Drohnenattacke im Jemen CIA-Angriff auf al-Qaidas Nummer zwei

Die CIA hat einen Drohnenangriff auf den Anführer der Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel durchgeführt. Jemenitische Sicherheitskreise melden den Tod von Nasser al-Wuhaishi, US-Beamte sind sich da noch nicht so sicher.

Qaida-Kommandeur Wuhaishi: Sein Tod wäre ein schwerer Schlag für das Terrornetzwerk
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Qaida-Kommandeur Wuhaishi: Sein Tod wäre ein schwerer Schlag für das Terrornetzwerk


Den USA ist offenbar ein schwerer Schlag gegen das Terrornetzwerk al-Qaida gelungen. Nasser al-Wuhaishi, Stellvertreter von Qaida-Chef Ayman al-Zawahiri, soll am vergangenen Freitag bei einem Drohnenangriff im Jemen getötet worden sein. Das teilten jemenitische Offizielle mehreren ausländischen Medien mit.

US-Geheimdienstmitarbeiter haben bestätigt, dass die CIA in der vergangenen Woche in der jemenitischen Provinz Hadramaut einen Drohnenangriff auf Wuhaishi und andere Kommandeure der Terrorgruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) durchführten. "Wir versuchen, seinen Tod zu bestätigen", sagte ein US-Beamter.

Über Twitter meldeten auch AQAP-Anhänger den Tod ihres Anführers. Der Dschihadist Qasim al-Rimi sei zu seinem Nachfolger ernannt worden, hieß es. Auch die Terrororganisation al-Qaida teilte in einer Videobotschaft, die sie im Internet verbreitete, mit, Wuhaishi sei bei dem Luftangriff ums Leben gekommen.

Für das Terrornetzwerk wäre sein Tod der wohl schwerste Schlag seit der Tötung Osama Bin Ladens vor vier Jahren. Wuhaishi hat den jemenitischen Zweig von al-Qaida in den vergangenen Jahren kontinuierlich zum stärksten und gefährlichsten Ableger des Netzwerks ausgebaut.

Wuhaishi hatte sich in den Neunzigerjahren den Dschihadisten um Bin Laden in Afghanistan angeschlossen. Der Qaida-Chef machte ihn zu seinem persönlichen Assistenten und bildete ihn für zukünftige Führungsaufgaben aus. Nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan 2001 wurde Wuhaishi auf der Flucht in Iran festgenommen und an sein Heimatland Jemen ausgeliefert. Dort saß er ohne Anklage in Haft, bis ihm 2006 gemeinsam mit 22 anderen militanten Islamisten die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Sanaa gelang.

2009 gründete Wuhaishi mit Dschihadisten aus Saudi-Arabien und dem Jemen al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel. Kurz darauf bestätigte Qaida-Chef Zawahiri seine Ernennung zum AQAP-Chef.

Anschlagsversuch mit Unterhosenbombe

Seither sorgte AQAP mit spektakulären Anschlagsversuchen für Aufsehen. Am ersten Weihnachtsfeiertag 2009 versuchte der AQAP-Terrorist Umar Farouk Abdulmutallab auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit eine Bombe zu zünden, die er in seiner Unterhose versteckt hatte. Das Vorhaben ging schief, andere Passagiere konnten den Terroristen überwältigen.

2010 schickte die Gruppe mehrere Paketbomben an jüdische Einrichtungen in den USA. Die Sprengsätze, die in Druckerpatronen versteckt waren, wurden rechtzeitig in Frachtflugzeugen entdeckt.

In diesem Jahr übernahm AQAP die Verantwortung für den Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris, bei dem elf Mitarbeiter der Zeitschrift getötet wurden.

Hinzu kommen unzählige Anschläge auf Sicherheitskräfte im Jemen, bei denen Hunderte Menschen getötet wurden.

2013 ernannte Zawahiri Wuhaishi offiziell zu seinem Stellvertreter an der Spitze des Qaida-Netzwerks. Damit belohnte er ihn für seine Loyalität und seine militärischen Erfolge.

2014 hatte Wuhaishi in einem Videoauftritt vor Hunderten Kämpfern den USA gedroht. "Wir müssen das Kreuz entfernen und den Träger des Kreuzes: Amerika", hatte der Dschihadist gefordert. Daraufhin erhöhte das US-Außenministerium das Kopfgeld für Wuhaishi auf zehn Millionen US-Dollar. Das ist der gleiche Betrag, der auch auf IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ausgelobt worden ist.

Zuletzt hatte AQAP in den Wirren des jemenitischen Bürgerkriegs ganze Provinzen im Jemen unter ihre Kontrolle gebracht, darunter auch den gebirgigen Hadramaut, jene Provinz, in der nun eine CIA-Drohne zuschlug.

syd/vek/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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Benjamin1965 16.06.2015
1. Collateral
Da nehen sich also mal wieder die USA die Freiheit in den Luftraum eines Landes einzudringen, eine Zielperson und x Unbeteiligte zu toeten, Sachschaden anzurichten und Der Spiegel findest das ganz normal.
Red_Indian 16.06.2015
2. Meine Kollegen und ich
in St.Petersburg möchten anmerken, dass es sich bei dem Drohnenangriff im Jemen um einen klaren Bruch des Völkerrechts handelt.
KingTut 16.06.2015
3. großer Erfolg
Sollten sich die Meldungen bestätigen, wofür ja auch die Meldungen von Angehörigen der Terrorgruppe sprechen, dann wäre das ein großer Erfolg im Kampf gegen den Terror. Die USA haben gar keine andere Möglichkeit, als auf diese Weise gegen die Schurken dieser Welt vorzugehen. Sie erweisen auch uns damit einen großen Dienst. Hoffen wir, dass man auch dem IS-Kalifen al-Baghdadi recht bald habhaft wird. Sie alle müssen wissen, dass sie für ihre Verbrechen früher oder später zur Rechenschaft gezogen werden.
t dog 16.06.2015
4. Wieso
sollten die USA den Anführer von Al Quaida Jemen töten? Al Quaida ist Verbündeter Saudi Arabiens. Quasi die einzigen Verbündeten der USA im Kampf gegen die Huthi. Diese Meldung ist eine Ente.
Spiegelleserin57 16.06.2015
5. neue Parole?
erst schießen und dann schauen wen man getötet hat?
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