Russland Polizei nimmt Dutzende Nawalny-Anhänger fest

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist zwar wieder frei - dafür hat die russische Polizei jetzt viele seiner Anhänger festgenommen. In Hamburg gefragt, warum er nicht einmal den Namen des Oppositionellen in den Mund nehme, wich Wladimir Putin aus.

Polizisten in Moskau führen eine Nawalny-Unterstützerin ab
REUTERS

Polizisten in Moskau führen eine Nawalny-Unterstützerin ab


Allein in Moskau sind bei einer Kampagne für Nawalny rund 70 Menschen festgenommen worden, das teilte die Polizei laut Agentur Interfax mit. Russische Onlinemedien zeigten Bilder von Polizisten bei Aktionen von Nawalnys Anhängern. Auch in mehreren Provinzstädten gab es dem Bürgerrechtlerportal OWD-Info zufolge mehr als 20 Festnahmen.

Präsident Wladimir Putin wurde beim G20-Gipfel in Hamburg gefragt, was er von Nawalny halte und warum er dessen Namen nicht einmal in den Mund nehme. Präsident und Regierung könnten nur mit Menschen reden, die konstruktive Vorschläge machen, antwortete Putin. "Wenn es nur darum geht, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dann ist das für einen Dialog uninteressant." Der Kreml-Chef vermied es dabei erneut, den Namen des Oppositionellen auch nur zu nennen.

Nawalny war am Freitag nach 25 Tagen Arrest aus dem Gefängnis entlassen worden. Ein Moskauer Gericht hatte ihn in einem Schnellverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht verurteilt, nachdem er Mitte Juni zu nicht erlaubten Demonstrationen aufgerufen hatte. Tausende Menschen waren dem Aufruf damals gefolgt. Hunderte von ihnen wurden festgenommen.

Medwedew nennt Vorwürfe "Quatsch"

Nawalny gilt als einer der schärfsten Kritiker des Kreml. Er prangert seit Jahren die Korruption in Russland an. Im März hatte er einen Film veröffentlicht, in dem Ministerpräsident Dmitrij Medwedew vorgeworfen wird, ein riesiges Vermögen durch ein Netzwerk an Stiftungen zu kontrollieren. Nach längerem Schweigen wies Medwedew den Vorwurf als "Quatsch" zurück.

Bei der Präsidentenwahl 2018 will Nawalny nach eigenem Bekunden gern antreten. Umfragen zufolge hätte er jedoch kaum Chancen. Die Wahlkommission hat außerdem mitgeteilt, dass der Oppositionelle wegen einer Bewährungsstrafe nicht kandidieren darf.

Für dieses Wochenende hatte Nawalnys Stab in mehreren Städten zu einer Kampagne aufgerufen. Dabei sollten unter anderem rote Luftballons und Flugblätter verteilt werden. Bereits am Freitag hatte die Polizei mehrere Wahlkampfbüros durchsucht.

chs/dpa



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