Neue Kämpferzelle in Indien Al-Qaida und IS streiten sich um Terror-Nachwuchs

Al-Qaida hat ein Problem: Der Terrorgruppe laufen die Rekruten weg, sie schließen sich lieber dem "Islamischen Staat" an. Nun steuert die Sawahiri-Truppe gegen. Eine neue Kämpferzelle in Indien soll frisches Personal locken.
Qaida-Führer Sawahiri: Hoffnung auf neue Rekruten aus Indien

Qaida-Führer Sawahiri: Hoffnung auf neue Rekruten aus Indien

Foto: AP/dpa

Das neue "Kalifat" soll die Rettung sein. Qaida-Führer Aiman al-Sawahiri hat die Gründung eines weiteren Ablegers seines Terrornetzwerks auf dem indischen Subkontinent bekannt gegeben. Ziel sei die Errichtung eines "Kalifats" in Burma, Bangladesch und den muslimisch dominierten Gebieten Indiens. Dies verkündete Sawahiri in einem Video, das am Mittwochabend ins Internet gestellt wurde.

Die Organisation mit dem Namen "al-Qaida auf dem indischen Subkontinent" (AQIS) werde "die Flagge des Dschihad" über Indien und seinen Nachbarländern hissen. Sie solle für die Ausbreitung des islamischen Rechts sorgen und Muslime vor Ungerechtigkeit und Unterdrückung schützen. Letzten Schätzungen zufolge leben allein in Indien etwa 180 Millionen Muslime.

Es ist das erste Mal seit August 2013, dass sich Sawahiri in einem Video an die Öffentlichkeit wendet. Der indische Inlandsgeheimdienst hält die Bilder offenbar für authentisch. In dem 55 Minuten langen Clip sagt Sawahiri unter anderem, die neue Zelle werde "alle Grenzen durchbrechen, die die Briten in Indien errichtet haben". Damit spielt er auf die lange Kolonialherrschaft Großbritanniens in der Region an.

Verantwortlich für den indischen Ableger der Terrororganisation ist künftig Asim Umar, ein Ideologe, den westliche Geheimdienste für einen pakistanischen Staatsbürger halten. Im vergangenen Jahr hatte Umar sich bereits an die Muslime in Indien gewandt: "Wie könnt ihr weiter untätig sein, wenn die Muslime der Welt erwachen?", fragte Umar damals.

Die jetzige Botschaft ist der Versuch der Qaida, im Konkurrenzstreit mit der ehemaligen Tochterorganisation "Islamischer Staat" (IS) zu punkten. Der IS, ursprünglich aus der Zelle "al-Qaida im Irak" hervorgegangen, hat sich zuletzt nicht nur von Sawahiri abgenabelt, sondern ist in die offene Konfrontation mit dem Terrorchef getreten.

IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi ließ sich jüngst zum "Kalifen" des eroberten Territoriums zwischen dem syrischen Aleppo und dem irakischen Mossul ausrufen. Eine klare Ansage: Er beansprucht die Führung der globalen Dschihad-Bewegung für sich.

Al-Qaida will gewaltbereite indische Muslime rekrutieren

Die enormen Erfolge des IS in Syrien und im Irak haben der Gruppe bei ihrem Klientel viel Prestige eingebracht. Entsprechend groß ist der Zulauf zum IS: Massenweise junge Gefolgsleute aus aller Welt schließen sich den Kämpfern in Nahost an. Auch aus Indien kommen die jungen Männer. Laut der Terrorismusabteilung der indischen Polizei sind etwa 300 Inder aufgebrochen, um für Bagdadi zu kämpfen.

Um neue Kämpfer aus Asien zu rekrutieren, betreibt der IS eine aggressive Werbekampagne in der Region. Die professionell operierende PR-Abteilung hat dazu Rekrutierungsvideos auf Urdu und Tamil ins Internet gestellt, in Pakistan sind jüngst Pamphlete auf Paschtu und Dari aufgetaucht. Einige Splittergruppen der durch US-Drohnenangriffe geschwächten Taliban haben bereits ihre Allianz mit al-Qaida aufgekündigt und sich dem IS angeschlossen.

Mit der Gründung eines indischen Ablegers von al-Qaida versucht Sawahiri nun, gewaltbereite indische Muslime daheim zu rekrutieren und einzusetzen. Es ist der hektische Versuch, den Machtverlust zu stoppen.

Denn der Siegeszug des "Islamischen Staats" stellt al-Qaida nicht nur vor personelle Probleme. Es geht auch ums Geld. Die Paten des internationalen Terrorismus finanzieren inzwischen lieber den aufstrebenden IS, als die angeschlagene Qaida-Miliz. Dabei ist al-Qaida - anders als der "Islamische Staat", der mit der Ausbeutung eroberter Gebiete ein Vermögen macht, - dringend auf Spenden angewiesen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.