Aggressiver US-Vorwahlkampf Romney, der Terminator

Knallharte Attacken auf allen TV-Kanälen, Tiefschläge inklusive: Um Newt Gingrich bei der ersten Mega-Vorwahl endgültig abzuhängen, schrecken Mitt Romney und seine Strategen in Florida vor kaum etwas zurück. Umfragen zeigen: Beim Wähler kommt die aggressive Taktik an.

REUTERS

Aus Hialeah, Florida, berichtet


Mitt Romney spricht kein Spanisch. Das überlässt er lieber den anderen, die sich mit ihm auf dem kleinen Podium drängen: dem Bürgermeister, der Kongressabgeordneten, dem Ex-Senator. Selbst seinem Sohn Craig, der mal in Chile gelebt hat. "Muy buenas tardes!", ruft der in die Menge. "Como estan?"

"Viva Romney!", schallt es zurück. "Arriba con Mitt!"

Es ist ein warmer, verhangener Sonntag in Hialeah. Der Ort am Rand der Everglades hat den zweithöchsten Latino-Anteil in den USA, nach dem benachbarten Miami. Und wie es scheint, sind die an diesem Nachmittag alle hierher gekommen, um Mitt Romney zu sehen.

Seit Stunden warten sie auf dem Parkplatz des "Casa Marin", eines kleinen, kubanischen Restaurants, bekannt für Tostones und Crema de Malanga. Die Älteren sitzen auf Stühlen, wie einst am Malecón, der Promenade Havannas. Die ganz Alten trinken drinnen Cafecito, an langen Holztischen unter Ölgemälden, auf denen Kuba zu sehen ist. Überall prangen Romney-Plakate, selbst an der hispanischen Autowerkstatt gegenüber.

Fotostrecke

12  Bilder
US-Vorwahlen: Werbe-Marathon in Florida
Ohne die Latinos und Exilkubaner wird keiner was im "Sunshine State". Das weiß auch Mitt Romney, dessen Immigrationspolitik manche hier konsterniert. Weshalb er extra nach Hialeah kommt, um zu versichern, dass er fest "an der Seite des kubanischen Volkes" stehe.

Doch eigentlich will er nicht über Einwanderung sprechen. Sondern über etwas ganz anderes: "Speaker Gingrich", sagt Romney und macht eine Kunstpause. "Der ist ein netter Mann!"

Romney, der Terminator

Da lachen sie und buhen zugleich, sie wissen, was kommt: Romney zerpflückt Newt Gingrich, seinen Erzfeind in dieser Vorwahl. Früher hat er den ignoriert. Doch das kann er sich nicht mehr leisten.

Fast die Hälfte seiner Rede widmet Romney dem Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses: Wieso der in Florida "solche Probleme hat", hier "nicht ankommt", "nach Ausreden sucht". Er habe "15 Jahre in Washington verbracht" und "1,6 Millionen Dollar verdient" im Dienste der verhassten Hypothekenbranche, die Florida kaputtgemacht habe. "Ihr wollt doch keinen, der Bestandteil von Washington ist", ruft Romney. "Ihr wollt einen, der Washington verändert!" Da jubeln sie artig: "USA! USA!"

Romney strahlt wie ein Schuljunge. Er steht in Hemdsärmeln da, wirkt locker und doch knallhart. Sein einst steif gegeltes Haar weht leicht im Wind.

Dies ist ein neuer Mitt Romney. Aggressiv. Selbstbewusst. Siegessicher. Romney, der Roboter? Eher Romney, der Terminator.

Der neue Romney ist freilich - wie der alte - das Produkt einer konzertierten Aktion von Wahlstrategen, Polit-Beratern und Demoskopen. Nur Stunden nach seiner peinlichen Pleite von South Carolina haben sich seine Experten zusammengesetzt und ihren Schlachtplan für Florida revidiert. Der Kandidat wurde anschließend vom neuen Kurs einfach nur informiert, auf dass er ihn umsetze.

"Okay", soll Romney nonchalant gesagt haben. "Lasst uns Florida gewinnen."

Einzigartige, sündhaftteure Wahlkampfmaschine

Anfangs wollte er hier, bei der ersten "Mega-Vorwahl" der Saison, quasi per Autopilot zum Sieg steuern, seine Parteirivalen unbeachtet lassen und sich voll und ganz auf US-Präsident Barack Obama konzentrieren, seinen Herbstgegner.

Stattdessen muss Romney jetzt mit offenem Visier gegen Gingrich kämpfen, um jede Stimme. Das tut er auch: Attackiert ihn, bringt ihn aus der Ruhe - und schlägt immer öfter auch unter die Gürtellinie.

Mit Erfolg. Binnen Tagen hat Romney so den zweistelligen Vorsprung ausradiert, den Gingrich aus South Carolina mitgebracht hatte. In Florida hat er ihn 48 Stunden vor Öffnung der Wahllokale am Dienstag in allen Umfragen weit abgehängt - und zwar quer durch alle demografischen Schichten: bei Rentnern genauso wie bei Exilanten oder Neuwählern.

Die beackert er einzeln und geduldig - mit seiner einzigartigen, sündteuren Wahlkampfmaschinerie. Erst sein luxuriöser Reisebus und gelegentlich gecharterte Privatjets machen es ihm möglich, die Dimensionen Floridas zu bewältigen, das von einem Ende zum anderen mehr als tausend Kilometer misst.

Ein Comeback ist für Romney hier entscheidend. Es geht um 50 Delegiertenstimmen für den Wahlparteitag im August, der ebenfalls in Florida stattfindet, in Tampa. Und ums Image: Eine Niederlage in dieser Wechselwählerregion, die sich zu Recht mal wieder als Zünglein an der Waage wähnt, wäre unverzeihlich.

insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joe49 30.01.2012
1. Wer mit Schmutz wirft
muss sich nicht wundern, wenn der mit Schmutz beworfene irgendwann mit Schmutz zurueckschmeisst. Gingrich hat damit angefangen und muss sich jetzt nicht wirklich wundern wenn der an sich eher ruhige Romney mit Gingrichs Mitteln kaempft. Was allerdings am meisten erstaunt ist die Tatsache, dass sich die Kandidaten der GOP gegenseitig derartig in den Dreck ziehen, was den Demokraten nur entgegenkommt. Obama wird es zu nutzen wissen!
plietsch 30.01.2012
2. Gääähn
Wie langweilig wieder. Mal sind es Pitzke und Fischer, die scheinbar nie ohne Polemik auskommen und nie eine Debatte als ganzes sehen wollen, sondern lieber einzelne Satzfetzen herausreißen, zu viele Langweiler, dann würden alle übertreiben, viele Kandidaten sind wieder ein Zeichen für das Chaos in der Partei, Harmonie ist eine Farce, ein führender Kandidat macht das alles überflüssig, ein Rennen zwischen Zweien ist ja, sieh an, ein harter Zweikampf und morgen muß wieder was nicht stimmen. SPON baut echt gewaltig ab. Dabei gibt's soviele innenpolitische Themen derzeit, die den Hauptteil des Wahlkampfes ausmachen, aber völlig ausgeblendet werden. Schade. Aber den meisten Leser scheint's zu reichen. Da wird man selbst bei der eher linken NY Times besser über Obamas Skandale und Wirtschaftsthemen informiert.
Nihil novi 30.01.2012
3. Jep
Jetzt weiss der geneigte Leser auch, dass kein Cubaner um diese ehemaligen Landsleute trauert, die völlig durchgeknallt nun Florida terrorisieren.
kevinsteve79 30.01.2012
4. Ich war gerade live dabei
Zitat von sysopKnallharte Attacken auf allen TV-Kanälen, Tiefschläge inklusive: Um Newt Gingrich bei der ersten*Mega-Vorwahl endgültig abzuhängen, schrecken Mitt Romney und seine Strategen in Florida vor kaum etwas zurück.*Umfragen zeigen: Beim*Wähler kommt die aggressive Taktik an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812190,00.html
als Mitt Romney in Dunedin/Florida auftauchte um eine Rede zu halten. Ein Muell gibt der Typ von sich vom allerfeinsten. Eine Parole nach der anderen und wieder mal gegen Europa hetzen und behaupten das der Sozialismus an dem Schlamassel Schuld sei und darum Europaer weniger verdienen als Amerikaner. Dann wie ueblich ueber das Militaer, das die USA Navy nun die kleinste sei in der US Geschichte seit 1917 und die kleinste Luftwaffe in der US Geschichte seit 1945. Ich frag mich was er eigentlich genau damit bezweckt und mit was will er das finazieren noch mehr hochzuruesten wo wir schon 570mrd dollar im Jahr fuers Militaer ausgeben. Irgendwie hab ich auch nichts davon gehoert was fuer Plaene er haette WIE er es anderster machen wuerde als Obama sondern nur das er es anderster machen wuerde, ja is klar ;-) Zum Schluss dann noch das er der Heilsbringer sei for Liberty und Freedom und dann den Patriot Act und den NDAA unterstuetzen da die Welt ja so furchtbar gefaehrlich sei und wir beschuetzt werden mussen. Romney!!!! Please leave Florida!!!!
w.o. 30.01.2012
5. ?
Zitat von sysopKnallharte Attacken auf allen TV-Kanälen, Tiefschläge inklusive: Um Newt Gingrich bei der ersten*Mega-Vorwahl endgültig abzuhängen, schrecken Mitt Romney und seine Strategen in Florida vor kaum etwas zurück.*Umfragen zeigen: Beim*Wähler kommt die aggressive Taktik an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812190,00.html
Auch in diesem Artikel haben Sie wieder den einzigen wirklich unabhängigen Kandidaten Dr. Ron Paul völlig unter den Tisch fallen lassen. Wo bleibt die Objektivität der Berichterstattung?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.