Aleppo in Syrien Angriff auf Krankenhaus war offenbar kein Versehen

Mindestens 30 Menschen sollen bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus in Aleppo getötet worden sein. Die USA machen die syrische Armee verantwortlich und fordern von Russland, auf das Regime einzuwirken.

Zerstörtes Krankenhaus in Aleppo
DPA

Zerstörtes Krankenhaus in Aleppo


Die Uno fordert angesichts der eskalierenden Kämpfe in Syrien eine neue Friedensinitiative von US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin. Der laufende Prozess sei kaum noch am Leben, sagte der Syrien-Gesandte Staffan de Mistura.

Am Vormittag waren trotz geltender Waffenruhe Dutzende Menschen bei Luftangriffen auf ein Krankenhaus in Aleppo getötet worden. Rettungshelfer vor Ort berichteten von mindestens 30 Toten und 50 Verletzten. Wer für die Bombardements verantwortlich ist, blieb zunächst unklar.

Die Zerstörung des Klinikums in Aleppo könne kaum ein Versehen gewesen sein, sagte de Mistura. Erst wenn die anhaltenden Angriffe in Aleppo und anderen Orten aufhören, sehe er die Möglichkeit, einen Termin für die Fortsetzung der Genfer Syrien-Gespräche anzusetzen. Aus Protest waren die Vertreter der Opposition Ende vergangener Woche abgereist.

USA verurteilen Angriffe auf Krankenhaus

Auch US-Außenminister John Kerry erklärte, es sehe alles nach einer absichtlichen Attacke auf die medizinische Einrichtung aus. Er wiederholte seine Forderung an Russland, alles dafür zu tun, damit sich das syrische Regime an die Waffenruhe halte.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, teilte mit, Washington mache die syrischen Regierungstruppen für den Angriff verantwortlich. Man verurteile das Bombardement als "in jeder Hinsicht verwerflich" und appelliere einmal mehr an die Regierung in Damaskus, alles zu tun, um die Situation im Land zu beruhigen, sagte er weiter.

Auch die Opposition beschuldigt das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen Verbündeten Russland. Ein Vertreter des syrischen Militärs bestritt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana jedoch, dass die Klinik von Flugzeugen der syrischen Regierung bombardiert worden sei. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies der Agentur Interfax zufolge ebenfalls eine Beteiligung zurück.

Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen haben sich Analysten zufolge zu einer Kriegstaktik in Syrien entwickelt. Bei einem Angriff im Februar auf mindestens fünf Krankenhäuser und zwei Schulen waren nach Uno-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen.

kry/dpa/Reuters

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