Syrienkrieg Lawrow kündigt Feuerpause in Aleppo an

Die syrische Armee hat nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow ihre Angriffe in Aleppo unterbrochen. 8000 Zivilisten sollen aus dem Osten der Stadt gebracht werden.

Sergej Lawrow
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Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Pause der Angriffe der syrischen Armee auf Aleppo verkündet. Etwa 8000 Zivilisten sollen in Sicherheit gebracht werden.

"Ich kann Ihnen heute sagen, dass die Kampfhandlungen der syrischen Armee in Ost-Aleppo unterbrochen wurden", sagte Lawrow laut russischen Nachrichtenagenturen beim Treffen der Außenminister in Hamburg. Derzeit laufe in Aleppo eine "große Operation für die Evakuierung von Zivilisten".

Die Uno hatte angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Osten Aleppos zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. Syriens Präsident Baschar al-Assad verspricht sich vom dortigen Vormarsch seiner Truppen eine "Wende im Krieg". Der Uno zufolge erlaubte er ihren Mitarbeitern erstmals den Zugang in das Kampfgebiet.

Der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, erklärte in Genf, die Feuerpause sei dringend erforderlich, damit bis zu 500 kranke und verletzte Kinder Ost-Aleppo verlassen könnten. Derzeit liefen flüchtende Zivilisten Gefahr, ins "Kreuzfeuer" der Kriegsparteien zu geraten oder von "Heckenschützen" getroffen zu werden.

Egeland fügte hinzu, die Kriegsparteien in Syrien und ihre Hintermänner in Moskau lägen in ihrer Einschätzung der Lage in Syrien sehr weit auseinander. Daher gebe es in der Frage einer Waffenruhe bislang keine Fortschritte. Bei einer Feuerpause könnte das UN-Hilfspersonal von West-Aleppo aus Nahrungsmittel für 150.000 Menschen in den Ostteil der Stadt bringen.

Beim Ministerrat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) in Hamburg war die dramatische Lage in Aleppo ebenfalls Thema. US-Außenminister John Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) trafen getrennt voneinander mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen.

Russland ist Syriens wichtigster Verbündeter. Moskau trug durch seine seit September 2015 auf Assads Wunsch hin gewährte Militärhilfe maßgeblich dazu bei, dass die Regierungstruppen allmählich die Oberhand gewannen.

Damaskus lehnte Waffenruhe zunächst ab

Assad hatte die Kampfpause zunächst abgelehnt. Der syrischen Tageszeitung "Al-Watan" sagte er, das Vorrücken der Regierungssoldaten im Osten Aleppos werde ein "riesiger Schritt zum Ende" des Konflikts sein. Wenn die USA jetzt auf eine Waffenruhe pochten, so deshalb, weil ihre "terroristischen Agenten" in einer schwierigen Lage seien. Damaskus begründete die Ablehnung einer Waffenruhe auch damit, dass die von den USA unterstützten Aufständischen eine Kampfpause dazu nutzen würden, sich neu zu sammeln und zu bewaffnen.

Seit dem Beginn einer Großoffensive Mitte November haben die Regierungstruppen einen großen Teil der von den Rebellen kontrollierten Stadtviertel im Osten von Aleppo zurückerobert. Nach Angaben von Aktivisten verloren die Aufständischen 85 Prozent der von ihnen kontrollierten Gebiete in Aleppo. Auch die Altstadt ist demnach wieder unter der Kontrolle der Regierung.

Die in den Rebellengebieten in Ost-Aleppo tätige Hilfsorganisation Weißhelme rief die Uno, den UN-Sicherheitsrat und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) auf, sie vor den vorrückenden Regierungssoldaten zu schützen. Andernfalls drohe ihren humanitären Helfern, "in den Haftzentren des Regimes gefoltert oder hingerichtet" zu werden.

Das IKRK brachte in der Nacht zum Donnerstag knapp 150 Menschen in Sicherheit, die unter äußerst schwierigen Bedingungen in einer Art Notkrankenhaus in einem Altenheim in Ost-Aleppo untergebracht waren. "Tragischerweise kam die Operation für einige zu spät", teilte das IKRK mit. Elf Menschen hätten nur noch tot aus dem Heim Dar al-Safaa in der Altstadt geborgen werden können.

pem/dpa/AFP



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