Kampf um Aleppo Rebellen verkünden Durchbruch der Belagerung

Bis zu 300.000 Menschen sind in der syrischen Stadt Aleppo eingeschlossen. Mehrere Rebellengruppen wollen jetzt den Belagerungsring durchbrochen haben. Staatliche Medien bestreiten dies.

REUTERS

Mehrere syrische Rebellengruppen haben nach eigenen Angaben die Belagerung Aleppos durchbrochen. Kämpfer seien im Südwesten der früheren syrischen Metropole vorgerückt und hätten sich mit Aufständischen aus dem eingekesselten Ostteil der Stadt zusammengetan. "Das beweist, dass wir die Belagerung durchbrochen haben", sagte ein Kommandant des früheren Qaida-Ablegers Dschabhat Fatah al-Scham der Nachrichtenagentur dpa.

"Die Belagerung unserer Leute wurde gebrochen", schrieb auch ein Sprecher der Gruppe Ahrar al-Scham auf Twitter. Es ist eine der größten Rebellengruppen, die an der Erstürmung Aleppos beteiligt ist.

Aktivisten in Aleppo berichteten von feiernden Bewohnern auf den Straßen der eingekesselten Viertel. Die Menschen seien trotz der Gefahr von Luftangriffen ins Freie gelaufen und hätten gerufen "Gott ist groß" und "Unsere Rebellen werden uns retten". Von den Moscheen erschallten Koranverse.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Berichte der Rebellengruppen. Sie wies aber darauf hin, dass es den Gruppen noch nicht gelungen sei, eine sichere Passage zwischen den Ost-Vierteln Aleppos und den von Rebellen kontrollierten Gebieten zu schaffen.

Die Angaben der oppositionsnahen Organisation, die sich auf ein Netzwerk von Informanten beruft, können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. In der Vergangenheit haben sie sich aber oft als zuverlässig erwiesen.

Lage in Aleppo
SPIEGEL ONLINE

Lage in Aleppo

Der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad nahestehende Medien bestritten dagegen den Durchbruch des Belagerungsrings und berichteten, dass die Kämpfe andauerten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete von schweren Luftangriffen gegen die "Terroristen". So bezeichnet das Regime von Machthaber Assad die Aufständischen. Demnach seien auch nachrückende Truppen und Versorgungskonvois getroffen worden. Tausende "Söldner" hätten mithilfe von Autobomben die Soldaten angegriffen.

Vor gut drei Wochen hatten syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten die letzte Versorgungsroute in die von Rebellen gehaltenen östlichen Viertel Aleppos gekappt. Die Uno schätzt, dass bis zu 300.000 Menschen eingekesselt sind. Ein Bündnis syrischer Rebellengruppen unter Führung von Islamisten versucht seit einer Woche, die Belagerung zu durchbrechen.

Fotostrecke

13  Bilder
Kämpfe in Aleppo: Eine Stadt liegt in Trümmern

asa/dpa/AFP



insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Eutighofer 06.08.2016
1. die UN-Forderungen endlich erfüllen !
Die UN fordert von der UN kontrollierte Hilfskorridore in die Stadt. Assad und Putin sollten sich dem nicht länger widersetzen, die Bevölkerung wird ausgehungert. http://www.dw.com/de/un-hilfe-für-eingeschlossene-aleppo-bewohner-unser-job/a-19436987
cicero_muc 06.08.2016
2. Wer kämpft da gegen wen und wieso?
Ich vertraue darauf dass da genügend Experten den Überblick behalten. Wie auch immer, aufgeben mag da wohl keiner. Die scheinen alle noch genügend Kraft und (Menschen-)Material zu haben um sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Das Land liegt in Schutt und Asche, die Beteiligten scheinen aber noch genügend Ressourcen zu haben um zu kämpfen. Wie viele Einwohner zählt Syrien eigentlich noch?
theoneonly 06.08.2016
3. Falsche Wortwahl
Man kann mit Recht Asad als Diktator bezeichnen und seine Regierung als Regime . Man MUSS dann aber auch die "Rebellen " als radikale Islamisten . Das sind radikale Splittergruppen von al Nusra und noch Schlimmeren. Die interessieren sich für die Menschen in Aleppo einen feuchten Kehricht . Die wollen nur eine Gottesstaat mit strikten Regeln nach der Scharia . Andere Deutsche Medien berichten hier richtig . Beim Spiegel klingt das leider als sei hier was Positives passiert . Dem ist aber nicht so.
JDR 06.08.2016
4.
Man darf davon ausgehen, dass dieser Bericht in etwa zusammen fasst, was die Rebellen erreicht haben. (https://www.theguardian.com/world/2016/aug/03/syrian-rebels-advance-on-assad-forces-aleppo-siege) Demnach haben sie keinen Nachschubkorridor frei gekämpft, sondern ihrerseits den vom Regime gehaltenen Teil Aleppos eingekesselt. Ob und welche zusätzlichen Kampfmittel ihnen nun zur Verfügung stehen bleibt abzuwarten. Zumindest scheint es sich nach den Beschreibungen der Erfolge um die selbe Offensive zu handeln, von welcher der Guardian vor einigen Tagen berichtete. Es entsteht ein bisschen das Bild einer "Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt." Ein bisschen beunruhigend kann dies durchaus sein. Assads Truppen sind wesentlich schlechter motiviert, als Hezbollah und Rebellen. Sein Charakter wird Verhandlungen wohl nicht zulassen. Und was passiert, wenn die eingekesselte Regimearmee kapitulieren sollte, bleibt abzuwarten.
allesblabla 06.08.2016
5. 1.5 Millionen
Sollte der Durchbruch gelingen, so waeren im Gegenzug 1.5 Millionen Menschen im Westen der Stadt eingeschlossen, denn 1.5 Millionen haben sich zu Diktator Assad gerettet waehrend 0.3 Millionen es vorziehen im Osten zu leben. Klingelt's?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.