Al-Qaida Erschossen, wegen fehlender Korankenntnisse

Die Terroristen, die am Montag das US-Konsulat im saudischen Dschidda stürmten, haben bei ihrer Aktion ein furchtbares Zeugnis ihrer Gesinnung abgelegt: Sie erschossen einen Philippiner, weil er eine Koransure nicht rezitieren konnte.


Riad/Kairo - Der jemenitische Konsulatswächter Salah Abdel Kawi berichtete der arabischen Zeitung "al-Hayat": "Die Angreifer fragen mich nach meiner Religion und ich sagte, ich bin Muslim. Dann forderten sie mich auf, die erste Sure des Koran zu rezitieren, was ich auch tat, als der neben mir stehende Mann aus den Philippinen sie nicht aufsagen konnte, schossen sie ihm in den Kopf."

Die saudi-arabische Zeitung "al-Watan" berichtete unter Berufung auf Verwandte, einer der Attentäter habe bereits seit sechs Jahren extreme islamistische Ansichten vertreten. Er sei vor acht Monaten inhaftiert worden. Nach seiner Freilassung gegen Kaution sei er untergetaucht. Der 28-jährige Fais al-Sammari habe früher als Religionswächter ("Mutawa") bei der "Gesellschaft zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung von Sünde" gearbeitet. Die saudiarabischen Religionswächter treiben ihre Landsleute mit Rufen und in seltenen Fällen auch mit Stockhieben zum Gebet in die Moschee. Sie schreien Frauen an, die in der Öffentlichkeit nicht vorschriftsmäßig verhüllt sind.

Die USA haben nach dem blutigen Anschlag auf ihr Konsulat mit neun Toten ihre Reisewarnung für Saudi-Arabien erneuert. Wegen der gezielten Angriffe auf US-Einrichtungen und amerikanische Bürger sollten Reisen in das Königreich verschoben werden, hieß es in der Reisewarnung des US-Außenministeriums von gestern. Zu dem Anschlag hat sich eine Zelle des Terrornetzes al-Qaida bekannt.



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