Syrien Zwei IS-Anhängerinnen sterben bei Unruhen in Flüchtlingslager

Im syrischen Flüchtlingslager Al-Hol gehen kurdische Sicherheitskräfte gegen Geheimgerichte des IS vor. Die sollen Frauen, die der Terrormiliz nicht mehr strikt folgen, den Prozess gemacht haben.

Das Flüchtlingslager Al-Hol im Nordosten Syriens (Archivbild)
BULENT KILIC / AFP

Das Flüchtlingslager Al-Hol im Nordosten Syriens (Archivbild)


Bei Unruhen und Gefechten in einem Flüchtlingslager im Nordosten Syriens sind mindestens zwei Anhängerinnen der Terrormiliz Islamischer Staat getötet worden. Eines der beiden Opfer kam bei Schusswechseln zwischen IS-Extremistinnen und Fraueneinheiten der kurdischen Sicherheitskräfte in dem Lager Al-Hol ums Leben, wie die kurdische Nachrichtenseite Hawar am Montag berichtete. Dabei seien auch sieben IS-Frauen verletzt worden. Demnach brachen die Gefechte aus, als die kurdischen Sicherheitskräfte gegen Geheimgerichte der Terrormiliz vorgingen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, eine Frau sei zuvor an ihren Verletzungen gestorben, nachdem sie von einem IS-Geheimgericht zum Tode verurteilt und auf sie eingestochen worden sei. Das Opfer habe aus unbekannten Gründen vor Gericht gestanden. Nach Angaben von Hawar wurde mehreren Frauen der Prozess gemacht, weil sie der IS-Ideologie nicht mehr strikt gefolgt sein sollen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, Sicherheitskräfte seien mit Gewalt gegen Proteste ausländischer Frauen und Kinder in einem isolierten Teil des Lagers vorgegangen. Vier Frauen seien mit Schusswunden behandelt worden. Angesichts der fürchterlichen Lebensumstände und der begrenzten Versorgung mit humanitärer Hilfe seien Proteste erwartbar.

Auch Frauen aus Deutschland hatten sich dem IS angeschlossen. Sehen Sie hier einen Beitrag über Sandra Mayer und Merve Aydin, die in einem Lager im Norden Syriens untergebracht waren.

Von Hamburg nach Rakka: Deutsche IS-Frauen

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In dem von syrischen Kurden kontrollierten Flüchtlingslager Al-Hol leben nach UN-Angaben fast 70.000 Menschen, die allermeisten von ihnen sind Frauen und Kindern. Sie stammen überwiegend aus Familien mit Verbindungen zum IS. Die Bundesregierung vermutet dort auch mehr als 120 Kinder und 68 Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die humanitäre Lage in Al-Hol ist Hilfsorganisationen zufolge dramatisch.

ptz/dpa



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