Von Italien abgewiesenes Rettungsschiff Malta lässt alle Migranten von der "Alan Kurdi" an Land

Drei Migranten brachen bereits in der Hitze zusammen - nun dürfen sämtliche Flüchtlinge vom Rettungsschiff "Alan Kurdi" in Malta an Land gehen. Deutschland will viele von ihnen aufnehmen.

Das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi"
Fabian Heinz/ Sea-Eye/ DPA

Das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi"


Malta hat sich bereit erklärt, alle 65 Migranten an Bord des deutschen Rettungsschiffes "Alan Kurdi" an Land zu lassen. Die Menschen würden umgehend auf andere europäische Länder verteilt, teilten die Behörden Maltas am Sonntag nach Gesprächen mit der EU-Kommission und Deutschland mit. Mehrere Migranten waren an Bord wegen der Hitze kollabiert.

"Wir brauchen dringend medizinische Unterstützung", schrieb die Organisation Sea-Eye am Sonntag auf Twitter.

Maltesische Behörden hatten dem Rettungsschiff erst kurz zuvor die Einfahrt in den Hafen der Insel verweigert. "Sie haben keine Erlaubnis, in maltesische Hoheitsgewässer einzudringen", sagte ein Armeesprecher. Ein Schiff der maltesischen Marine nahm deshalb die Geretteten am Abend an Bord und brachte sie an Land. Dem Schiff "Alan Kurdi" wurde die Einfahrt in den Hafen von Valletta verwehrt. Das Schiff der Organisation Sea-Eye hatte nach eigenen Angaben 65 Migranten in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet.

Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte die Entscheidung Maltas, die Flüchtlinge aufzunehmen. Insgesamt könnten 123 aus Seenot gerettete Menschen an Land gehen, 10 bis 15 von ihnen stammen von der "Alan Kurdi", alle weiteren kommen von anderen Seenot-Rettungsschiffen aus anderen Häfen. "Auf Bitten von Malta sollen hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen", teilte er am Sonntagabend über sein Ministerium mit. "Ich bin zufrieden, dass es gelungen ist, zügig eine Ausschiffung zu ermöglichen."

Die "Alan Kurdi" befand sich seit mehreren Tagen auf Irrfahrt im Mittelmeer. Bevor sie Kurs auf Malta nahm, hatte sie bereits Lampedusa erreicht. Dort händigte man der Crew das Verbots-Dekret des Innenministers Salvini aus.

Deutschland hatte daraufhin der EU-Kommission angeboten, Migranten von der "Alan Kurdi" und einem weiteren Rettungsschiff im Mittelmeer aufzunehmen. "Auch im Fall der 'Alan Kurdi' und der 'Alex' sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Samstag. Dies habe er bereits am Freitagvormittag der Europäischen Kommission mitgeteilt und um Koordinierung gebeten.

Die Helfer an Bord des Schiffs hatten die Hoffnung geäußert, dass Malta alle Migranten an Land lässt, sobald es Zusagen anderer europäischer Länder für deren Aufnahme gebe. Das ist nun der Fall. Welche Länder sich sonst noch zur Aufnahme bereit erklärten, war Sea-Eye zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt.

lmd/dpa



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