Syrienkrieg Uno ruft eindringlich zum Stopp der Aleppo-Angriffe auf

Das syrische Regime hat große Teile Ost-Aleppos unter seine Kontrolle gebracht. Die Uno warnt vor den Folgen für die Bewohner: Sie lebten unter "entsetzlichen Bedingungen", es gebe praktisch keine Lebensmittel mehr.

Soldaten des syrischen Regimes in Aleppo
AFP

Soldaten des syrischen Regimes in Aleppo


Die Lage im syrischen Aleppo ist nach Angaben der Vereinten Nationen angesichts verschärfter Kämpfe höchst besorgniserregend. Die "willkürlichen Bombardements" aus der Luft im östlichen Teil der Stadt hätten viele Zivilisten getötet und verletzt sowie Tausende vertrieben, sagte Uno-Sprecher Stéphane Dujarric. Im östlichen Aleppo lebten 275.000 Menschen unter "entsetzlichen Bedingungen" und benötigten dringend Unterstützung. Humanitäre Helfer hätten die Gegend seit Juli nicht mehr betreten können.

Die letzten Lebensmittelrationen des Welternährungsprogramms seien den Betroffenen vor gut zwei Wochen ausgegangen. Auch Vorräte von Partnerorganisationen neigten sich dem Ende. Die Uno stünde bereit, die Betroffenen umgehend zu versorgen, sagte Dujarric in New York.

Am Montag hatten das syrische Regime und Verbündete weitere Teile der Rebellengebiete im Osten der Stadt eingenommen. Sie beherrschen jetzt den kompletten Norden der bislang von der Opposition gehaltenen Viertel. Damit haben die Regimegegner innerhalb weniger Tage mehr als ein Drittel ihres Gebiets in der Stadt verloren. Sollte das Regime den Osten Aleppos vollständig einnehmen, wäre das ein massiver Rückschlag für die Rebellen - sie würden ihre wichtigste Bastion in Syrien verlieren.

Doch selbst falls es so weit komme, werde das nicht das Ende des Kampfes gegen Machthaber Baschar al-Assad bedeuten, sagte George Sabra vom Hohen Verhandlungskomitee der Rebellen dem Sender BBC. "Aleppo ist ein wichtiger Platz für die Revolution, aber es ist nicht der letzte Platz."

Video: Assad-Truppen rücken im Osten Aleppos vor

DPA/ SANA

Unter den Einwohnern in Ost-Aleppo herrschten Panik und Verzweiflung. Tausende Zivilisten waren auf der Flucht vor Kämpfen und Luftangriffen. Sie flohen nach Angaben von Aktivisten in Stadtteile unter Kontrolle des Regimes und in von Kurden gehaltene Viertel. Andere suchten im Südosten Aleppos in Rebellengebieten Schutz.

"Der Menschen in Aleppo willen ist eine sofortige humanitäre Feuerpause notwendig", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Viele der Geflüchteten seien schwer verletzt, ohne noch die geringste Chance auf überlebensnotwendige medizinische Hilfe zu haben. "Diese Tragödie muss ein Ende haben. Dafür tragen das Regime und seine Unterstützer, allen voran Russland und Iran, die größte Verantwortung."

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU) und die Grünen-Politikerin Franziska Brantner als Vorsitzende des Unterausschusses "Zivile Krisenprävention" wandten sich mit einem gemeinsamen Appell an die Bundesregierung und die EU. Ihre Kernforderung: Neue Sanktionen der EU gegen Moskau und die Einrichtung einer Luftbrücke nach Aleppo.

aar/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.