Ahmad Khan Rahimi Was über den Verdächtigen bislang bekannt ist

Die US-Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Ahmad Khan Rahami wegen Mordversuchs erhoben: Er wird verdächtigt, die Bomben von New Jersey und New York gebaut und deponiert zu haben. Was weiß man über ihn?

Ahmad Khan Rahami kurz nach dem Schusswechsel mit der Polizei
AP

Ahmad Khan Rahami kurz nach dem Schusswechsel mit der Polizei


Was ist bislang über den Verdächtigen bekannt?

Er heißt Ahmad Khan Rahami, ist 28 Jahre alt und wurde in Afghanistan geboren. Seit 2011 ist er Informationen des TV-Senders MSNBC zufolge US-amerikanischer Staatsbürger. Er und seine Familie lebten in Elizabeth in New Jersey, nicht weit von der Stadt Linden entfernt, wo der Zugriff auf Rahami erfolgte.

Die Familie Rahami besitzt ein Schnellrestaurant, genannt "First American Fried Chicken", um das es offenbar öfter Streit mit Nachbarn gab. Der Bürgermeister von Elizabeth, Chris Bollwage, gab an, es habe mehrfach Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben, weil das Lokal verbotener Weise 24 Stunden am Tag geöffnet hatte. Die Familie Rahami wurde verwarnt und klagte 2010 wegen Diskriminierung, verlor das Verfahren allerdings.

Auch Ahmad Khan Rahami arbeitete in dem Lokal, viele Kunden beschreiben ihn als nett und freundlich. Er habe sich sehr für Rennen mit frisierten Autos interessiert.

Der "New York Times" sagten Nachbarn der Familie, Ahmad Khan Rahami sei vor einigen Jahren nach Afghanistan gereist, dort habe er sich radikalisiert. Ein Kindheitsfreund Rahamis sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Rahami sei nach seinem Afghanistan-Aufenthalt ernster geworden, habe sich einen Bart wachsen lassen und sich anders gekleidet. Diese Angaben sind jedoch nicht gesichert.

Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, sagte dem TV-Sender CNN, Ahmad Khan Rahami sei viel gereist, unter anderem habe er sich auch in Pakistan aufgehalten. Er sei zudem mit einer Pakistanerin verheiratet gewesen., die aber nicht in den USA lebte.

Wo erfolgte der Zugriff?

Rahami wurde in Linden festgenommen, einer Stadt in New Jersey, circa 32 Kilometer entfernt von New York. Zuvor hatten Behörden an Millionen Einwohner per SMS einen Aufruf versandt, wachsam zu sein und sich bei der Polizei zu melden, wenn sie etwas Verdächtiges bemerken.

Ein Passant entdeckte den Verdächtigen am Montagvormittag schlafend im Durchgang einer Bar, so schilderte es Bürgermeister Derek Armstead. Der Passant habe die Polizei gerufen. Ein Polizist weckte den Schlafenden, der laut "New York Times" sofort das Feuer auf den Beamten eröffnet und diesen in den Bauch geschossen habe, der Polizist trug allerdings eine schusssichere Weste. Bei dem anschließenden Schusswechsel erlitt Rahami Verletzungen an der Schulter und am Bein.

Welche Spur führte zu Rahami?

Der Verdächtige wurde über die Auswertung von Filmmaterial identifiziert, das Überwachungskameras im New Yorker Stadtteil Chelsea aufnahmen und das ihn dabei zeigen soll, wie er die Bomben deponiert. Seine Fingerabdrücke befanden sich laut "New York Times" an einem Schnellkochtopf, den er zum Bombenbau benutzt hatte.

War Rahami der Polizei bekannt?

US-Behörden sagten nach Rahamis Festnahme, er sei bislang in keiner ihrer Datenbanken über Terrorverdächtige geführt gewesen. Wie die BBC berichtet, sei Rahami 2014 in einen häuslichen Streit verwickelt gewesen und stach einem Kontrahenten ins Bein. Er sei damals vorübergehend festgenommen worden.

Geht die Polizei von einem Einzeltäter oder einem Netzwerk aus?

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sagte am Montagnachmittag, man gehe bei den Taten von New York und New Jersey von einem Terrorakt aus, was auf eine politische Motivation schließen lässt. Auf welche Erkenntnisse er sich stützt, sagte de Blasio nicht. Es werde zurzeit nicht nach weiteren Verdächtigen gesucht. Gouverneur Cuomo antwortete auf die Frage nach einer möglichen Terrorzelle, dafür gebe es bislang keine Anhaltspunkte.

Wie geht es jetzt weiter?

Rahami wurde zunächst in ein Krankenhaus gebracht, wo seine Schusswunden behandelt werden. Inzwischen haben die Behörden Anklage erhoben wegen fünffachen Mordversuchs und unerlaubten Waffenbesitzes, dies bezieht sich aber nur auf die Schießerei mit der Polizei in Linden. Weitere Anklagepunkte dürften folgen. Der Nachrichtensender CNN meldete am Abend, dass sich Rahami im Verhör "nicht kooperativ" zeige und zunächst keine Angaben zu den Vorwürfen machte.

pad/Reuters



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