Newsblog Syrien "Nicht weniger als ein Massaker"

Die Brutalität in Aleppo habe das Ausmaß eines Massakers: US-Außenminister John Kerry richtet schwere Vorwürfe an Syriens Machthaber Assad - und fordert sofortigen Zugang für Hilfskräfte. Alle aktuellen Entwicklungen im Newsblog.

Syriens Machthaber Bashar al-Assad
REUTERS

Syriens Machthaber Bashar al-Assad


21.16 Uhr

Fliehende Menschen dürfen nicht länger attackiert werden. US-Außenminister John Kerry fordert eine dauerhafte Waffenruhe im syrischen Aleppo und sofortigen Zugang für Hilfskräfte. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Brutalität, die das syrische Regime, die Russen und die Iraner über die vergangenen fünf Jahre an den Tag gelegt hätten, sagte Kerry und ergänzte: "Assad führe nicht weniger als ein Massaker." Der Außenminister rief zudem alle Beteiligten auf, den Genfer Friedensprozess für ganz Syrien wiederzubeleben. "Wir brauchen jetzt echte Verhandlungen", sagte Kerry.

19.45 Uhr

Ein zweiter Konvoi hat Menschen aus dem Ostteil der umkämpften Stadt Aleppo herausgebracht. Der Arzt Ahmad al-Dbis bestätigte die Ankunft von Krankenwagen und Bussen an einem Transitposten nahe des von Aufständischen kontrollierten Gebiets Chan al Aassal westlich von Aleppo. "Der Konvoi kommt an, die Verletzten werden aus den Rettungswagen in Feldkrankenhäuser gebracht, und die Zivilisten verlassen die Busse", sagte Dbis der Nachrichtenagentur AFP. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Ankunft. Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, 1198 Menschen würden in Sicherheit gebracht: 577 Männer, 320 Frauen und 301 Kinder.

18.10 Uhr

Laut dem staatlichen syrischen TV-Sender hat ein zweiter Evakuierungskonvoi den Ostteil von Aleppo verlassen. Insgesamt seien 15 Busse unterwegs, hieß es.

16.50 Uhr

Laut syrischem Militär und Angaben des Internationalen Komitees (IKRK) vom Roten Kreuz wurden bislang knapp tausend Menschen aus der Stadt Aleppo gebracht. Bei einem Drittel davon habe es sich um Kämpfer gehandelt. Dem IKRK zufolge waren 26 Verletzte unter den Evakuierten, darunter mehrere Kinder. Insgesamt sollen den Angaben zufolge etwa 15.000 Menschen aus den Rebellengebieten abtransportiert werden. Neben 5000 Kämpfern soll es sich demnach um deren Angehörige und um Zivilisten handeln, die sich noch in den eingeschlossenen Gebieten aufhalten.

16.20 Uhr

Syriens Machthaber Baschar al-Assad hat sich zur Evakuierung von Ost-Aleppo geäußert. Es handele sich um eine "Befreiung" der Stadt, die syrischen Regierungstruppen würden "Geschichte schreiben", sagte Assad in einem Video, das seine Regierung im Internet veröffentlichte.

15.15 Uhr

Aus offizieller syrischer Quelle hieß es, noch am Donnerstag solle es einen zweiten Konvoi aus dem Rebellengebiet Ost-Aleppos geben. Auch das Internationale Rote Kreuz sagte, man rechne nach der ersten Tour mit weiteren Evakuierten im Verlauf des Tages.

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Zuvor hatte ein Konvoi mit Evakuierten aus Aleppo offenbar das von Rebellen gehaltene Al-Raschidin erreicht. Das berichtet das staatliche syrische Fernsehen. Die Evakuierungen sollen nach Einschätzung der Türkei innerhalb von zwei bis drei Tagen abgeschlossen sein. Voraussichtlich seien insgesamt etwa 50.000 Menschen betroffen.

14.00 Uhr

Korrespondenten der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP melden, dass nun vollbesetze Busse Ost-Aleppo verlassen haben. Die Angaben zur Anzahl der Busse variieren dabei von zwölf bis zu 17 Fahrzeugen. Auch Krankenwagen gehören demnach zu dem Konvoi, den auch das syrische Staatsfernsehen zeigt.

Dieses Video, das auf Youtube zu sehen ist, soll zeigen, wie Verletzte aus der Stadt gebracht werden. Es stammt von einem Mann, der in Kontakt zu einem SPIEGEL-Korrespondenten steht und auch bei den Weißhelmen bekannt ist.

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13.15 Uhr

Der staatliche syrische TV-Sender Ichbarija berichtet, Rebellen hätten ein von Regierungstruppen gehaltenes Stadtviertel mit Raketen beschossen. Der Sender beruft sich auf einen Reporter vor Ort. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Darstellung aus eigenen Quellen nicht verifizieren. Ein Einwohner eines benachbarten Distrikts sagte, er habe keine Detonationen gehört.

13.00 Uhr

Der Leiter des Uno-Hilfseinsatzes in Syrien, Jan Egeland, geht davon aus, dass 50.000 Menschen den Ostteil Aleppos verlassen wollen. Die meisten wollten in die von Rebellen gehaltene syrische Stadt Idlib. Andere könnten sich für die Türkei entscheiden. Russland habe zugesagt, dass die Evakuierung problemlos vonstatten gehen und niemand zu Schaden kommen werde, sagt Egeland in Genf. Gleichzeitig betonte er, dass die Vereinten Nationen den Bewohnern keinen humanitären Schutz bieten können, da die Mitarbeiter sich in dem Krisengebiet nicht frei bewegen könnten.

12.40 Uhr

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sieht Russland und Iran in der Verantwortung, die Lage der Menschen in Aleppo zu verbessern. Sie habe dazu mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif telefoniert, sagt Mogherini vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. Was mit den Zivilisten geschehe, sei "absolut inakzeptabel".

SPIEGEL ONLINE

12.00 Uhr

Die ersten Fahrzeuge zur Befreiung Kranker und Verletzter rollen offenbar in die Evakuierungszone in Ost-Aleppo: Rotes Kreuz und Roter Halbmond rechnen damit, in der ersten Welle zwischen 200 und 250 Verwundete aus der Stadt transportieren zu können. Auch konkrete Vorbereitungen zum Abzug von Kämpfern und Zivilisten hätten begonnen.

"Als erstes werden die Verwundeten, die Kranken und dann die Aktivisten und Journalisten abtransportiert", sagte Fares al-Schehabi, ein Abgeordneter des syrischen Parlaments. Anschließend würden die "Terroristen" folgen. Mit diesem Begriff bezeichnet das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad alle Aufständischen.

Nach Angaben des russischen Generalstabs hätten rund 5000 Kämpfer und ihre Angehörigen damit begonnen, Aleppo zu verlassen. Der dafür eingerichtete Korridor sei 21 Kilometer lang, sagte Generalstabschef Walerij Gerassimow der Agentur Interfax.

11.25 Uhr

Die Räumung läuft offenbar in diesen Minuten an: Krankenwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes sind in die von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel im Osten Aleppos aufgebrochen. Eine IKRK-Sprecherin bestätigt, die Rettungswagen seien losgefahren.

Zudem seien 20 Busse aus den vom Regime kontrollierten Gebieten aufgebrochen, um die ersten Menschen aus Rebellengebieten herauszuholen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa und beruft sich auf syrische Militärs.

11.00 Uhr

Russland sendet Live-Bilder zur Räumung, offenbar aus Aleppo oder aus der Umgebung. Auf einer Webseite für die Operation der russischen Armee in Syrien stehen aktuell zwei Livestreams.

Russische Drohne zeigt Livebilder, offenbar aus Ost-Aleppo
Ministry of Defence of the Russian Federation

Russische Drohne zeigt Livebilder, offenbar aus Ost-Aleppo

Einer zeigt von erhöhter Position abfahrende Busse und Fahrzeuge mit Fahnen des Roten Kreuzes. Der andere Stream zeigt Live-Bilder einer Drohne, auf denen Fahrzeuge zu sehen sind. Die Bildausschnitte sind klein gewählt, ob in den Fahrzeugen Menschen sitzen, ist nicht zu erkennen.

10.30 Uhr

Die syrische Regierung erklärt, die Räumung Ost-Aleppos solle bald beginnen: Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana seien die Vorbereitungen abgeschlossen. Damit veröffentlicht Sana das erste offizielle Statement von Regierungsseite zur Evakuierung.

Zitiert wird Sana mit den Worten, "Terroristen und ihre Familien" sollten aus dem Süden der verbliebenen Rebellengebiete ins Umland gebracht werden. Das Gebiet steht unter Kontrolle der Opposition. Insgesamt sollten am Donnerstag rund 5000 Kämpfer und 10.000 Zivilisten mit Bussen aus der Stadt gebracht werden, meldet die dpa außerdem und beruft sich auf syrische Militärs.

10.10 Uhr

Die Uno hofft trotz "Zwischenfällen" bei der Evakuierung Ost-Aleppos auf eine schnelle Rettung der eingeschlossenen Zivilisten. Jan Egeland, Menschenrechtsbeauftragter der Vereinten Nationen für Syrien, sagte, in Aleppo säßen Tausende fest, die die Stadt dringend verlassen müssten.

Man habe Nachricht aus Russland erhalten, dass die Uno sich an der Rettungsaktion beteiligen solle. "Die Bestätigung dafür kam erst heute Morgen, das ist sehr spät", weil die Rettung bereits laufe.

Egeland zufolge müssten Tausende evakuiert werden, "am dringlichsten ist aber die Rettung von Kranken, Verwundeten und Kindern, insbesondere von Waisen". Er habe die Hoffnung, dass dies nun geschehe, denn die Rettung sei "lange, lange überfällig", so der norwegische Diplomat zu Reuters.

9.30 Uhr

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) erklärt, Regimekräfte hätten auf Menschen geschossen, die eine Straße für einen Rettungstransport aus der umkämpften Stadt hätten freiräumen wollen. Die Organisation Weißhelme bestätigte den Vorfall. Sie meldete fünf Verletzte, darunter zwei ihrer Mitarbeiter.

Die Weißhelme sind Freiwillige, die in Aleppo Zivilisten aus von Bomben zerstörten Häusern befreien. Die oppositionsnahe SOHR sitzt in London, unterhält aber gute Kontakte im Bürgerkriegsland Syrien. Ihre Angaben gelten als zuverlässig.

9.00 Uhr

Der Transport der ersten Verletzten aus den verbliebenen Rebellengebieten der umkämpften syrischen Stadt Aleppo verzögert sich weiter. Wie ein Sprecher der Rebellen meldet, sollen die ersten Krankenwagen auf dem Weg aus der Stadt beschossen worden sein. Dabei sollen drei Menschen verwundet worden sein, sagten Rebellenvertreter der Agentur AP.

Trümmer in Ost-Aleppo
DPA

Trümmer in Ost-Aleppo

Die Regierung von Baschar al-Assad teilte hingegen mit, es stünden rund 20 Krankenwagen zum Abtransport Verletzter bereit, berichtet die Nachrichtenagentur dpa und beruft sich auf Armeekreise. Es werde noch an Listen mit den Namen von Menschen gearbeitet, die aus der Stadt gebracht werden sollten. Die Verletzten sollen laut Armee in Rebellengebiete westlich von Aleppo gebracht werden.

7.20 Uhr

Die ersten Rebellenkämpfer können offenbar die umkämpfte syrische Stadt verlassen. Ein Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei eine Einigung über den Abzug erzielt worden. AFP und auch die Agentur Reuters berufen sich dabei auf die Aussagen syrischer Militärs und aus Regierungskreisen.

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Nach Angaben eines Rebellenvertreters galt seit der Nacht ein neuer Waffenstillstand. Zuvor hatte es wiederholt Meldungen über eine mögliche Waffenruhe gegeben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in London sitzt und deren Angaben als zuverlässig gelten, meldete dagegen, es habe in der Nacht weiterhin Gefechte zwischen Regime und Rebellen gegeben.

cht/cte/AFP/AP/dpa/Reuters

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