Schuldenstreit mit Griechenland Tsipras bringt Referendum über Sparmaßnahmen ins Spiel

Drei Stunden lang ließ sich Alexis Tsipras vom griechischen Fernsehen interviewen. Fazit: Das Verhältnis zu Angela Merkel sei gut, sein Vertrauen in Gianis Varoufakis groß, eine Einigung mit den Gläubigern möglich. Falls nicht, soll das Volk entscheiden.
Griechenlands Ministerpräsident Tsipras: "Wir dürfen nicht panisch werden"

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras: "Wir dürfen nicht panisch werden"

Foto: JOHN THYS/ AFP

Die Verhandlungen zwischen Griechenland und den internationalen Geldgebern ziehen sich. Ministerpräsident Alexis Tsipras zeigt sich dennoch optimistisch: "Trotz aller Schwierigkeiten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir aus den Verhandlungen als Sieger hervorgehen", sagte der Regierungschef in einem Interview mit dem Fernsehsender Star-TV. "Wir dürfen nur nicht panisch werden. Wer Angst bekommt, verliert das Spiel", sagte Tsipras.

Der Premier sagte, er rechne bis zum 9. Mai mit einer Einigung. Auf dem Spiel stehen Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Athen braucht diese Geld, um seine Schulden zu bedienen sowie Renten und Gehälter zu bezahlen.

Am 12. Mai muss Griechenland etwa 700 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Einen Tag vorher will die Eurogruppe entscheiden, ob sie die blockierten Hilfen an Athen auszahlt. Die Geldgeber wollen von Athen ein umfangreiches Reformpaket sehen, das möglichst schnell umgesetzt wird.

Für den Fall, dass die Gespräche doch scheitern sollten, hat Tsipras Neuwahlen kategorisch ausgeschlossen. Er brachte jedoch die Möglichkeit eines Referendums ins Spiel. "Wenn es kein akzeptables Abkommen gibt, wird das Volk entscheiden - natürlich ohne Neuwahlen, das will ich ganz klar machen", sagte der Syriza-Chef.

Tsipras trat in dem dreistündigen Interview dem Eindruck entgegen, er habe seinem Finanzminister Gianis Varoufakis das Vertrauen entzogen. "Varoufakis ist ein wichtiger Mann für die Regierung und das Land", sagte der Premier. Varoufakis leite weiterhin die Verhandlungen mit den Gläubigern, werde sich dabei künftig aber stärker mit Euklidis Tsakalotos abstimmen, dem stellvertretenden Außenminister, der als Tsipras-Vertrauter gilt.

Der Ministerpräsident betonte, dass er ein gutes Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel habe. Zwar habe sich seine negative Meinung über ihre Politik nicht geändert. Aber: "Sie weiß, wovon sie spricht und hat ihre Hausaufgaben gemacht. Sie hat diese typisch deutsche Kultur, was gut für unsere Beziehung ist", sagte Tsipras. "Sie will, dass ihr Gegenüber ehrlich ist und keine Lügen erzählt. Und ich erzähle keine Lügen."

Gleichwohl stichelte Tsipras kurz darauf: "Die Bundeskanzlerin will eine Lösung finden, aber sie ist in ihrer Unfähigkeit gefangen, das Scheitern des Austeritätsprogramms einzugestehen", sagte der Premier.

Tsipras sagte in dem Interview, dass die Verhandlungen mit Russland über eine Beteiligung an der Pipeline Turkish Stream weiterliefen. Moskau will mit der Pipeline ab 2019 Gas nach Europa transportieren. Athen hofft dafür auf einen Vorschuss aus Russland. "Das Projekt wird jährlich Einnahmen von 100-150 Millionen Euro erwirtschaften. Und wir haben uns mit Präsident Putin darauf geeinigt, die Möglichkeit zu prüfen, dass ein großer Teil davon, etwa drei bis fünf Milliarden Euro, vorab an Griechenland ausgezahlt wird", sagte Tsipras. "Die Diskussionen darüber laufen noch."


Zusammengefasst: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ist politisch angeschlagen. In dem ersten großen TV-Interview seit seiner Wahl im Januar hat der Syriza-Chef Stärke demonstriert: Eine Einigung im Schuldenstreit sei möglich. Sollten die Gläubiger aber zu strenge Forderungen stellen, wolle er ein Referendum abhalten. In den Augen der Geldgeber dürfte das wie eine Drohung klingen.

syd/Reuters/AFP; Mitarbeit: Giorgos Christides
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