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13. Dezember 2016, 12:05 Uhr

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Russland verkündet Ende der Kämpfe in Aleppo

Aleppo steht nach Angaben Russlands nun vollständig unter der Kontrolle von Assads Streitkräften. Zuvor hatten sich die Rebellen mit dem Regime überraschend auf einen Abzug geeinigt.

21.31 Uhr

Die Türkei will nach dem Ende der Kämpfe im Osten Aleppos eine Zeltstadt für mehr als 80.000 Flüchtlinge errichten. Das hat der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Simsek angekündigt, weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. In der Türkei leben derzeit mehr als 2,7 Millionen Syrer.

20.38 Uhr

Die Kampfhandlungen im Osten Aleppos sind nach Aussage des russischen Uno-Botschafters Tschurkin beendet. Das syrische Militär habe seine Einsätze gestoppt, um den bewaffneten Aufständischen und ihren Familien die Flucht aus der Stadt zu ermöglichen, sagte Tschurkin in New York. Die Rebellenkämpfer hätten damit begonnen, Ost-Aleppo zu verlassen und in der Folge seien die Kämpfe eingestellt worden. Die Rebellen hatten sich zuvor mit dem Regime auf einen Abzug geeinigt. Aus Regierungskreisen hieß es, sie sollten die Stadt in Richtung der von oppositionellen Milizen kontrollierten Provinz Idlib verlassen.

19.18 Uhr

Nach der überraschenden Einigung zwischen den Rebellen und der syrischen Regierung hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Solidarität mit den Zivilisten aufgerufen. "Wir alle haben die Menschen in Syrien bislang kollektiv hängen lassen", sagte Ban bei der kurzfristig einberufenen Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York. "Der Sicherheitsrat hat seine Hauptaufgabe in Hinblick auf den Erhalt von internationalem Frieden und Sicherheit nicht erfüllt. Die Geschichte wird uns nicht leicht freisprechen, aber dieses Versagen zwingt uns, mehr zu tun, um den Menschen in Aleppo jetzt unsere Solidarität zu zeigen", sagte Ban.

18.46 Uhr

Das Gebiet der Rebellen in der umkämpften Großstadt Aleppo wird auch nach Angaben der wichtigsten Aufständischen-Gruppe in Kürze vollständig evakuiert. "Jeder" werde Ost-Aleppo noch in der Nacht verlassen, teilte ein Sprecher der Gruppe Ahrar al-Scham am Dienstag mit. Russlands Uno-Botschafter Witali Tschurkin bestätigte die Übereinkunft der Regierung in Damaskus mit den Rebellen in New York. "Die Abmachung ist, dass die Kämpfer die Stadt verlassen", sagte Tschurkin. Die Zivilisten könnten selbst entscheiden, ob sie bleiben wollten oder ob sie in sicherere Gebiete ziehen wollten. "Niemand wird den Zivilisten etwas antun." Ein syrischer Militärvertreter sagte, eine Feuerpause sei vereinbart, die Rebellen würden ab Mittwochmorgen die Stadt in Richtung Westen verlassen.

17.48 Uhr

Angesichts der verheerenden Lage für die Menschen im Osten Aleppos ist einem Rebellenvertreter zufolge eine Einigung über die Evakuierung der dort verbliebenen Menschen erzielt worden. Es gebe eine Übereinkunft "für die Evakuierung von Zivilisten und Kämpfern aus den belagerten Vierteln von Ost-Aleppo", sagte Jasser al-Jussef von der Rebellengruppe Nurredin al-Sinki. Die Türkei und Russland hätten sich für die Vereinbarung eingesetzt.

17.19 Uhr

Der Uno-Sicherheitsrat hat nach Angaben Frankreichs wegen der Lage in Aleppo eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Frankreich und Großbritannien hätten um das Treffen gebeten, gab die französische Uno-Vertretung auf Twitter bekannt. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon werde teilnehmen. Die Sitzung soll demnach am Dienstagabend beginnen.

15.50 Uhr

Nach Einschätzung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist der Syrien-Krieg auch nach einer Eroberung aller Rebellengebiete in Aleppo nicht beendet. "Auch Russland sollte nicht die Illusion haben, dass mit dem Fall von Aleppo der Krieg zu Ende geht", sagte Steinmeier in Berlin. Er werde an anderen Orten in Syrien fortgeführt werden, mit einer Kombination aus militärischer Konfrontation und terroristischen Attentaten.

Steinmeier rief die syrische Regierung dazu auf, Kämpfer auf Rebellenseite und Zivilisten aus der Stadt ziehen zu lassen und nicht in Gefängnisse oder Lager zu stecken. "Es muss jetzt die Möglichkeit geben, für die Leute, die es in der Hölle von Ost-Aleppo nicht mehr aushalten, einen Ausweg zu finden.

Syrische Pro-Regierungstruppen haben nach Uno-Angaben bei ihrer Offensive im Osten der Stadt mindestens 82 Zivilisten getötet. Zudem seien zahlreiche Zivilisten inhaftiert worden.


14.39 Uhr

Russland lehnt eine sofortige Waffenruhe in Aleppo ab. Sein Land werde einer Feuerpause nur dann zustimmen, wenn Korridore für den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus dem belagerten Rebellengebiet Aleppos vereinbart seien, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Belgrad. Russland arbeite mit allen zusammen, die die Lage beeinflussen könnten, sagte Lawrow auf die Frage, ob Gespräche mit den USA und der Türkei Erfolg haben könnten.

Die UN warnten derweil vor Rache an Tausenden Zivilisten, die in den schrumpfenden Rebellengebieten gefangen seien. Ihr lägen Berichte vor, nach denen Soldaten von Präsident Baschar al-Assad und verbündete Milizen aus dem Irak mindestens 82 Zivilisten während der Vorstöße ins Rebellengebiet getötet hätten.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat für Mittwoch Gespräche mit Vertretern Russlands angekündigt, bei denen es um die Schaffung eines Korridors sowie eine Feuerpause gehen soll.

14.10 Uhr

Mehr als 100 Kinder sind laut der Hilfsorganisation Unicef in einem Gebäude im Osten Aleppos eingeschlossen, das sich unter heftigem Beschuss befinden soll. Die Uno-Organisation beruft sich in seinem Statement auf einen Arzt, der aber nicht namentlich bekannt ist. Die Kinder seien demnach unbegleitet oder von ihren Eltern getrennt, sagte Geert Cappelaere, Unicef-Regionaldirektor für den Nahen Osten.

12.50 Uhr

Die Uno-Nothilfeorganisation Ocha meldet, während des Entscheidungskampfes um Ost-Aleppo in den vergangenen Tagen seien weitere 37.000 Menschen aus dem Kampfgebiet geflohen. Zudem seien Tausende weitere Flüchtlinge offenbar entkommen, aber nicht erfasst worden.

Dennoch verbleibe eine ungenannte Zahl von mehreren Tausend Eingeschlossenen im schrumpfenden Rebellengebiet. Ocha-Sprecher Jens Laerke verurteilte angesichts Dutzender Toter beim Sturm der Regierungstruppen und ihrer schiitischen Verbündeten auf Ost-Aleppo einen "völligen Zusammenbruch der Menschlichkeit" in der umkämpften Stadt.

12.25 Uhr

"Die Situation ist desaströs. Sie bricht einem das Herz." Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande verlangen vom kommenden EU-Gipfel ein klares Signal für die Unterstützung der Not leidenden Menschen im syrischen Aleppo.

Es müsse auf allen Ebenen dafür gesorgt werden, dass die Zivilbevölkerung geschützt und humanitäre Unterstützung möglich werde. Der Appell richte sich an das syrische Regime, aber auch an seine Unterstützer Russland und Iran. Hollande forderte, alles zu unternehmen, um die Zivilbevölkerung aus dem Osten Aleppos herauszubringen und humanitäre Korridore zu schaffen.

11.55 Uhr

Ein Kommandeur der Rebellen im Ostteil der Stadt fleht um Hilfe: Die USA und die Türkei sollten schnell handeln, um die Zivilisten in dem Gebiet zu retten, das von der Enklave der Aufständischen noch übrig ist.

Das Hauptproblem sei, dass nach wie vor Bomben auf ein "eng begrenztes Gebiet" fielen. Eine Untergruppe der Freien Syrischen Armee im Ostteil der Stadt, die Dschaba al-Schamija, sagte der Agentur Reuters, am Dienstagvormittag habe sich die Lage für die Rebellen wieder verbessert.

11.40 Uhr

Sie hatten bis zuletzt unermüdlich und unter vielen persönlichen Opfern die Menschen aus Schuttbergen in Ost-Aleppo gerettet. Am Dienstag erklärten die Weißhelme über ihre Social-Media-Kanäle: Wir können nicht mehr.

"Wir hören Kinder weinen, wir hören Hilfeschreie. Aber wir können nichts machen, die Bomben fallen die ganze Zeit." So schildern die Retter der Hilfsorganisation Syrische Weißhelme die dramatische Lage im Ostteil von Aleppo. mehr...

11.25 Uhr

In eine "höllische Ecke" gedrängt, harren Tausende Zivilisten im letzten Rebellengebiet Ost-Aleppos aus: So erklärt der Sprecher des Uno-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville, die Lage in der umkämpften Stadt.

Man prüfe Berichte, wonach syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten in den vergangenen Tagen mindestens 82 Zivilisten im Ostteil der Stadt getötet haben. In den Meldungen sei auch von "elf Frauen und 13 Kinder, in vier Stadtvierteln" die Rede gewesen. Colville ergänzte, es könne noch viel mehr geben. Den Berichten zufolge wurden Menschen auf der Flucht auf offener Straße und in ihren Häusern niedergeschossen.

Nach Angaben des Sprechers wurden die Gräuel "wahrscheinlich in den vergangenen 48 Stunden" in verschiedenen Bezirken des bisher von Rebellen gehaltenen Ostteils begangen. Nach Colvilles Angaben, die sich auf Informationen aus der umkämpften Stadt beziehen, ist nur noch weniger als ein Quadratkilometer in Rebellenhand.

Das ganze Statement von Uno-Sprecher Rupert Colville finden Sie hier.

11.10 Uhr

Bereits am Montag waren mehre Viertel an Pro-Regierungstruppen gefallen. Hier feiern Anhänger des Regimes die siegreichen Soldaten, während weiter Bomben fallen.

cht/kev/mho/dpa/Reuters

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