Prozess gegen Kreml-Kritiker Gericht setzt Haftstrafe gegen Nawalny zur Bewährung aus

Alexej Nawalny bleibt auf freiem Fuß. Ein Gericht in Kirow bestätigte zwar die fünfjährige Haftstrafe für den Putin-Gegner, setzte diese jedoch zur Bewährung aus. Der Oppositionelle will erneut in Berufung gehen.
Prozess gegen Kreml-Kritiker: Gericht setzt Haftstrafe gegen Nawalny zur Bewährung aus

Prozess gegen Kreml-Kritiker: Gericht setzt Haftstrafe gegen Nawalny zur Bewährung aus

Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS

Moskau - Russlands prominentester Oppositioneller muss vorerst nicht ins Gefängnis. Ein Gericht in Kirow hat die Gefängnisstrafe gegen Alexej Nawalny in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. In einem weniger als drei Stunden dauernden Berufungsverfahren wurde zudem auch die Strafe gegen den Mitangeklagten Pjotr Ofizerow ausgesetzt.

Obwohl Nawalny damit in Freiheit bleiben darf, bezeichnete er das Urteil als "ungerecht" und kündigte erneut Berufung an. Er hatte zu Beginn der Verhandlung auf einen vollständigen Freispruch plädiert.

In erster Instanz war Nawalny zu fünf Jahren Haft verurteilt worden - ohne Bewährung. Der 37-Jährige soll zwischen April und August 2009 den staatlichen Holzbetrieb Kirowles um etwa 16 Millionen Rubel - umgerechnet rund 372.000 Euro - geschädigt haben. Nawalny war in dem betreffenden Zeitraum Berater des Gouverneurs der rund 900 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Kirow.

Nawalny will politischen Kampf gegen Putin fortsetzen

Bis zum Berufungsverfahren wurde die Strafe ausgesetzt. Dadurch konnte Nawalny am 8. September bei der Bürgermeisterwahl in Moskau antreten. Dabei schnitt er mit gut 27 Prozent erstaunlich stark ab. Der Kreml-Kandidat und Amtsinhaber Sergej Sobjanin schaffte mit 51,3 Prozent nur knapp die notwendige Mehrheit, die ihn von einer Stichwahl befreite.

Nawalny ist einer der bekanntesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin und gehörte zu den wichtigsten Organisatoren der Demonstrationen gegen dessen dritte Amtszeit. Er werde den "politischen Kampf fortsetzen", kündigte Nawalny nach dem Urteil am Mittwoch an. Gegen ihn sind noch weitere Verfahren anhängig, in denen ihm und seinem Bruder Verurteilungen drohen.

Während der Verhandlung hatte Nawalny erneut die Möglichkeit genutzt, seinen Unmut über Präsident Wladimir Putin demonstrativ kundzutun: Auf der Anklagebank tippte er auf einem tragbaren Computer, auf dem ein Aufkleber mit der Aufschrift "Putin - Dieb" prangte.

syd/AFP/dpa
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