Weißhelme über Aleppo Russland soll für 1207 tote Zivilisten verantwortlich sein

Die Anschuldigungen der Hilfsorganisation Syrische Weißhelme sind gravierend: Seit Juli sollen bei russischen Luftangriffen auf Aleppo 1207 Zivilisten umgekommen sein, darunter 380 Kinder.

Aleppo
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Seit einigen Stunden läuft die Evakuierung der Bewohner und Rebellen aus Ost-Aleppo, doch noch immer sitzen Zehntausende Menschen in der syrischen Stadt fest. Laut des Uno-Sondergesandten Staffan de Mistura handelt es sich um 50.000 Menschen, darunter etwa 40.000 Zivilisten.

Die Evakuierung könnte nach Angaben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) noch Tage dauern. Die syrische Armee rückte in der Nacht in einige frühere Rebellengebiete in Ost-Aleppo ein und hisste ihre Fahnen auf den Gebäuden. Syriens Präsident Baschar al-Assad hatte Aleppo zuvor für "befreit" erklärt.

Unterdessen erhebt die Hilfsorganisation Syrische Weißhelme in einem Schreiben an einen Untersuchungsausschuss der Vereinten Nationen schwere Anschuldigungen gegen Russland. "Es gibt Beweise, die klar darauf hindeuten, dass Russland Kriegsverbrechen begangen hat oder mitschuldig ist", steht in dem 39-seitigen Dokument. Demnach sind bei russischen Luftschlägen in Aleppo 1207 Zivilisten, darunter 380 Kinder, ums Leben gekommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, der das Schreiben vorliegt.

Den Brief haben die Weißhelme zusammen mit weiteren Nichtregierungsorganisationen übermittelt. In dem Dokument sind 304 Angriffe aufgelistet, die es zwischen Juli und Dezember 2016 in Aleppo gegeben haben soll, und für die mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland verantwortlich sei.

Die Anschuldigungen basieren laut der Weißhelme auf Zeugenaussagen und unterstützendem Beweismaterial. Dazu zählen Videoaufnahmen, mit denen sich russische Kampfjets identifizieren lassen, abgefangene Tonaufnahmen aus Cockpits der Maschinen und verwendete Munition.

Die russische Uno-Vertretung war laut Reuters zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erreichen. Ohne Russlands Unterstützung hätte das Assad-Regime Aleppo nicht einnehmen können.

Kanzlerin Angela Merkel hatte Russland und Iran nach dem EU-Gipfel in Brüssel ebenfalls für die Verbrechen an der Zivilbevölkerung in Aleppo verantwortlich gemacht.

max/Reuters/dpa

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