Propaganda-Video Al-Qaidas neues Gesicht trägt einen Milchbart

Al-Qaida startet rund um den Jahrestag des 11. September eine Propaganda-Offensive. Die Terrororganisation will Boden gegenüber den Erzfeinden vom IS gutmachen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Sohn von Osama Bin Laden.

Hamza Bin Laden (Aufnahme von 2001)
picture alliance / abaca

Hamza Bin Laden (Aufnahme von 2001)

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Al-Qaida veröffentlicht ein neues Video und muss sich als Erstes für die schlechte Qualität der Aufnahme entschuldigen. Denn die Bilder, die al-Qaida zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlicht hat, sind mehr als 16 Jahre alt. Neben schon bekannten Aufnahmen von Osama Bin Laden enthält der rund 35-minütige Film, der am Montag im Internet veröffentlicht wurde, aber auch neues Material: eine Art Testament des 9/11-Attentäters Muhannad al-Shehri. Der damals 22-Jährige Mann aus Saudi-Arabien war einer der fünf Terroristen, die damals United-Airlines-Flug 175 entführten und in den Südturm des World Trade Centers steuerten.

Screenshot aus Qaida-Video

Screenshot aus Qaida-Video

Das Video soll am 17. April 2001 aufgenommen worden sein - Shehri selbst sagt, er halte sich während der Aufnahme im afghanischen Kandahar auf. Erst etwas mehr als einen Monat später, am 28. Mai 2001, landet er in den USA.

Inhaltlich bietet das Band wenig Neues, sondern hauptsächlich bekannte Drohungen gegen die Vereinigten Staaten: "Euer Blut ist schmackhaft für uns und euer Fleisch ist billig", schwadroniert Shehri in Richtung der Amerikaner. Außerdem verspricht er den USA "das kostbarste Geschenk, das ihr wert seid: Särge über Särge und Leichen über Leichen". Einen konkreten Hinweis auf die Anschlagspläne gibt es in Shehris Testament nicht. Weder spricht er von New York noch von Flugzeugen noch vom September.

Das Bemerkenswerteste an dem Video ist daher, dass al-Qaida 16 Jahre nach den Anschlägen überhaupt noch unveröffentlichtes Material der Attentäter besitzt. Warum die Terrororganisation Shehris Aufnahmen erst jetzt veröffentlicht, ist unklar. Es soll nicht die einzige Veröffentlichung rund um den Jahrestag bleiben: Al-Sahab, die Propagandaabteilung von al-Qaida, hat für die nächsten Tage insgesamt vier Beiträge angekündigt.

Mit dieser Propagandaoffensive will al-Qaida offenbar versuchen, im Machtkampf der Dschihadisten Boden gegenüber den Erzfeinden vom "Islamischen Staat" (IS) gutzumachen. In den Augen radikaler Islamisten zehrt al-Qaida allein von den Anschlägen in New York und Washington, Madrid und London. Spätestens mit dem Tod der Symbolfigur Osama Bin Laden 2011 hat die Terrororganisation an Anziehungskraft verloren. Seinem uncharismatischen Nachfolger Ayman al-Zawahiri ist es nie gelungen, die Lücke zu schließen.

Al-Qaida hat es außerdem nicht geschafft, sich auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen: Im Kern ist sie bis heute eine zentralistische Organisation geblieben, in der Zawahiri und wenige Getreue die Entscheidungen treffen. Der IS mit seinem Mitmach-Dschihad ist für potenzielle Terroristen weitaus attraktiver. Sie müssen sich nicht auf den beschwerlichen Weg ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet machen und eine militärische Ausbildung absolvieren, um dazuzugehören. Es reicht, in Europa mit einem Messer oder einem Auto "Ungläubige" zu töten, um dann posthum als IS-Kämpfer und Märtyrer verherrlicht zu werden.

Al-Qaida hat auf diese Entwicklung im dschihadistischen Spektrum bis heute keine Antwort gefunden. Doch offenbar soll nun ein Mann das Comeback von al-Qaida einläuten, der mit seiner Abstammung und seinem Namen dafür prädestiniert ist: Hamza Bin Laden, ein Sohn von Osama Bin Laden. Auf einem Propagandabild, das al-Qaida zum 11. September veröffentlichte, hat die Terrororganisation das Porträt des Jungen in einen der brennenden Türme des World Trade Centers hineinmontiert.

Propagandabild von al-Qaida
Twitter/ Propagandabild von al-Qaida

Propagandabild von al-Qaida

Das Foto stammt aus dem November 2001, damals posierte das Kind mit den Trümmern eines in Afghanistan abgestürzten US-Militärhubschraubers. Es ist die letzte bekannte Videoaufnahme von Hamza Bin Laden. Inzwischen ist er 27 oder 28 Jahre alt. Seit 2015 hat sich Hamza mehrfach in Audiobotschaften an seine Anhänger gewandt. Unter anderem rief er im vergangenen Jahr in einer Ansprache mit dem Titel "Wir alle sind Osama" dazu auf, den weltweiten Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten fortzuführen.

Welche Position Hamza innerhalb der Qaida-Führung einnimmt, ist unklar. Es ist noch nicht einmal gesichert, dass der Mann, der in den Audiobotschaften als Hamza Bin Laden auftaucht, tatsächlich Hamza Bin Laden ist, denn es gibt keine Audioprobe von ihm, die man mit den Bändern abgleichen könnte. Solange aber die Qaida-Anhänger überzeugt sind, dass dort der Sohn von Osama Bin Laden zu ihnen spricht, ist das auch unerheblich.



insgesamt 8 Beiträge
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Dida 12.09.2017
1. na sowas?
jetzt, wo der IS seine Aufgabe erfüllt hat, wird die sog. Al-Qaida wieder belebt. Die Frage ist nur, welche westliche Werbeagentur hat dieses Video produziert ?
hugahuga 12.09.2017
2.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Sohn versucht, in die viel zu großen Fußstapfen seines Vaters zu treten und letztlich darin - kläglich scheitert. Der junge Mann sollte sich anderen Aufgaben zuwenden. Hier gibt es zu viele Verlierer.
matthias-j 12.09.2017
3. Was sagt uns das?
Der Terror geht weiter. Sie wollen kein Frieden. Man muss also die nächste Stufe einschalten.
spicer011 12.09.2017
4. Einfallslos...
Da machen irgendwelche Leute ein Video von irgendwem und verkaufen das als was anderes - und wer glaubt ihnen (und vor allem - was eigentlich)? Maximal die geistig minderbemittelten Bartträger im Bettlaken, die irgendeinen Unsinn da hinein interpretieren. Al Quaida ist sowas von vorgestern. Sollen sie Schweinefleisch essen, diese Köter.
sr1ker 12.09.2017
5. Während...
...er vmtl. frierend in einer dunklen Höhle sitzt, hab ich mir mein Feierabend-Weinchen aufgemacht und sitze zufrieden auf meinem Sofa, meine geliebte Frau im Arm. Er tut mir fast leid!
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