Missglückte Befreiungsaktion der Navy Seals Getötete Qaida-Geisel stand offenbar kurz vor Freilassung

Haben die Navy Seals bei ihrer Befreiungsaktion im Jemen voreilig gehandelt? Eine der beiden getöteten Qaida-Geiseln wäre offenbar binnen Tagen freigekommen. Die USA rechtfertigen ihr Eingreifen.
Navy Seals im Einsatz: "Wir haben von Verhandlungen nichts gewusst"

Navy Seals im Einsatz: "Wir haben von Verhandlungen nichts gewusst"

Foto: DPA / U.S. Navy

Sanaa/Washington - Der von Qaida-Terroristen im Jemen entführte Südafrikaner Pierre Korkie stand offenbar kurz vor der Freilassung, bevor er am Samstag bei einer missglückten Befreiungsaktion durch amerikanische Navy Seals getötet wurde. Die Gruppe "Gift of the Givers", eine südafrikanische Hilfsorganisation, für die Korkie gearbeitet hatte, stand nach eigenen Angaben in fortgeschrittenen Verhandlungen mit den Entführern. Am Sonntag hätte Korkie demnach freikommen sollen.

Die US-Regierung rechtfertigte ihr Eingreifen. Die USA hätten von den Verhandlungen mit den Entführern nichts gewusst, sagte der US-Botschafter in Südafrika, Patrick Gaspard. "Uns waren diese Entwicklungen nicht bekannt, und wir mussten schnell handeln." Die Entführer hatten zuvor ein Video veröffentlicht und mit der Ermordung der zweiten Geisel, dem US-Fotojournalisten Luke Somers, gedroht.

Somers und der Lehrer Korkie waren von Mitgliedern eines Ablegers des Terrornetzwerks al-Qaida entführt worden. Bereits vor dem Einsatz am Samstag hatte es einen Befreiungsversuch durch US-Militärs gegeben, ebenfalls erfolglos.

"Gibt es ein Risiko? Ja."

Trotz der gescheiterten Mission wollen die USA an ihrer bisherigen militärischen Strategie festhalten. Der scheidende Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte: "Ich glaube nicht, dass wir unsere Verfahren überprüfen müssen. Dieser Prozess ist so gründlich, wie er sein kann. Ist er unperfekt? Ja. Gibt es ein Risiko? Ja."

US-Präsident Barack Obama hatte im Sommer angeordnet, den Umgang mit Entführungen von US-Bürgern zu analysieren und gegebenenfalls zu überdenken. Von der harten Haltung bei Lösegeldzahlungen (die USA zahlen offiziell nichts) soll jedoch nicht abgewichen werden. Angesichts der steigenden Zahl von Entführungen ist auch in Zukunft mit militärischen Lösungen zu rechnen, Experten sehen dies als alternativlos an.

Mittlerweile sind neue Details der Befreiungsaktion bekannt geworden. Demnach waren etwa 40 Mitglieder der Elite-Eingreiftruppe Navy Seals an dem Einsatz beteiligt. Die Operation begann um 1 Uhr morgens am Samstag. Das Seal Team 6 startete aus Djibouti und wurde einige Kilometer entfernt von dem Versteck der Entführer abgesetzt. Laut ABC News gelang es den Einsatzkräften, nahe ans Haus heranzukommen , fast auf hundert Meter, dann wurden sie jedoch von einer Wache entdeckt.

Seals und Qaida-Kämpfer lieferten sich daraufhin ein Feuergefecht, das etwa zehn Minuten andauerte. Laut offiziellen Angaben kamen dabei sechs Qaida-Kämpfer ums Leben, die Seals überstanden die Schießerei ohne Verletzung. Als sie zu Somers und Korkie vordrangen, waren beide bereits angeschossen. Während des Rücktransports starb einer der Männer - der andere erlag auf der Krankenstation der USS "Makin Island" seinen Verletzungen. "Es war eine sehr komplizierte und gefährliche Mission, wie bei jedem dieser Einsätze gab es ein Risiko", sagte ein US-Vertreter.

Obama hatte den "barbarischen Mord" an Somers verurteilt und verband die Beileidsbekundung für Somers' Familie mit einer Drohung: Terroristen, die US-Bürger schaden wollten, müssten überall mit dem "langen Arm des amerikanischen Gesetzes" rechnen.

bka/Reuters/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.