberias noch einmal aufstockt. Außerdem werden zusätzlich 300.000 Moskito-Netze geliefert, die mit einem Mittel gegen Malaria imprägniert sind.

Zuvor hatte die Bundeskanzlerin unter anderem Südafrika besucht und dort die Friedensbotschaft von Nelson Mandela in den Mittelpunkt gerückt. Nach einem Treffen mit dem früheren südafrikanischen Präsidenten gestern in Johannesburg zeigte sie sich tief beeindruckt von dessen Persönlichkeit und nannte es einen "sehr bewegenden Moment für mich, Nelson Mandela zu erleben und zu sprechen".

Mandela, das Symbol für die Überwindung der Apartheid, habe eine große Botschaft, sagte die CDU-Vorsitzende: "Wir brauchen Frieden auf der Welt, und insbesondere die Konflikte in Afrika müssen friedlich gelöst werden." Mandelas Beispiel habe gezeigt, dass Gewaltlosigkeit am Ende der bessere Weg sei. Der Friedensnobelpreisträger bekräftigte bei dem Treffen, dass Konflikte nur mit friedlichen Mitteln beigelegt werden könnten. Dabei verwies er etwa auf Syrien, den Sudan und Somalia, wie aus Delegationskreisen verlautete.

Außerdem besuchte Merkel das Tygerberg-Krankenhaus, wo aidskranke Kinder betreut werden. Ihnen überreichte die Kanzlerin Spielzeug aus Deutschland. Über das Thema Aids hatte sie auch mit Mandela gesprochen, dessen Stiftung Aids-Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Südafrika finanziert. Mandela vertrat gegenüber Merkel eine klare Auffassung: Bei Aids handele es sich um ein Problem für die ganze Menschheit, das nur in internationaler Zusammenarbeit gelöst werden könne und nicht verharmlost werden dürfe.

kai/AP/dpa



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