Satellitenbilder des zerstörten Aleppo Die geschundene Stadt

Die Uno will Beobachter nach Aleppo schicken. Sie kommen in eine Stadt, die zur Hälfte zerstört ist. 36.000 Häuser im Ostteil wurden beschädigt, Satellitenfotos belegen den Grad der Verwüstung.

DigitalGlobe/ U.S. Department of State, Humanitarian Information Unit, NextView License

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Keine Mauer und kein Zaun umschloss die Rebellenviertel im Osten Aleppos. Stattdessen bildeten Straßen und Häuserfronten die informelle Grenze zwischen den Gebieten, die knapp vier Jahre lang von den Aufständischen beherrscht wurden und jenen Stadtteilen im Westen, die unter der Kontrolle des syrischen Regimes standen.

Und doch lässt sich selbst aus dem All genau erkennen, wo die Frontlinie verlief, bis die Regimetruppen in der vergangenen Woche die Stadt vollständig eroberten. Denn während West-Aleppo die vier Jahre Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hat, liegt Ost-Aleppo in Trümmern. Das zeigen Bilder von Unitar-Unosat, dem Satellitenbeobachtungsprogramm der Vereinten Nationen.

Die jüngsten Aufnahmen vom 18. September 2016 belegen, dass knapp 36.000 Gebäude in Aleppo beschädigt oder zerstört wurden. Die Visualisierung von Unitar-Unosat zeigt, dass sich fast alle diese Bauwerke in Ost-Aleppo und den westlichen Vororten der Stadt befanden, die bis heute von Aufständischen kontrolliert werden. Ausnahme ist der Stadtteil Scheich Maksud, der unter Kontrolle der kurdischen YPG-Milizen steht und der in den vergangenen Jahren häufig von den Rebellen mit Raketen beschossen wurde.

Visualisierung von Zerstörungen in Aleppo
DigitalGlobe/ U.S. Department of State, Humanitarian Information Unit, NextView License

Visualisierung von Zerstörungen in Aleppo

Exemplarisch lassen sich die Zerstörungen anhand von Satellitenaufnahmen aus einigen Stadtvierteln belegen. Diese Bilder zeigen den Stadtteil Rusafa im Nordwesten von Aleppo - einmal 2010 und einmal im September 2016. Regierungstruppen eroberten das Gebiet im Juli von den Aufständischen zurück, als sie den Kessel rund um Ost-Aleppo schlossen. Viele Häuser in dem Gebiet sind völlig zerstört, gut erkennbar die Bombenkrater, die russische und syrische Kampfjets in dem Stadtteil hinterlassen haben.

Der Stadtteil Sachur lag im Norden des Rebellengebiets von Aleppo. Auf dieses Gebiet konzentrierten sich seit September viele Angriffe des Regimes. Diese Satellitenbilder stammen aus dem Jahr 2014 und vom 27. November 2016. Auf der jüngeren Aufnahme ist deutlich zu sehen, wie nach einem Luftangriff Rauch aus einem bombardierten Gebäude aufsteigt. Einen Tag später eroberten die Truppen von Baschar al-Assad das Viertel zurück.

Sukkari im Südosten gehört zu den am stärksten getroffenen Stadtteilen. Der Vergleich von Satellitenfotos aus dem Februar 2013 und dem September 2016 zeigt, dass ganze Straßenzüge praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurden. Trotzdem haben in dem Viertel bis zuletzt Menschen gelebt. Das Gebiet, das auf den Fotos zu sehen ist, liegt ganz in der Nähe vom Abfahrtsort der Busse, mit denen in den vergangenen Tagen Tausende Rebellen und Zivilisten aus der Stadt gebracht wurden.

Diese Vorher-Nachher-Aufnahmen zeigen ebenfalls den Stadtteil Sukkari - einmal 2013 und einmal im September 2016. Das Gebiet war der letzte Rückzugsort der Rebellen in Ost-Aleppo.

Die Satellitenaufnahmen liefern nur eine vorläufige Bestandsaufnahme. Die jüngsten Aufnahmen stammen aus dem September, also vor Beginn der Bodenoffensive von Assads Truppen, die mit einer drastischen Verschärfung des Bombenkriegs gegen Ost-Aleppo einherging. Das ganze dramatische Bild der Zerstörungen in Aleppo wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen - mithilfe von weiteren Satellitenbildern und möglicherweise auch durch die Entsendung von Uno-Beobachtern. Am Montag hat der Uno-Sicherheitsrat einstimmig eine Beobachtermission für Aleppo beschlossen. Die Beobachter kommen in eine Ruinenstadt.

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