"Alan Kurdi" Gerettete Flüchtlinge dürfen an Land gehen 

Seit zehn Tagen versucht die Besatzung des Rettungsschiffes "Alan Kurdi" mehr als 60 Flüchtlinge in einen Hafen zu bringen. Nun haben sich vier EU-Staaten bereit erklärt, die Migranten aufzunehmen.

Rettungsschiff "Alan Kurdi": Seit zehn Tagen ohne rettenden Hafen
Darrin Zammit Lupi/REUTERS

Rettungsschiff "Alan Kurdi": Seit zehn Tagen ohne rettenden Hafen


Anfang April hat die Hilfsorganisation Sea-Eye Dutzende Menschen aus einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer gerettet. An Land bringen konnte sie die Flüchtlinge bislang aber nicht, weil Italien und Malta sie nicht aufnehmen wollten. Nun haben sich die EU-Staaten geeinigt: Die 62 Migranten sollen in Malta an Land gehen. Von dort würden sie nach Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg gebracht, teilte die maltesische Regierung am Samstag mit. Keiner von ihnen werde in Malta bleiben.

Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" von der Organisation Sea-Eye hatte die Menschen am 3. April vor der libyschen Küste gerettet. Das Schiff bekam dann keine Genehmigung, in einen sicheren Hafen einzufahren, da Italien und Malta darauf pochten, die Menschen auf andere EU-Länder zu verteilen.

Auch jetzt dürfe die "Alan Kurdi" nicht in Malta einlaufen, teilte die Regierung des rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste gelegenen Inselstaates mit. Ein maltesischer Diplomat sagte, die Migranten würden von dem Rettungsschiff auf ein maltesisches Schiff umsteigen, das sie dann an Land bringe. Deutschland nimmt nach Angaben des Bundesinnenministeriums vom Freitag bis zu 22 Menschen von dem Schiff auf.

Weiterer medizinischer Notfall

Sea-Eye warnt, dass sich die Bedingungen auf der "Alan Kurdi" immer weiter verschlechtern. Zwei Frauen wurden bereits aus gesundheitlichen Gründen in Malta an Land gebracht. Von den ursprünglich 64 geretteten Flüchtlingen sind noch 62 an Bord.

Am Freitagabend meldete Sea-Eye einen weiteren medizinischen Notfall. Ein Crewmitglied habe "zunehmende Erschöpfungserscheinungen" gezeigt und sei wegen schwerer Kreislaufbeschwerden von der maltesischen Armee an Land gebracht worden, teilte die Organisation mit.

Die "Alan Kurdi" ist derzeit das einzige private Rettungsschiff im Mittelmeer. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE berichtete Sea-Eye-Vorstand Gorden Isler am Freitag vom Zustand an Bord. Die Menschen trügen durchnässte Kleidung und frören. Viele seien Seekrank (das ganze Interview lesen Sie hier).

jme/dpa/AFP

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