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Kampf um Aleppo Brandbomben ebnen Assads Armee den Weg

Das umkämpfte Aleppo kommt nicht zur Ruhe. Nachts werden Bomben auf die Stadt abgeworfen, tagsüber rücken Regierungstruppen vor. Russland warnt die USA davor, in die Kämpfe einzugreifen.

Das syrische Aleppo muss derzeit die schlimmsten Kämpfe seit Beginn des Bürgerkrieges vor fünf Jahren ertragen. Nach zahlreichen Angriffen russischer Kampfjets in der Nacht zum Sonntag hat die syrische Armee ihren Vormarsch in der umkämpften Großstadt fortgesetzt. Die russische Luftwaffe habe in der Nacht die Kampfgebiete in Aleppo bombardiert und den Regierungstruppen damit beim Vorstoß im Norden der Stadt geholfen, wo sie die Grenze des Viertels Al-Halak erreicht hätten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete von ununterbrochenen nächtlichen Luftangriffe auf die Stadtteile Bustan al-Bascha, Sachur und Suleiman al-Halabi. In diesen Stadtteilen lieferten sich Armee und Rebellen nach Angaben der Beobachtungsstelle am Sonntag weiter heftige Kämpfe. Die Beobachtungsstelle beruft sich auf ein Netz von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Auf YouTube war in der Nacht zum Samstag ein Video gepostet worden, dass einen Fliegerangriff auf Dörfer und die Stadt Rastan, nördlich von Homs in Mittelsyrien zeigen soll. Deutlich sind darauf Explosionen von Brandbomben und ein starker Feuerschein zu sehen. Das den Rebellen nahestehende Homs Media Center  berichtet von schweren Bränden. Von Toten oder Verletzten ist nicht die Rede.

Am Samstag gab es Berichte, wonach zwei Fassbomben in einem Krankenhaus im von Rebellen kontrollierten Ostteil Aleppos eingeschlagen sind. Das unterirdisch arbeitende Krankenhaus und die ebenfalls von der Hilfsorganisation unterstützte Klinik M2 waren bereits am Mittwoch bombardiert worden und sind seither außer Betrieb.

Zerstörtes Feldlazarett in Aleppo

Zerstörtes Feldlazarett in Aleppo

Foto: ABDALRHMAN ISMAIL/ REUTERS

Die Luftangriffe auf Krankenhäuser bringen laut UN die medizinische Versorgung der Bevölkerung an den Rand des totalen Zusammenbruchs. Patienten müssten abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten, sagte der Koordinator des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), Stephen O'Brien. "Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit." Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten.

Die Menschen müssten unter schlimmsten Bedingungen in der Stadt ausharren, sagte O'Brien am Sonntag in Genf. Er wiederholte die Forderungen nach Einstellung der Angriffe. Das Mindeste wäre eine 48-stündige Feuerpause pro Woche, um die Kranken und Verletzten aus der Stadt bringen zu können.

Ergebnislose Gespräche mit Moskau

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete den "systematischen" Beschuss von Gesundheitseinrichtungen als "besonders empörend". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte über Twitter, die Bombardierung von Aleppo müsse "endlich aufhören". "Wir brauchen schnellstmöglich eine Feuerpause", schrieb er in einem weiteren Kommentar.

US-Außenminister John Kerry drohte bereits mit einem Abbruch seiner Gespräche mit Moskau. Am Samstag telefonierte Kerry nach Angaben Moskaus zum vierten Mal in Folge mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Bisher jedoch brachten die Gespräche keinen Erfolg.

Saudis fordern UN zum Handeln auf

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist wegen der russischen Unterstützung für die Regierungstruppen weiterhin sehr angespannt. Am Samstag hatte es Berichte gegeben, wonach Russland weitere Kampfflugzeuge nach Syrien verlegen wolle, um noch mehr Angriffe fliegen zu können.

Ebenfalls am Samstag warnte Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, die USA davor, die syrische Armee oder die Führung in Damaskus anzugreifen. Dies könnte zu "furchtbaren tektonischen Verschiebungen" nicht nur in Syrien, sondern in der gesamten Region führen.

Ein von Saudi-Arabien dominiertes Bündnis von Golfstaaten hat den UN-Sicherheitsrat angesichts der schweren Kämpfe in Aleppo dagegen aufgefordert, schnellstmöglich einzugreifen. In einem Bericht der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA  verurteilte der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrats (GCC), Abdel-Latif al-Sajani, die schweren Luftangriffe auf die frühere syrische Millionenstadt als Verstoß gegen internationales Recht und menschliche Ethik. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse endlich relevante Resolutionen beschließen.

mak/dpa/afp
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