Krieg in Syrien Aleppo vollständig evakuiert

Aleppo ist nach Angaben der syrischen Armee wieder unter Regierungskontrolle. Zivilisten und Rebellen haben den Osten der Stadt verlassen.

Evakuierung von Eingeschlossenen in Aleppo
AP

Evakuierung von Eingeschlossenen in Aleppo


Die letzten Kämpfer und Zivilisten haben die verbliebenen Rebellengebiete der lange umkämpften nordsyrischen StadtAleppo offenbar verlassen. Das berichteten mehrere regierungstreue Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Aus syrischen Armeekreisen hieß es, das Militär werde den Vormarsch in die zuletzt noch von oppositionellen Milizen kontrollierten Viertel bekannt geben. Auch das Rote Kreuz hat bestätigt, dass die Evakuierung der Stadt abgeschlossen sei.

Die Vereinten Nationen hatten bereits zuvor mitgeteilt, dass die Endphase der Evakuierungen erreicht sei. Bis zum Donnerstagmorgen hätten etwa 35.000 Menschen die Gebiete in mehr als 200 Bussen und zahlreichen Pkw verlassen. Auch die Evakuierung der beiden von Rebellen belagerten Schiitenorte Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens sei fast abgeschlossen, sagte der Uno-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland. Wie lange der Einsatz noch dauern wird, ließ er aber offen.

Wenn die regimetreuen Truppen in die bisherigen Rebellengebiete vorgerückt sind, ist Aleppo das erste Mal seit 2012 wieder vollständig unter Kontrolle der Regierung und ihrer Verbündeten. Aleppo gehörte im fast sechs Jahre dauernden Bürgerkrieg zu den am stärksten umkämpften Gebieten.

Assad feiert Erfolg der syrischen Armee

Die syrische Armee teilte mit, der Erfolg sei ein strategisch wichtiger Wendepunkt im "Krieg gegen den Terrorismus". Assad hatte zuvor erklärt, die Einnahme Aleppos sei auch ein Sieg der engen syrischen Verbündeten Russland und Iran. Sie unterstützen die syrische Regierung im Bürgerkrieg militärisch. Moskau fliegt Luftangriffe, Teheran fördert zahlreiche schiitische Milizen.

Syrer in Aleppo feiern die Eroberung der Stadt
AFP

Syrer in Aleppo feiern die Eroberung der Stadt

Syrische Regierungstruppen hatten den Osten Aleppos in der vergangenen Woche mit Unterstützung russischer Bombardements eingenommen. Die Uno-Generalversammlung hatte in der Nacht zum Donnerstag beschlossen, eine Arbeitsgruppe zu möglichen Kriegsverbrechen in Ost-Aleppo einzurichten. Die Dossiers sollen später als Grundlage für mögliche Gerichtsverfahren dienen.

Syrien ist weiterhin zersplittert

Trotz Assads Erfolg in Aleppo ist das Land weiter in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterteilt. Türkische Truppen und verbündete Milizen rücken in blutigen Kämpfen gegen den IS und die Kurden vor. Ein US-geführtes Bündnis fliegt Angriffe gegen die Extremisten.

In den vergangenen Wochen hatten die syrische Armee und ihre Verbündeten den allergrößten Teil der von oppositionellen Milizen beherrschten Viertel Aleppos eingenommen. Regierung und Regimegegner einigten sich daraufhin auf den Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus den letzten Rebellengebieten - die Evakuierung wurde wegen Unstimmigkeiten jedoch mehrfach ausgesetzt.

Viele Menschen mussten tagelang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Transport warten. Einige saßen mehr als 36 Stunden in Bussen fest. Wegen einer monatelangen Blockade durch die Regierungstruppen war die humanitäre Lage in Ost-Aleppo laut Hilfsorganisationen ohnehin katastrophal. Große Teile des Gebietes sind durch jahrelange Luftangriffe und Gefechte völlig zerstört.

mho/dpa

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