Ahmadinedschad bei Chávez Zwei "Brüder" witzeln über Atombombenbau

Wenn wir kichern Seit' an Seit': Irans Präsident Ahmadinedschad sucht Verbündete im Konflikt um sein Atomprogramm und wird in Venezuela fündig. Hugo Chávez gibt wortreichen Beistand, viel mehr als Witzeleien über brüderliche Liebe und Bombentreibstoff hat er jedoch nicht zu bieten.

Ahmadinedschad (l.) und Chavez: Wie zwei übermütige Schuljungen
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Ahmadinedschad (l.) und Chavez: Wie zwei übermütige Schuljungen

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Hamburg - Der Reiseplan ist eng gesteckt: Vier Länder in fünf Tagen besucht Mahmud Ahmadinedschad auf seiner Lateinamerikareise. Am Dienstag fliegt Irans Präsident nach Nicaragua, anschließend reist der iranische Präsident weiter nach Kuba und Ecuador. In Havanna ist ein Treffen mit Staatschef Raul Castro geplant.

Hinter Ahmadinedschad liegen zwei Tage in Venezuela. Dort kommentierte Gastgeber Hugo Chávez das Besuchsprogramm des Iraners ironisch: "Willkommen in Lateinamerikas Achse des Bösen".

Am Montagabend stellten Venezuelas Staatschef Hugo Chávez und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor den TV-Kameras ihre politische Freundschaft demonstrativ zur Schau und wirkten dabei wie ein Herz und eine Seele. Hier ein freundlicher Klaps auf die Schulter, da ein kleiner Scherz unter Freunden, dazu ein schelmisches Lachen.

Wir stehen Seite an Seite und lassen uns von den USA und anderen Imperialisten nicht in die Knie zwingen, so lautete die Botschaft, die beide Staatsmänner zur besten Sendezeit im venezolanischen Fernsehen übermitteln wollten.

Mit Hugo Chávez traf Ahmadinedschad in Venezuela seinen engsten Verbündeten in der Region. Von ihm erhoffte sich der Iraner zumindest verbale Unterstützung im Konflikt um Teherans Atomprogramm. Und der enttäuschte seine Erwartungen nicht: Chávez warf dem Westen vor, falsche Anschuldigungen bezüglich des iranischen Nuklearprogramms zu benutzen, "genauso wie sie die angeblichen Massenvernichtungswaffen als Vorwand nutzten, um das zu tun, was sie im Irak taten."

Chávez witzelt über atombetriebene Fahrräder

Sein Gast aus Teheran stieß ins selbe Horn. Ahmadinedschad bezeichnete die Vorwürfe, seine Regierung arbeite am Bau einer Atombombe als Witz: "Das ist lachhaft", erklärte er wörtlich. Die US-Regierung sieht das ganz anders und verschärfte deshalb erst im Dezember ihre Sanktionen gegen das iranische Regime. Anschließend fiel die nationale Währung Rial zwischenzeitlich auf ein Rekordtief gegenüber dem US-Dollar. Daraufhin drohte Iran mit einer Blockade der Straße von Hormus, dem Tor zum Persischen Golf, durch das 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls geliefert werden. Washington erklärte, damit würde eine "rote Linie" überschritten und schloss für den Fall einer Sperrung des Seewegs eine militärische Reaktion nicht aus. Am Montag dann verurteilte ein iranisches Revolutionsgericht den US-Bürger Amir Mirsa Hekmati in einem Schnellverfahren zum Tode, weil er für die CIA spioniert haben soll.

Ahmadinedschad und Chávez, die sich gegenseitig stets als "Brüder" bezeichnen, ficht diese neuerliche Eskalation nicht an. Bei ihrem gemeinsamen TV-Auftritt gaben sich beide unbeeindruckt und scherzten wie zwei übermütige Schuljungen. Wenn beide gemeinsam an einer Bombe bauten, "dann wäre Liebe der Treibstoff für diese Bombe", witzelte der Gastgeber und verwies auf die engen Beziehungen zwischen Caracas und Teheran. Lachend fügte der 57-Jährige hinzu, dass Iran beim Bau "atombetriebener Fahrräder" in Venezuela mithelfe. Etwas ernster erklärte Chávez, der einzige Krieg, den er und Ahmadinedschad führten, sei der "gegen Armut, Hunger und Unterentwicklung".

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zeichnet dagegen ein weniger heiteres Bild der iranischen Ambitionen. Am Montag bestätigte die Behörde, dass der Iran in einer Bunkeranlage begonnen habe, Uran auf 20 Prozent anzureichern. Auch wenn die Arbeiten von der IAEA überwacht werden, kommt Iran damit der Fähigkeit, atomwaffentaugliches Uran zu produzieren, deutlich näher. Die USA und Europa reagierten alarmiert auf diese Entwicklung.

Lateinamerika kann Sanktionen nicht ausgleichen

Die im Präsidentenpalast in Caracas demonstrativ zur Schau gestellte Gelassenheit kann daher auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Irans Präsident von der Reise außer Solidaritätsbekundungen seiner Amtskollegen nur wenig zu erwarten hat. Zwar unterzeichneten Chávez und Ahmadinedschad mehrere Verträge, in denen eine engere Zusammenarbeit in Wissenschaft, Industrie und konkret in der Nanotechnologie vereinbart werden soll.

Derartige Kooperationen sind jedoch kaum dazu geeignet, die Sanktionen des Westens gegen Iran abzufedern. Auch auf dem diplomatischen Parkett ist aus Lateinamerika keine Hilfe zu erwarten: Eine Vermittlerrolle Venezuelas oder Nicaraguas im Konflikt um das Nuklearprogramm ist ausgeschlossen.

So ist Ahmadinedschads Reise in erster Linie ein Signal an seine innenpolitischen Gegner. In Iran häufen sich die Stimmen derer, die kritisieren, dass der Präsident sein Land durch seine unnachgiebige Haltung in der Atomfrage isoliere und wirtschaftlich schwäche. Am 2. März stehen Wahlen zum Madschlis, dem iranischen Parlament, an. Seine Widersacher wollen den Urnengang zur Abrechnung mit der Politik des Präsidenten nutzen. Internationale Schützenhilfe, die zeigt, dass Iran Freunde in der Welt hat, kommt da gerade recht.

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
jaein 10.01.2012
1. hass suppe
Zitat von sysopWenn wir kichern Seit' an Seit': Irans Präsident Ahmadinedschad*sucht Verbündete im Konflikt um sein Atomprogramm und wird in Venezuela fündig. Hugo Chávez gibt*wortreichen Beistand, viel mehr als Witzeleien über brüderliche Liebe als Bombentreibstoff*hat er jedoch nicht zu bieten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808309,00.html
was bekommen 2 menschen zustande die nur der hass vereint?
cour-age 10.01.2012
2. schauspielerei...
"Hier ein freundlicher Klaps auf die Schulter, da ein kleiner Scherz unter Freunden, dazu ein schelmisches Lachen." wohl alles nur Schau, da davon auszugehen ist, dass die beiden sich nichtmal miteinander unterhalten können, der eine kann wohl nur Persisch, der andere nur Spanisch. Alles Theater, Essenz: Null
hugahuga 10.01.2012
3. Na ja -
Zitat von sysopWenn wir kichern Seit' an Seit': Irans Präsident Ahmadinedschad*sucht Verbündete im Konflikt um sein Atomprogramm und wird in Venezuela fündig. Hugo Chávez gibt*wortreichen Beistand, viel mehr als Witzeleien über brüderliche Liebe als Bombentreibstoff*hat er jedoch nicht zu bieten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808309,00.html
immerhin kann Chavez für sich in Anspruch nehmen, an arme amerikanische Familien Brennstoff geliefert zu haben. Die schlechten Erfahrungen mit ,Demokratie' nach US Muster teilen viele mittel-bzw. südamerikanische Staaten.
tabvlarasa 11.01.2012
4.
"Die US-Regierung sieht das ganz anders" Dann müssen wir der US-Regierung unbedingt glauben. Immerhin handelt es sich nachweislich um Freunde der Wahrheit, die uns noch nie belogen haben wenn es um solch ernste Vorwürfe ging.
Observing 11.01.2012
5. Wer hasst wen?
Zitat von jaeinwas bekommen 2 menschen zustande die nur der hass vereint?
Wer hasst wen? Wir hassen doch? Das Land Iran hat noch nie ein anderes Land angegriffen. Der Iran wird dauernd vom Westen angegriffen und schickaniert weil wir doch den Krieg wollen. Lass den beiden doch etwas Spass, denn es sind doch die denen dann am Ende nachdem wir sie wie Hunde durch due Wueste hetzen das Messer in den Arsch rammen und sie mit Kamere oeffentlich sodomieren (wie es Colonel Gaddafi geschah) und uns pervers freuen duerfen. Es sind doch wir Wester die so bestialisch sind. Der Mangel an Menschlichkeit im Westen ist wirklich nicht weit entwickelt. Wir wollen doch nur die gesamt Kontrolle der Weltenergie. Das ist alles. Die beiden werden verteufelt und dabei wissen wir nichts ausser was die Medien schreiben und die luegen inzwischen doch fast alle. Es geht hier nie im Menschlichkeit und keiner ist besser als der andere. Kriegshetze an sich ist/war illegal - las ich neulich. Mit Kriegshetzerei werden wir alle zur Bestie.
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