Afrikanische Presseschau EU-Gipfel im kolonialen Schatten

Staatliche Medien aus Simbabwe wettern gegen Merkels Kritik an Präsident Mugabe. Aus anderen Ländern kommen moderatere Klänge.


Am Tag nach dem Afrika-EU-Gipfel beziehen sich afrikanische Medien vor allem auf Angela Merkels Kritik an Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Wenige Zeitungen nehmen Stellung zum Ökonomischen Partnerschaftsabkommen (EPA) und beziehen das Scheitern des Gipfels auf den Kolonialismus.

Die kenianische Tageszeitung "Daily Nation" referiert die Resonanz von Nichtregierungsorganisationen auf den Gipfel. Diese hätten "Aktionen zu Simbabwe und Darfur verlangt" und Merkels Kommentar zu Mugabe "gelobt". Die Zunahme chinesischer Investitionen, ausgelöst durch Pekings Bedarf an Rohstoffen, um die "boomende Wirtschaft zu füttern", seien Anlass für die Sorge Europas, "Gelegenheiten zu verpassen". Afrikas fortschrittlichere Länder wie "Nigeria, Namibia oder Kamerun" riskierten ihre Exporte in die EU, weigerten sie sich, das Ökonomische Partnerschaftsabkommen (EPA) zum 1. Januar 2008 zu signieren.

Auch "Le Quotidien", französischsprachige Tageszeitung in Tunesien, verweist auf den historischen Einfluss Europas in Afrika, der in zunehmende Konkurrenz zu China gerate.

Aus Kamerun kommentiert Abui Mama für die staatliche, englisch-französische Tageszeitung "Cameroon Tribune": "Zwei Tage, um die europäisch-afrikanischen Beziehungen zu ändern: Konnte der Gipfel diese Wette gewinnen?" Die Zeitung vergleicht den Versuch mit dem "Turmbau zu Babel". Solidarität und Gleichstellung seien noch nie "der Sockel" der Beziehungen gewesen, und auch durch den Gipfel, anders als angekündigt, nicht erlangt worden. Es gebe ein Europa, "das seine Werte, Lebensart und Einstellungen" verkaufen wolle. Ein anderes Europa sei "vollkommen überzeugt", dass sich das Bild Afrikas als Kontinent der illegalen Migration, Aids, Kriege und schlechten Regierungen" schlecht verkaufen ließe. Afrika wolle jedoch mit einem "Europa zwischen diesen Polen" über eine Wende verhandeln, und "Bedingungen für beidseitiges Vertrauen" schaffen.

Anders als von John Kufour, Präsident Ghanas und derzeitiger Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), macht die Tageszeitung "The Guardian" aus Nigeria den Kolonialismus für das Scheitern des Gipfels zu verantwortlich. Sie registriert "stark unterschiedliche Ansichten zu Themen wie Menschenrechte und Immigration" unter den Staatschefs beider Kontinente. Der "Schatten der Kolonisation" habe die "Entfaltung echter Wärme verhindert".

Wie zu erwarten, äußern sich Medien aus Simbabwe empört über die Vorwürfe Angela Merkels in Richtung Robert Mugabes. So zitiert "The Herald" den Informationsminister Cde S. Ndlovu, der Merkel "Rassismus erster Ordnung" unterstellt. Simbabwe sei "keine Kolonie Deutschlands". Merkel habe "schmutzige Hände", Deutschland brauche einen Führer wie Otto von Bismarck. Die europäischen Staatschefs hätten beim Gipfel "wie Zwerge" ausgesehen.

lw



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