Syrien Assad-Truppen kappen Versorgungsroute in Aleppo

Syrische Regimetruppen haben die Rebellen in Aleppo erneut von der Außenwelt abgeschnitten und ihre letzte Versorgungsroute gekappt. Die USA warnen Russland, ihre Geduld sei nicht unbegrenzt.

Regimesoldaten in Aleppo
REUTERS

Regimesoldaten in Aleppo


Während die US-Regierung Russland zu einem "echten" Waffenstillstand in Syrien drängt, hat die syrische Armee in der umkämpften Großstadt Aleppo den Rebellen ein strategisch wichtiges Viertel entrissen. Die Regierungstruppen eroberten am Donnerstag den Stadtteil Ramussa und kappten damit die einzige Versorgungsroute in die von Rebellen gehaltenen Stadtteile, wie Aktivisten berichteten.

Nach schweren Gefechten hätten die Armee von Machthaber Baschar al-Assad und verbündete Einheiten "die volle Kontrolle über den Stadtteil Ramussa übernommen", teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die ihre von unabhängiger Seite kaum überprüfbaren Informationen von Ärzten und Aktivisten in Syrien erhält.

Ramussa ist ein strategisch wichtiges Viertel: Islamistische Rebellenkämpfer hatten es vor einem Monat erobert und damit den Belagerungsring um die Rebellenviertel durchbrochen. Bereits am Sonntag kesselten die Assad-Truppen den Osten Aleppos erneut ein und schnitten ihn komplett von der Außenwelt ab. Laut der Beobachtungsstelle wurden die syrischen Soldaten dabei von irakischen und iranischen Milizen sowie von der russischen Luftwaffe unterstützt.

Leere Stände: Markthändler in Aleppo
AFP

Leere Stände: Markthändler in Aleppo

Unterdessen forderte US-Verteidigungsminister Ashton Carter Moskau auf, rasch in einen Waffenstillstand einzuwilligen. Es brauche eine echte Einstellung der Kämpfe, sagte Carter der BBC, "nicht was wir gesehen haben, was eine teilweise Einstellung der Kämpfe war". Die Geduld der Amerikaner sei nicht unbegrenzt. Russland hilft dem syrischen Regime seit einem Jahr mit Einsätzen der Luftwaffe im Kampf gegen die Rebellen.

Von russischer Seite hieß es, Außenminister Sergej Lawrow werde in Genf zu einem "persönlichen Treffen" mit seinem US-Kollegen John Kerry zusammenkommen, um über den geplanten Waffenstillstand zu sprechen. Ein Sprecher Kerrys bestätigte dies jedoch nicht und sagte, die Verhandlungen liefen noch. Carter warnte, es sei "noch ein weiter Weg", bevor die beiden Rivalen eine endgültige Vereinbarung erreichen würden.

Die USA und Russland sind sich einig, dass eine Vereinbarung eine dauerhafte Waffenruhe, humanitären Zugang zur notleidenden Bevölkerung sowie die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen umfassen soll. Ende Februar hatten die Konfliktparteien auf Vermittlung der USA und Russlands eine Waffenruhe vereinbart, die jedoch nie gänzlich eingehalten worden war.

mja/dpa/

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