Syriens Chemiewaffen Albanien lehnt Giftgas-Vernichtung ab

Die syrischen Chemiewaffen sollen rasch vernichtet werden, doch dafür fehlt weiter der passende Ort. Die USA hatten Druck auf Albanien gemacht. Doch die Regierung in Tirana hat nun abgesagt - zuvor gab es landesweite Proteste.

Syrische Chemiewaffen (an unbekanntem Ort): Wohin mit dem Giftgas?
DPA/ Syrian Television

Syrische Chemiewaffen (an unbekanntem Ort): Wohin mit dem Giftgas?


Tirana/Den Haag - Albanien lehnt die Vernichtung chemischer Waffen aus Syrien ab. Sein Land sehe sich dazu nicht in der Lage, sagte Ministerpräsident Edi Rama. Die Regierung des Nato-Mitgliedstaats reagierte damit offensichtlich auf die tagelangen Proteste im ganzen Land.

Am Vortag hatte die Opposition im Parlament den Antrag für die Organisation einer Volksabstimmung gestellt. Bekannte Künstler des Landes sowie die katholischen Bischöfe hatten sich dem Widerstand angeschlossen.

Albanien war immer wieder als ein mögliches Land für die Vernichtung eines großen Teils des syrischen Arsenals, zu dem auch Sarin und Senfgas gehören sollen, genannt worden.

Zwar habe man zunächst auf eine generelle Anfrage der USA prinzipiell zustimmend reagiert, berichtete Rama weiter. Schließlich wolle sein Land ein verlässlicher Nato-Partner an der Seite der USA sein. Allerdings verfüge Albanien weder über die Technologie zur Chemiewaffenzerstörung noch über Transportmöglichkeiten für diese Waffen und müsse daher die Anfrage negativ beantworten.

Am Vortag hatte die US-Botschaft noch einmal Druck gemacht mit dem Hinweis, eine Ablehnung durch Tirana werde "von dem engsten Verbündeten" mit großer Enttäuschung aufgenommen werden.

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) beriet am Freitag über Ort und Zeitplan der kompletten Zerstörung der syrischen Chemiewaffen. Das Arsenal von rund tausend Tonnen tödlicher Kampfstoffe soll nach Ansicht Syriens und der Kontrollbehörde im Ausland zerstört werden. Noch am Freitag sollte der 41 Mitglieder zählende Exekutivausschuss über einen von Syrien vorgelegten Plan entscheiden.

Bis Mitte 2014 soll Baschar al-Assads riesiges Chemiewaffenarsenal vernichtet werden. So sieht es die Resolution des Uno-Sicherheitsrats vom September vor.

Die Uno-Sonderbeauftragte der Operation, Sigrid Kaag, wies in Den Haag erneut auf die schwierigen Sicherheitslage in Syrien hin. Das Team von Uno und OPCW arbeite eng mit der syrischen Regierung zusammen und stehe auch im Kontakt mit bewaffneten Rebellen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Doch die Suche nach einem Ort zur Entsorgung gestaltet sich schwierig. Zuvor hatten offenbar bereits Norwegen, Schweden und Belgien abgesagt. Albanien war 2007 das erste Land, dem es gelungen ist, sein eigenes Arsenal komplett zu vernichten. Washington hatte damals die Rechnung dafür bezahlt - rund 35,5 Millionen Euro - und half bei der Zerstörung. Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas. Doch die Regierung hatte kürzlich den Import von Giftmüll verboten.

fab/dpa/Reuters

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