Krieg in Syrien Assads Truppen verstärken Luftangriffe

Syrische Rebellen berichten über eine neue Luftoffensive des Assad-Regimes. Ganze Häuserblocks in einem Vorort von Damaskus sollen zerstört worden sein. Aktivisten befürchten, das Militär könnte die Attacken ausweiten.
Kämpfe in Aasas: Menschenrechtler berichten von 40 Toten

Kämpfe in Aasas: Menschenrechtler berichten von 40 Toten

Foto: ? Stringer . / Reuters/ REUTERS

Es ist die nächste Eskalationsstufe im syrischen Bürgerkrieg. Zwei Kampfjets sollen Vororte von Damaskus angegriffen haben. Nach Angaben des syrischen Aktivistennetzwerks LCC starteten die Flugzeuge am späten Montagnachmittag mehrere Attacken mit Raketen auf den Vorort Samalka. Der arabische TV-Sender al-Dschasira zeigte einen völlig zerstörten Häuserblock. Die Aufnahmen sollen aus Samalka stammen.

Seit einer Woche nimmt die Gewalt vor den Toren der Hauptstadt wieder zu. Seit syrische Rebellen von dort aus immer wieder Angriffe auf das Zentrum von Damaskus starten, hat die syrische Armee ihre Attacken auf die Vororte verstärkt.

In den bislang blutigsten Vorfällen sollen in der Rebellenhochburg Daraja nach Angaben von Aktivisten mehrere hundert Menschen, darunter auch Zivilisten, ums Leben gekommen sein. Auch ein regimenaher Fernsehsender bestätigte den Vorfall. Am Wochenende wurden grausame Bilder von getöteten Frauen, Männern und Kindern in den Straßen von Daraja gezeigt. Für die Morde wurden jedoch "Terroristen" verantwortlich gemacht.

Assad droht Rebellen auf Flugblättern

Nun befürchten Aktivisten, dass die Gewalt in der Region um die Hauptstadt noch weiter zunehmen könnte. "Wir haben am Montag MIG-Kampfflugzeuge über Damaskus gesehen", berichtete die Aktivistin Lina al-Schami SPIEGEL ONLINE. "Wir haben Angst, dass das Regime als nächstes große Bomben auf Vororte von Damaskus abwirft." Es wäre eine Eskalation der Gewalt wie sie bereits in anderen Teilen Syriens stattfindet. SPIEGEL ONLINE kann die Informationen von Aktivisten nicht überprüfen.

Assads Streitkräfte warfen am Dienstag über den Vororten Damaskus Flugblätter mit deutlichen Drohungen ab. Die Aufständischen sollten dem Regime ihre Waffen aushändigen oder sich auf einen "unvermeidbaren Tod" einstellen, hieß es auf den von Hubschraubern aus verteilten Zetteln. Die Regierungstruppen seien entschlossen, "jede Ecke Syriens zu säubern". Unterzeichnet waren die Flugblätter vom Generalstab der Streitkräfte.

Das syrische Regime hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Bomben auf Wohngebiete abgeworfen. Zuletzt konnten dies internationale Beobachter in Aasas nahe der türkischen Grenze dokumentieren. Dort warfen vor zwei Wochen Kampfflieger Bomben auf ein Wohngebiet ab, wobei ganze Häuserblöcke dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Mehr als 40 Zivilisten starben, über hundert wurden verletzt, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die den Vorfall vor Ort untersuchte. Die Kleinstadt Aasas wird seit über einem Monat von Rebellen kontrolliert. Ein Großteil der Bevölkerung ist allerdings bereits geflohen - die Stadt stand lange im Zentrum erbitterter Gefechte.

Im Vorort Kudsaja von Damaskus soll am Montagabend nach Angaben des Aktivistennetzwerks LCC Artilleriefeuer die dortige Sabaha-Moschee getroffen haben. Kudsaja ist anders als die als Rebellenhochburgen bekannten ärmeren sunnitischen Gebiete. In dem Vorort leben Menschen, die der syrischen Mittelklasse - viele von ihnen sind Christen. Die gezielten Attacken auf die Moschee könnten ein Versuch sein, die dortigen Christen und Muslime gegeneinander aufzubringen.

Ähnliches wurde bereits aus anderen Vororten berichtet. Ein christlicher Bewohner aus Schdeidet Artus berichtete SPIEGEL ONLINE, vor zwei Wochen habe es auch dort Massaker gegeben. Dabei hätten Assad-Kräfte gezielt die sunnitischen Familien aufgesucht und ermordet. Mehrere Dutzend Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Aktivisten sprachen von rund 45 Toten. "Wir lassen es nicht zu, dass man uns gegeneinander aufbringt", sagte der Bewohner SPIEGEL ONLINE.

Rebellen haben in Schdeidet Artus inzwischen offenbar Rache an Menschen genommen, die sie für Regimeanhänger halten: Ein wahrscheinlich alawitischer Journalist wurde in seinem Haus ermordet. Er hatte für die staatliche Nachrichtenagentur Sana gearbeitet, die als Sprachrohr des Regimes gilt.

Mit Material von dapd
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